Noch bis Mittwoch werden in Peking die 2026 World Humanoid Robot Games ausgetragen. Gemäß des Namens messen sich Roboter dabei in insgesamt 51 Wettbewerben, die sowohl sportliche Disziplinen wie Sprint, Hoch- und Weitsprung, Fußball, Tischtennis, Boxen, Gewichtheben und Tauziehen als auch Aufgaben aus dem Alltag und der Arbeitswelt umfassen – vom Haushalt über Rettungseinsätze und Logistik bis zum Kochen.
Insgesamt soll dabei nicht nur die Bewegungsfähigkeit, sondern vor allem die autonome Wahrnehmung, Entscheidungsfindung und Manipulation der über 2000 Roboter aus 16 Ländern getestet werden. Ausrichter sind die Stadtregierung von Peking und die China Media Group; nach dem Debüt im Vorjahr handelt es sich um die World Humanoid Robot Games.
Das ursprünglich für die Olympischen Winterspiele 2022 gebaute National Speed Skating Oval (genannt "Ice Ribbon") dient als einer der zentralen Austragungsorte.
Die Maschinen ziehen das Tempo an
Mutmaßlich werden Sie inzwischen davon gehört haben, dass die mechanischen Sportler bereits mehrere menschliche Rekorde pulverisieren konnten. Besondere Aufmerksamkeit zog in diesem Zusammenhang der Roboter Tiangong Ultra auf sich, der die 100 Meter in 9,39 Sekunden lief und damit den von Usain Bolts festgesetzten Weltrekord von 9,58 Sekunden aus dem Jahr 2009 geknackt hat.
Wie beeindruckend man das letztlich findet, liegt im Auge des Betrachters. Man könnte meinen: Das Idealbild eines Roboters impliziert eine Leistung, die nicht von den Schwächen und Variablen des menschlichen Körpers limitiert wird und diese logischerweise übertreffen sollte.
Wahrlich imposant wird der 9,39-Sekunden-Lauf von Tiangong Ultra allerdings mit etwas mehr zeitlichem Kontext: Die Bestmarke über 100 Meter lag bei den ersten World Humanoid Robot Games bei 21,50 Sekunden – es ist also gewiss keine Stechuhr notwendig, um den enormen Performance-Sprung innerhalb eines einzigen Jahres wahrzunehmen.
Frank Thelen wittert die nächste Billionen-Branche
Ein Fortschritt, der selbstverständlich auch Frank Thelen nicht verborgen geblieben ist. Der Investor und "Die Höhle der Löwen"-Star zeigt sich auf LinkedIn erstaunt: "Die Roboter sind in einem einzigen Jahr mehr als doppelt so schnell geworden. Beim Standhochsprung: 2,88 Meter, letztes Jahr waren es 0,95. Und nur zwei Stunden nach den 9,39 lief der nächste Roboter schon 9,32."
Zwar sieht auch Thelen, dass es keine offiziellen Sport-Reglements und andere wichtige Leitplanken für einen vollwertig fundierten Rekord gibt, allerdings erinnert er daran, dass exponentielle Kurven "am Anfang immer lächerlich aussehen. Bis sie es nicht mehr sind."
Der Hinweis kommt mit einer gleichermaßen dringend wie hoffnungsvoll wirkenden Aufforderung zur Zukunft der Roboter: "China macht Humanoide zur nationalen Strategie, die USA reagieren mit Importverboten. Und Europa? Hat es schon bei Smartphones, Batterien und KI-Modellen zugeschaut. Ich sage: Humanoide Roboter werden die nächste Billionen-Industrie und diesmal dürfen wir nicht wieder nur Zulieferer sein."
Was Roboter wirklich wertvoll macht
Wahrscheinlich würde diese prognostizierte Billionen-Industrie nicht vorrangig auf Robotern fußen, die beeindruckend schnell rennen können: Wirklich wirtschaftlich wertvoll ist die Fähigkeit von mechanischen Helfern, selbstständig mit einer unberechenbaren Umgebung umzugehen.
Entsprechend werden viele Unternehmen und Investoren besonders interessiert auf die anwendungsbezogenen Wettbewerben blicken, in denen die Maschinen unter anderem in nachgebildeten Wohnungen, Hotels oder Fabriken zur Werke gehen.
Wie erwähnt liegt der Fokus dabei längt nicht mehr allein darauf, ob ein Roboter einen bestimmten Bewegungsablauf beherrscht – er braucht Wahrnehmung, muss Entscheidungen treffen, Gegenstände erkennen und manipulieren und eine Aufgabe möglichst ohne menschliche Fernsteuerung meistern.
Unterm Strich sind die World Humanoid Robot Games damit zwar einerseits eine Olympiade für Maschinen, andererseits aber vor allem ein öffentliches Testlabor für die Arbeitskräfte von morgen. Ein humanoider Roboter muss nicht unbedingt schneller laufen als ein Mensch, sondern irgendwann zuverlässig und pausenlos Dinge erledigen, für die heute ein Mensch bezahlt wird.
Was es wiederum bedeutet, dass der Mensch in diesem Beispiel dann kein Gehalt mehr bezieht? Ein Thema für einen anderen, vermutlich gar nicht mal allzu fernen Tag.
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