Konsumflaute und Baukrise
Möbel-Riese Himolla rutscht unter den Schutzschirm: Sanierung in Eigenverwaltung gestartet

Die Krise der europäischen Möbelindustrie erreicht einen neuen Tiefpunkt: Der bayerische Polstermöbel-Riese Himolla hat für seine deutsche Gesellschaft ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Als Gründe für den Restrukturierungsprozess nennt das Traditionsunternehmen aus Taufkirchen die anhaltende Konsumzurückhaltung, den Einbruch im Wohnungsbau und den internationalen Wettbewerb. Während der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weiterläuft, sichert das Insolvenzgeld die Löhne der 850 betroffenen Mitarbeiter bis August 2026.

Der bayerische Polstermöbelhersteller Himolla hat für seine deutsche Gesellschaft ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Das 1948 gegründete Traditionsunternehmen mit Sitz in Taufkirchen reagiert damit auf die historisch schwierigen Rahmenbedingungen in der europäischen Möbelbranche. Das erklärte Ziel der Geschäftsführung ist es, das Unternehmen im Zuge einer umfassenden Restrukturierung wettbewerbsfähig für die Zukunft aufzustellen.

Für Kunden, Händler und Partner gibt es vorerst Entwarnung: Nach offiziellen Angaben des Managements bleibt der gesamte Geschäftsbetrieb aufrecht. Alle bestehenden Kundenaufträge werden weiterhin wie geplant produziert und ausgeliefert. Um den Restrukturierungsprozess rechtssicher zu steuern, wird die Geschäftsführung von externen Sanierungsexperten unterstützt. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter übernimmt die Überwachung der Gläubigerinteressen.

Das toxische Trio: Konsumflaute, Baustopp und Billig-Konkurrenz

Als primäre Ursachen für die akuten wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennt die Himolla-Führung eine Kombination aus drei makroökonomischen Faktoren: die anhaltend schwache Konsumnachfrage im DACH-Raum, die tiefe Flaute im privaten Wohnungsbau sowie den massiven Wettbewerbsdruck durch internationale Anbieter mit extrem niedrigen Produktionskosten, zitiert die Wirtschaftswoche.

Trotz stabiler Marktanteile in den Kernsegmenten konnten die bisherigen, internen Restrukturierungsmaßnahmen die rückläufigen Umsätze und die daraus resultierenden Verluste nicht mehr kompensieren.

Internationale Werke stabil – Löhne in Deutschland gesichert

Die Himolla-Gruppe zählt mit insgesamt mehr als 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu den größten Herstellern von Polstermöbeln und Relaxsesseln in Europa. Vom aktuellen Schutzschirmverfahren ist jedoch zunächst ausschließlich die deutsche Gesellschaft mit rund 850 Beschäftigten am Hauptstandort Taufkirchen betroffen. Die internationalen Produktionsstandorte in Polen, Rumänien, der Slowakei und Ungarn laufen außerhalb des Verfahrens regulär weiter.

Für die Belegschaft am deutschen Stammsitz gibt es eine kurzfristige Absicherung: Die Finanzierung der Löhne und Gehälter ist über das gesetzliche Insolvenzgeld für die Monate Juni bis August 2026 vollumfänglich gesichert.

Die strukturelle Krise der deutschen Möbelindustrie

Die Entwicklung bei Himolla ist kein Einzelfall, sondern reiht sich nahtlos in die anhaltende Konsolidierungswelle der deutschen Möbelindustrie ein. Nach mehreren Jahren mit spürbar rückläufiger Nachfrage mussten in der jüngeren Vergangenheit bereits etliche namhafte Branchengrößen Restrukturierungs- oder Insolvenzverfahren einleiten.

Besonders die Hersteller im margenschwachen Segment der Polstermöbel und Wohnlandschaften stehen unter enormem Druck. Die spürbare Kaufzurückhaltung der Endverbraucher trifft auf eine stagnierende Baukonjunktur – wer keine neuen Wohnungen baut, kauft auch keine neuen Möbel. In den kommenden Monaten soll nun unter Hochdruck ein finaler Sanierungsplan erarbeitet werden, um dem europäischen Branchen-Schwergewicht eine langfristige Marktperspektive zu sichern.

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