EU-Regeln werden konkret
Anthropic markiert KI-Texte – auch bei bloßer Korrektur

| Redaktion 
| 12.08.2026

Anthropic versieht Texte aus Claude künftig mit unsichtbaren, maschinenlesbaren Wasserzeichen und setzt damit neue EU-Vorgaben um. Die Kennzeichnung kann auch dann vorhanden sein, wenn Claude einen bestehenden Text lediglich bearbeitet oder Korrektur gelesen hat. Das Wasserzeichen ist damit kein eindeutiger Nachweis für einen vollständig KI-generierten Text.

Anthropic setzt die europäischen Transparenzregeln für Künstliche Intelligenz nun technisch in Claude um. Wie tagesschau.de berichtet, versieht das US-Unternehmen Texte seines KI-Chatbots mit einem unsichtbaren, maschinenlesbaren Wasserzeichen. Die Markierung soll auch erhalten bleiben, wenn Nutzer:innen einen Text kopieren und an anderer Stelle wieder einfügen.

Nach Angaben von Anthropic bedeutet die Kennzeichnung nicht automatisch, dass Claude einen Text vollständig erstellt hat. Sie kann auch dann vorhanden sein, wenn der Chatbot lediglich Korrekturen vorgenommen oder einen bestehenden Inhalt überarbeitet hat.

So funktioniert die Kennzeichnung bei Claude

Die Kennzeichnung von KI-Inhalten in der EU setzt Anthropic direkt in Claude um. Der Chatbot versieht Texte oder Bilder dafür mit Metadaten. Für Nutzer:innen bleibt die Markierung unsichtbar, Maschinen können sie dagegen erfassen.

In Claude-Versionen, die nach dem 2. August veröffentlicht wurden, ist die Funktion bereits integriert. Ältere Versionen sollen später entsprechend aktualisiert werden.

Aus der Kennzeichnung allein lässt sich allerdings nicht ablesen, welchen Anteil Claude an der Entstehung eines Textes hatte.

EU-Vorgaben erhöhen den regulatorischen Druck

Hinter der Änderung stehen neue Anforderungen der Europäischen Union. Brüssel verlangt maschinenlesbare Kennzeichnungen für KI-generierte Inhalte. Bei Verstößen können Geldstrafen drohen.

Anthropic steht mit der Umsetzung nicht allein. Einen freiwilligen Verhaltenskodex haben bereits 190 Unternehmen unterzeichnet. Dazu zählen Google, Meta, Microsoft, Mistral und OpenAI.

Auch Spotify baut KI-Kennzeichnung aus

Auch bei Spotify wird die Kennzeichnung von KI-Inhalten ausgebaut. Ab Mitte September soll ein sogenanntes "AI-Persona"-Label kenntlich machen, ob sich hinter einem Künstlerprofil reale Interpret:innen oder KI-generierte Musik verbirgt.

Nutzer:innen hatten Bedenken wegen Profilen geäußert, die menschlich wirken, hinter denen jedoch KI-generierte Figuren stehen. Die Kennzeichnung soll deshalb auf Bannern, in Profilbeschreibungen, Suchergebnissen und Playlists erscheinen.

Während Spotify auf eine sichtbare Kennzeichnung setzt, arbeitet Anthropics Wasserzeichen im Hintergrund und ist für Menschen nicht erkennbar. Beide Ansätze sollen mehr Transparenz über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz schaffen.

Der Fall Claude zeigt zugleich eine Grenze solcher Verfahren: Eine maschinenlesbare Markierung kann auf den Einsatz der KI hinweisen, sagt aber nicht automatisch aus, ob Claude einen Text vollständig erstellt, lediglich überarbeitet oder nur Korrektur gelesen hat.

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