WM-Städte erheben Vorwürfe
FIFA: Millionen versprochen, nichts gezahlt?

| Redaktion 
| 05.08.2026

Die FIFA wirbt gern mit den langfristigen Vorteilen ihrer Turniere für Gastgeberstädte und ihr Umfeld. Dabei sorgen nun vergleichsweise überschaubare Summen für Irritationen: Mehrere US-Austragungsorte der Weltmeisterschaft 2026 warten bis heute auf Fördergelder, die ihnen Vertreter des Weltverbands zuvor in Aussicht gestellt haben sollen – scheinbar jedoch lediglich hinter verschlossenen Türen und ohne offizielle Dokumente.

Um das allgemeine Vertrauen in den Weltfußballverband FIFA ist es dieser Tage nicht sonderlich gut bestellt, was in vielerlei Hinsicht dem umstrittenen Präsidenten Gianni Infantino geschuldet ist: Seine Pläne, die Fußball-Weltmeisterschaft und die damit einhergehenden Rechtepakete künftig für zahlungskräftige Investoren zu öffnen, hat in fast allen Ecken der Sportwelt für teils deutlichen Widerstand gesorgt.

Darüber hinaus scheinen auch die Nachwehen des jüngst ausgetragenen Turniers noch nicht ausgestanden. Schon vor dem Finale sind wir hier darauf eingegangen, dass die FIFA gegenüber Spielstädten offenbar mit sehr positiv geprägten Prognosen an die Überzeugungsarbeit geht. Ob sich der in Aussicht gestellte Mehrwert dabei tatsächlich ergibt, wird mitunter allerdings infrage gestellt.

Laut einem Bericht von The Athletic, dem Sportmagazin der New York Times, gibt es darüber hinaus Probleme mit ausgebliebenen Zahlungen: Mehrere US-Austragungsstädte der Fußball-WM 2026 warten demnach noch immer auf jeweils eine Million US-Dollar, die ihnen FIFA-Vertreter mündlich als sogenannte "Legacy Contribution" zugesagt haben sollen.

Spielstädte berufen sich auf mündliche Zusagen

Dem Bericht zufolge geht die Angelegenheit auf die Club-Weltmeisterschaft 2025 zurück. Damals hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino angekündigt, dass jede der elf US-Spielstädte des Turniers eine Million US-Dollar für sogenannte Vermächtnis- beziehungsweise Förderprojekte erhalten soll, um damit Mini-Fußballplätze und andere soziale Initiativen zu unterstützen.

Eine Zuwendung, die den Austragungsorten der im Juni und Juli ausgespielten Weltmeisterschaft 2026 nicht verborgen blieb. Sie fragten daraufhin an, ob ihnen die FIFA bei ihrer noch deutlich umfangreicheren Aufgabe ebenfalls finanziell unter die Arme greifen würde, was Verbandsvertreter angeblich wiederholt bejaht haben.

Unter dem Schutz der Anonymität hätten vier Verantwortliche aus betroffenen Spielstädten gegenüber The Athletic bestätigt, dass Mitglieder des FIFA-Managements entsprechende Zusagen mündlich gemacht, bisher jedoch keinen Cent ausgezahlt haben. Zwei von ihnen zeigten sich verwundert darüber, dass sich die FIFA in Anbetracht von Milliardeneinnahmen bei einer so vergleichsweise kleinen Zahlung derart zögerlich zeigt.

Wenig Verbindlichkeit, wachsende Verwirrung

Erschwerend kommt offenbar hinzu, dass einige der lokalen Organisationskomitees ihre Arbeit nach dem Turnier bereits zurückgefahren oder ganz eingestellt haben. Dadurch könne es anspruchsvoller werden, nachzuvollziehen, welche Institution eine mögliche Zahlung überhaupt noch entgegennehmen und verwalten darf. Andernorts ist Klarheit vor allem mit Blick auf laufende Finanzberichte und Abrechnungen gegenüber Behörden und öffentlichen Geldgebern gefragt.

Brisant ist der Vorgang auch, weil es sich offenbar nie um eine offiziell verkündete oder vertraglich festgeschriebene Zahlung gehandelt hat. Während die Verantwortlichen der Austragungsstädte von wiederholten Zusicherungen hinter verschlossenen Türen sprechen, existiert nach bisherigem Kenntnisstand keine öffentliche Erklärung der FIFA, die einen Anspruch auf die Millionenzahlung begründen würde. Auf Anfrage von The Athletic wollte sich der Weltverband zunächst nicht zur Sache äußern.

Insofern bleibt für den Moment unklar, ob sich die Zahlungen lediglich verspäten, intern neu bewertet worden sind oder ob die FIFA die angeblichen Zusagen grundsätzlich anders interpretiert als die betroffenen Gastgeber – und ob sich hier ein weiteres Vertrauensproblem auftut.

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