Mit dem Einstieg in München verbindet Waymo konkrete Investitionspläne. Das Unternehmen will einen lokalen Flottenbetrieb aufbauen und hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen. Gleichzeitig wird München zum Testfall dafür, wie sich kommerzielle Robotaxis unter deutschen Verkehrs- und Regulierungsbedingungen etablieren lassen.
Waymo startet Testphase in München
Die ersten Fahrzeuge sollen bereits in den kommenden Wochen durch München fahren. In dieser Phase geht es zunächst um die Kartierung des Straßennetzes. Die Autos werden dabei noch manuell gesteuert.
Anschließend sind Testfahrten mit speziell geschultem Fachpersonal vorgesehen. Dabei soll der sogenannte Waymo Driver auf die Besonderheiten des Münchner Verkehrs vorbereitet werden.
Das autonome Fahrsystem arbeitet mit Lidar, Kameras und Radar. Laut Waymo können die Sensoren die Umgebung bis zu 300 Meter weit erfassen.
Parallel dazu arbeitet das Unternehmen mit Politik und Behörden auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene an den erforderlichen Genehmigungs- und Zulassungsschritten. Gegen Ende 2027 soll der Fahrdienst für die Öffentlichkeit zugänglich werden.
München wird zum Robotaxi-Testfeld
München rückt damit weiter ins Zentrum des europäischen Wettbewerbs um autonome Fahrdienste. Schon im Juni hatte sich abgezeichnet, dass die Stadt neben London zu einem wichtigen Testfeld für Robotaxis wird.
Die bayerische Landeshauptstadt entwickelt sich damit zunehmend zu einem Standort, an dem internationale Anbieter ihre Technologien unter europäischen Verkehrs- und Regulierungsbedingungen erproben wollen.
Waymo bringt dafür bereits umfangreiche Betriebserfahrung aus den USA mit. Das Alphabet-Tochterunternehmen betreibt dort kommerzielle autonome Fahrdienste und absolviert nach eigenen Angaben mehr als 500.000 Fahrten pro Woche. Öffentlich zugängliche Angebote gibt es unter anderem in San Francisco, Los Angeles und Phoenix.
Das Unternehmen verweist zudem auf mehr als 20 Jahre Erfahrung mit seiner Technologie. Waymo gibt an, mehr als 300 Millionen Kilometer auf öffentlichen Straßen zurückgelegt zu haben. In der Mitteilung zum Deutschland-Start nennt der Anbieter außerdem Daten aus mehr als 350 Millionen vollautonom gefahrenen Kilometern.
Auch andere Anbieter setzen bei autonomen Fahrdiensten auf München. Uber und Autobrains planen in der Stadt ebenfalls ein Robotaxi-Projekt der Automatisierungsstufe 4.
Deutschland setzt auf bestehenden Rechtsrahmen
Für den deutschen Markt ist der Einstieg auch industriepolitisch relevant. Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, verweist auf den bestehenden Rechtsrahmen für autonomes Fahren. Die geplante Markteinführung zeige, dass autonome Mobilitätsdienste in Deutschland im Regelbetrieb möglich seien.
Zugleich fordert Hirte, dass solche Technologien künftig nicht nur in Europa genutzt, sondern auch hier entwickelt und betrieben werden.
Auch die Bayerische Staatsregierung sieht in der Entscheidung ein Signal für den Standort. Staatskanzleichef Florian Herrmann verweist auf die ansässigen Automobilhersteller und Zulieferer, die Forschungslandschaft, Start-ups und den KI-Sektor.
"Dass Waymo München für den Einstieg in den deutschen Markt und die Etablierung seines autonomen Fahrdienstes wählt, unterstreicht die Attraktivität unseres Hightech-Standorts“, sagt Herrmann.
Bayern will nach seinen Angaben die Rahmenbedingungen weiter verbessern, Bürokratie abbauen und regulatorische Hürden beseitigen.
Waymo kündigt Investitionen und Jobs an
Für den Aufbau seines Deutschland-Geschäfts will Waymo in München investieren. Geplant sind ein lokaler Flottenbetrieb und die Schaffung hochqualifizierter Arbeitsplätze. Wie hoch die Investitionen ausfallen und wie viele Stellen entstehen sollen, nennt das Unternehmen bislang nicht.
"München zählt weltweit zu den absoluten Top-Standorten für Mobilität und Technologie. Dass wir nun Teil dieser Stadt werden, ist ein bedeutender Schritt beim Ausbau unserer weltweiten Präsenz“, sagt Waymo-Co-CEO Tekedra Mawakana.
Waymo will seinen Dienst außerdem mit bestehenden Mobilitätsangeboten verknüpfen. Nach Angaben des Unternehmens soll er den öffentlichen Nahverkehr sowie Rad- und Fußverkehr ergänzen.
Sicherheit als zentrales Argument
Waymo stellt beim Deutschland-Start vor allem die Verkehrssicherheit heraus. Nach Unternehmensangaben verzeichnen die Fahrzeuge in den bisherigen US-Einsatzgebieten bei gleicher Fahrleistung 94 Prozent weniger Unfälle mit Verletzten als menschliche Fahrer.
Für mehr als 350 Millionen vollautonom gefahrene Kilometer nennt das Unternehmen weitere Vergleichswerte: 16-mal weniger Unfälle mit Schwerverletzten, 14-mal weniger Fußgängerunfälle mit Personenschaden und sechsmal weniger Fahrradunfälle mit Personenschaden. Die Zahlen stammen von Waymo und beziehen sich auf die bisherigen Einsatzgebiete.
Ob sich diese Erfahrungen auf deutsche Verkehrsbedingungen übertragen lassen, muss die Testphase in München zeigen. Die ersten Fahrzeuge sollen bereits in den kommenden Wochen unterwegs sein. Ende 2027 soll der vollautonome Fahrdienst für die Öffentlichkeit öffnen.
München wird damit zu einem wichtigen Praxistest für die Frage, wie sich kommerzielle Robotaxis in den deutschen Rechtsrahmen und einen der wichtigsten Automobil- und Technologiestandorte des Landes integrieren lassen.
Kommentar veröffentlichen