Fußball-WM als Wirtschaftsfaktor
"Die FIFA betreibt mit diesen Zahlen vor allem PR"

| Redaktion 
| 15.07.2026

Mehr als 30 Milliarden US-Dollar soll die Fußball-Weltmeisterschaft laut FIFA zur US-Wirtschaft beitragen. Allerdings zeichnen Tourismusdaten zur Gruppenphase und Einschätzungen von Wirtschaftsexperten ein weniger prächtiges Bild: Während die Zahl internationaler Einreisen stagnierte, stellen Wissenschaftler grundsätzlich infrage, wie belastbar wirtschaftliche Prognosen zu sportlichen Großevents letztlich sind.

Zwischen Mitte und Ende Juni wurde in den USA, Kanada und Mexiko die Gruppenphase der noch bis Sonntag laufenden FIFA Fußball-Weltmeisterschaft ausgespielt.

Je weniger wir uns dabei mit dem Abschneiden der DFB-Elf befassen, desto besser – allerdings wirkt wahrscheinlich, dass auch die USA später nicht mit allzu großer Nostalgie auf diese Tage zurückblicken werden: Während sportlich im Achtelfinale Schluss war, könnte das Turnier auch wirtschaftlich hinter geschürten Erwartungen zurückbleiben.

Neben dem internationalen Prestige einer WM-Endrunde interessieren sich Ausrichternationen dabei selbstredend auch für die wirtschaftlichen Vorteile, die durch ein von Fußballfans aus aller Welt besuchtes Großereignis verspricht. Einen Beitrag von über 30 Milliarden US-Dollar zur heimischen Wirtschaft hat die FIFA den Vereinigten Staaten im Rahmen einer Analyse vorab in Aussicht gestellt.

Wie wir kürzlich aufgegriffen haben, übertrifft die Anzahl der Gesamtbesucher in den Stadien die der exklusiv in den USA ausgetragenen WM von 1994 deutlich – wenn auch nicht im durchschnittlichen Zuschauerzuspruch pro Partie, der angesichts des XXL-Turniers geringer als vor 32 Jahren ausfällt.

Weniger Touristen aus Europa und Asien

Ein Blick auf andere Zahlen zeichnet ebenfalls kein klar euphorisches Bild: Dem National Travel and Tourism Office (NTTO) des Handelsministeriums zufolge haben sich die internationalen Einreisen in die Vereinigten Staaten im Juni um überschaubare 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöht.

Dabei weisen die Werte für europäische (- 1,2 Prozent) und asiatische (- 5,6 Prozent) sogar negative Vorzeichen auf, was durch wachsende Besucherzahlen aus Afrika (13,8 Prozent) und Südamerika (4,7 Prozent) etwas abgefangen wird.

Forbes ist der Sache näher auf den Grund gegangen und hat mit Vertretern von drei lokalen Organisationskomitees gesprochen, laut denen die FIFA einen internationalen Besucheranteil von 50 Prozent prognostiziert habe.

Fans aus anderen Ländern bleiben länger und sind geneigter, gutes Geld im Urlaub zu lassen, sodass sie ein besonders gefragter Faktor sind – mit ihnen kam der Weltfußballverband auf die rund 30 Milliarden US-Dollar, die als Ausrichter vermeintlich winken.

Das Muster: "Öffentliche Gelder zugunsten privater Akteure"

"Die FIFA betreibt mit all diesen Zahlen vor allem PR", wird Andrew Zimbalist, Fachautor und Wirtschaftsprofessor am Smith College, allerdings vom US-Magazin zitiert.

Er verweist auf die derzeitigen Probleme der USA, Touristen aus anderen Nationen ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu locken: Es sei keine parteipolitische Aussage, sondern schlicht Realität, dass die Zoll- und Außenpolitik von Präsident Donald J. Trump dahingehend eher kontraproduktiv sei.

Darüber hinaus erinnert Zimbalist an mögliche Verdrängungseffekte, da weniger fußballbegeisterte Reisende den Städten mit Spielen womöglich ganz bewusst fernbleiben.

Derweil gibt Michael Edwards, Professor für Sportmanagement an der North Carolina State University, gegenüber Forbes zu Protokoll, dass die Debatte über die wirtschaftlichen Vorteile eines Großevents wie der WM meist "einem sehr ähnlichen Muster folgt und fast immer genutzt wird, um den Einsatz öffentlicher Gelder zugunsten privater Akteure zu rechtfertigen."

Austragungsorte haben vorab Milliarden investiert

Einer Studie seiner Einrichtung zufolge hat jeder der insgesamt 16 Austragungsorte vorab zwischen 100 und 200 Millionen US-Dollar in Infrastruktur, Verkehr und Sicherheit investiert. Darüber hinaus werden der FIFA verschiedene Steuervergünstigungen zugesprochen.

"Wir sind von Abstimmungen, bei denen die Bürger entscheiden konnten, ob sie ihr Steuergeld für ein Stadion ausgeben wollen, weggekommen", so Michael Edwards weiter.

"Jetzt treffen Politiker diese Entscheidungen hinter verschlossenen Türen und müssen das Ganze anschließend den Wählern verkaufen. Das passiert über die wirtschaftliche Wirkung."

"Das Geschäftsmodell der FIFA lautet: Die FIFA erhält die Einnahmen, die Gastgeber tragen Kosten und Risiken", bringt es Edwards auf den Punkt. Wie wir schon kurz vor dem diesjährigen Turnier aufgegriffen haben, rechnet der Weltfußballverband im WM-Jahr mit Einnahmen von rund neun Milliarden US-Dollar.

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