KI, Digitalisierung & Satellitentechnik
Rheinmetall plant Technologiezentrum für 500 Wissenschaftler in Neuss

Rheinmetall will 250 Millionen Euro in ein neues Technologiezentrum in Neuss investieren. Rund 500 Wissenschaftler sollen dort an Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung und Satellitentechnik arbeiten. Das Zentrum soll direkt neben der bestehenden Fertigungsstätte entstehen und den Standort deutlich erweitern.

Der Rüstungskonzern Rheinmetall will seinen Standort in Neuss deutlich ausbauen. Konzernchef Armin Papperger kündigte den Bau eines Technologiezentrums an, in das 250 Millionen Euro fließen sollen. Geplant sind rund 500 Arbeitsplätze für Wissenschaftler in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Satellitentechnik. Wie die Rheinische Post berichtet, soll das Zentrum unmittelbar neben der bestehenden Fertigungsstätte entstehen.

Nach Angaben Pappergers werde am Standort bereits heute jede Woche ein neuer Satellit gefertigt und ein Umsatz von zwei Milliarden Euro erzielt.

Neuss soll zum Technologie-Cluster wachsen

Mit dem zusätzlichen Technologiezentrum will Rheinmetall seine Aktivitäten in Neuss deutlich erweitern. Papperger geht davon aus, dass sich rund um den Standort ein Hochtechnologie-Cluster entwickelt, in dem künftig 5.000 bis 6.000 Menschen arbeiten und forschen könnten.

Der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer bestätigte die Pläne für ein Defence-Center. Hinter den Kulissen werde bereits seit Monaten an dem Projekt gearbeitet. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur begrüßte die Investitionspläne und verwies auf die Bedeutung Nordrhein-Westfalens als Wirtschafts- und Forschungsstandort. Sie sieht insbesondere im Technologietransfer zwischen zivilen Innovationen und sicherheitsrelevanten Anwendungen Potenzial.

Die Pläne knüpfen an eine Entwicklung an, die sich bereits länger abzeichnet. Schon im März 2025 war über eine mögliche Umstellung des Rheinmetall-Standorts in Neuss auf Rüstungsproduktion berichtet worden. Damals hatte der Konzern betont, dass noch keine entsprechende Entscheidung gefallen sei.

Neuss entwickelt sich damit zum zweiten großen Rheinmetall-Produktionsstandort in Nordrhein-Westfalen. In Weeze hat der Konzern innerhalb von 16 Monaten ein Werk für Mittelteile des F35-Kampfjets aufgebaut. Die Auslieferung an Partner in den USA soll laut Papperger in Kürze beginnen.

Rheinmetall baut Kapazitäten massiv aus

Die Pläne für Neuss stehen in einem deutlich größeren Investitionsprogramm. Rheinmetall will in den kommenden sechs Jahren insgesamt 30 Milliarden Euro investieren. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres stieg der Konzernumsatz um 39 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern erreichte 664 Millionen Euro. Der Konzern beschäftigt knapp 36.000 Mitarbeiter, davon mehr als 19.000 in Deutschland.

Vom Kapazitätsausbau sollen auch Zulieferer profitieren. Nach Angaben Pappergers vergibt Rheinmetall allein in diesem Jahr Aufträge über acht Milliarden Euro an rund 11.500 Zulieferer. Rund 20 Prozent des Auftragsvolumens entfallen auf Nordrhein-Westfalen.

Neue Anforderungen an Zulieferer

Mit dem Wachstum steigen zugleich die Anforderungen an die Lieferkette. Papperger fordert insbesondere von Unternehmen, die bislang stark auf die Automobilindustrie ausgerichtet waren, mehr Flexibilität. Als Beispiel nannte er die Produktion von Bauteilen für Drohnen: Lieferanten müssten sich innerhalb kurzer Zeit auf andere Teile und sich schnell verändernde Technologien einstellen.

Die Landesregierung bemüht sich laut dem Bericht bereits seit Jahren darum, familiengeführte Mittelständler stärker an die Rüstungsbranche heranzuführen. Rheinmetall setzt angesichts des Kapazitätsausbaus ebenfalls verstärkt auf Zulieferer. Damit gewinnt die Expansion des Konzerns auch für Unternehmen außerhalb der klassischen Verteidigungsindustrie an Bedeutung.

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