Krise auf Wasserstraßen
Niedrigwasser zwingt Flusskreuzfahrten zum Umplanen

Das anhaltende Niedrigwasser auf Rhein und Donau wird für die Flusskreuzfahrtbranche zur Belastungsprobe. Sinkende Pegel zwingen Anbieter zu Umroutungen, Hafenwechseln und ersten Reiseabsagen. Während einige Reedereien ihre Programme bislang weitgehend aufrechterhalten können, mussten andere bereits zahlreiche Abfahrten streichen. Für Veranstalter wird damit vor allem die schwer planbare Entwicklung zum wirtschaftlichen Risiko.

Die niedrigen Pegelstände auf Europas Wasserstraßen entwickeln sich für die Flusskreuzfahrtbranche zu einer immer größeren Herausforderung. Besonders angespannt ist die Lage auf Rhein und Donau. Wie das Branchenmedium touristik aktuell berichtet, versuchen die Anbieter weiterhin, komplette Reiseabsagen zu vermeiden. Dafür passen sie Routen und Ein- und Ausschiffungshäfen an oder setzen andere Schiffe ein.

Am oberen Mittelrhein zeigt sich die Situation besonders deutlich. In Kaub lag der Wasserstand zum Zeitpunkt der Berichterstattung bei nur 17 Zentimetern. Für Freitag wurden lediglich vier Zentimeter erwartet.

Damit wird die Planbarkeit selbst zum Problem: Schon wenige Zentimeter können darüber entscheiden, ob ein Schiff einen bestimmten Abschnitt noch passieren kann. Auch für die Binnenschifffahrt auf dem Rhein hat das spürbare Folgen.

Nicko Cruises muss 21 Reisen streichen

Besonders stark betroffen ist Nicko Cruises. Auf dem Rhein konnten viele Reisen nach Unternehmensangaben durch angepasste Routings durchgeführt werden. Zwei Kreuzfahrten wurden bislang abgesagt. Ein- und Ausschiffungen in Köln, Düsseldorf und Duisburg sind derzeit nicht möglich, weshalb unter anderem auf Nijmegen und Utrecht ausgewichen wird.

Deutlich größer fallen die Einschränkungen auf der Donau aus. Dort musste Nicko Cruises bislang 19 Reisen streichen. Zunächst waren längere Routen zum Schwarzen Meer beziehungsweise ins Donaudelta betroffen. Inzwischen konnten auch klassische achttägige Fahrten zwischen Passau und Budapest nicht stattfinden.

Die insgesamt 21 abgesagten Reisen entsprechen laut Unternehmen rund 2,5 Prozent des jährlichen Abfahrtsvolumens.

Umroutungen statt kompletter Absagen

Auch andere Anbieter versuchen, ihre Programme mit kurzfristigen Anpassungen zu stabilisieren. Arosa verändert teilweise Anlaufhäfen sowie Orte für Ein- und Ausschiffungen. Sollte eine Reise nur noch mit erheblichen Einschränkungen möglich sein, kommen laut Unternehmen jedoch auch Absagen infrage.

Phoenix Reisen bietet für gebuchte Flusskreuzfahrten auf Rhein und Donau mit Abfahrt bis einschließlich 21. August 2026 eine kostenfreie Umbuchung an. Reisen nach Holland und Belgien sind davon ausgenommen. Bei Plantours liegen derzeit die "Lady Cristina" und die "Rousse Prestige" ohne Passagiere fest, während andere Schiffe in die Niederlande umgeroutet wurden.

Thurgau Travel meldet seit Juni 15 Umroutungen auf Rhein, Mosel und Donau. Rund 1.900 Gäste waren davon betroffen. Eine komplette Reise musste nach Angaben des Unternehmens bislang jedoch nicht abgesagt werden.

Technik verschafft einigen Anbietern Vorteile

Wie stark einzelne Veranstalter vom Niedrigwasser getroffen werden, hängt auch von der eingesetzten Flotte ab. Croisi Europe meldete für seine deutschsprachigen Abfahrten bislang weder Absagen noch wesentliche Programmänderungen. Auf vielen europäischen Flüssen setzt das Unternehmen kompakte Schiffe mit einem Tiefgang von teilweise nur 80 bis 90 Zentimetern ein.

Viva Cruises musste dagegen bereits zwei Reisen absagen. Nachdem die Mosel im Juli nicht mehr befahrbar war, wurden Reisen auf den Rhein verlegt. Auf der Donau können die Schiffe nicht mehr von Wien in Richtung Bratislava und Budapest fahren, während die Strecke zwischen Passau und Wien weiterhin bedient wird.

Zusätzlich setzt Viva Cruises auf dem Rhein zwischen 24. Juli und 14. November 2026 die baugleiche "William Wordsworth" anstelle der "Viva Moments" ein. Route, Kabinennummern und gebuchte Leistungen sollen sich dadurch nicht verändern.

Für die Branche wird damit zunehmend entscheidend, wie flexibel Flotten, Routen und Hafenplanung auf schwankende Wasserstände reagieren können. Je länger die Niedrigwasserphase anhält, desto größer wird allerdings der organisatorische Aufwand, bestehende Reisen ohne größere Einschränkungen durchzuführen.

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