XING Wechselwilligkeitsstudie 2026
Wo Beschäftigte am häufigsten mit dem Job hadern

| Redaktion 
| 11.08.2026

Gute Mitarbeiter zu gewinnen, ist nicht leicht. Noch schwerer gestaltet es sich mitunter, sie zu halten – und so ist für Unternehmen gerade in Zeiten mangelnder Fachkräfte relevant, wie zufrieden ihre Beschäftigten tatsächlich sind. Schließlich scheint Demotivation am Arbeitsplatz ausgesprochen förderlich für den Wechselwillen von Angestellten zu sein, wie eine aktuelle Studie von XING nahelegt.

Der deutsche Arbeitsmarkt steckt in einem bemerkenswerten Spannungsfeld: Während Unternehmen in etlichen Branchen händeringend nach Fachkräften suchen, blicken viele Beschäftigte trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten vergleichsweise selbstbewusst auf ihre eigenen Karrierechancen.

Gleichzeitig hat sich die Beziehung zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern verändert: Ein sicherer Job bleibt vielen Beschäftigten zwar wichtig, allerdings will längst nicht mehr jeder aus bloßer Gewohnheit beim aktuellen Unternehmen bleiben. Wer unzufrieden ist, prüft häufiger Alternativen – und selbst, wer nicht aktiv sucht, hört bei unterbreiteten Angeboten aufmerksam zu.

Doch natürlich denken nicht alle Arbeiter gleich: Eine aktuelle Studie von XING zeigt auf, dass die Ausprägung dieser Haltung durchaus stark von Bundesland zu Bundesland variiert.

Hamburg, Berlin und Brandenburg besonders wechselaffin

Für die Wechselwilligkeitsstudie 2026 haben XING und forsa insgesamt 3418 Arbeitnehmer und damit ungefähr 200 pro Bundesland befragt. Bundesweit zeigt sich dabei, dass 34 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen grundsätzlich für einen Berufswechsel offen sind.

Besonders überdurchschnittlich fallen die Werte in Hamburg (44 Prozent) sowie in Berlin und Brandenburg (jeweils 42 Prozent) aus – und tatsächlich sind das genau die drei Regionen, in denen Angestellte am häufigsten "mindestens einmal pro Woche demotiviert" sind oder "keine Lust auf ihren Job" haben.

"Die Bereitschaft, den Job zu wechseln, entsteht selten aus einem einzigen Grund. Allerdings ist die Demotivation in den Regionen, wo die Wechselwilligkeit stärker ausgeprägt ist, besonders hoch", bestätigt XING-Arbeitsmarktexperte Dr. Julian Stahl.

"Für Arbeitgeber heißt das: Wer Menschen halten will, muss nicht nur Sicherheit bieten, sondern auch verhindern, dass der Arbeitsalltag zur dauerhaften Motivationsbremse wird. Oft geht es aber eher um Optionen. Wer nicht aktiv sucht, kann trotzdem für neue, bessere Angebote offen sein."

Jobverlust bereitet kein ernstes Kopfzerbrechen

Im Gegenzug ist die Wechselwilligkeit im Saarland (25 Prozent), in Bayern (26 Prozent), in Bremen (27 Prozent) und in Nordrhein-Westfalen (29 Prozent) unterdurchschnittlich ausgeprägt. Passend zu den vorherigen Erkenntnissen liegt die Demotivation am Arbeitsplatz in Bayern und im Saarland mit jeweils 30 Prozent außerdem unter dem Bundesdurchschnitt von 36 Prozent.

Insgesamt nicht sehr groß ist die Sorge vor einem Jobverlust: 14 Prozent in Bremen und Baden-Württemberg stellen hier bereits den Höchstwert dar, während sich in Niedersachen gerade einmal zwei Prozent entsprechende Gedanken machen.

Auf der anderen Seite sind viele Befragte zuversichtlich, im Falle eines beendeten Angestelltenverhältnisses recht zeitnah ein neues zu finden. So gehen in Nordrhein-Westfalen und Berlin ganze 70 Prozent davon aus, innerhalb von sechs Monaten wieder beschäftigt zu sein; auch in Schleswig-Holstein und Bremen (jeweils 68 Prozent) sowie in Hamburg (66 Prozent) sind die Werte hoch.

Was erwarten Beschäftigte von neuen Arbeitgebern?

Bei der Frage, was einen potenziellen neuen Arbeitgeber attraktiv macht, zeigen sich ebenfalls regionale Unterschiede. Wenig überraschend bleibt das Geld dabei über alle Bundesländer hinweg ein sehr relevanter Faktor:

Durchschnittlich 63 Prozent erwarten ein höheres Gehalt als beim vorherigen Unternehmen. In Niedersachsen legen darauf mit 72 Prozent besondere viele Arbeiter großen Wert, während sich Mecklenburg-Vorpommern mit 56 Prozent am wenigsten finanziell orientiert.

Schleswig-Holstein (74 Prozent) und Bremen (73 Prozent) ist gutes Führungsverhalten besonders wichtig, was in Sachsen (53 Prozent) wiederum nicht allzu weit oben auf der Prioritätenliste steht.

Interessanter Kontrast zwischen den Metropolen: Eine sinnstiftende Beschäftigung ist im Bundesschnitt 57 Prozent wichtig, was Hamburg um zehn Prozentpunkte übertrifft – gleichzeitig erreicht Berlin mit 48 Prozent den niedrigsten Wert.

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV