FIFA World Cup 2026
Fußball-WM: Wirtschaftlich wohl ohne Sommermärchen

| Redaktion 
| 09.06.2026

Am Donnerstag wird die 23. Ausgabe des FIFA World Cup mit der Partie zwischen Co-Gastgeber Mexiko und Südafrika angepfiffen – und die Vorfreude wirkt im Vergleich zu vielen vergangenen Turnieren recht gedämpft. Bei deutschen Unternehmen sieht das offenbar kaum anders aus: Einer Befragung zufolge rechnen fast neun von zehn nicht damit, dass die WM auf wirtschaftlicher Ebene für Momentum sorgt.

Die Fußball-Weltmeisterschaft steht vor der Tür, doch die große Euphorie früherer Turniere will in Deutschland trotz der gewohnten Marketingbemühungen nicht so recht aufkommen. Plausible Gründe dafür sind gleichermaßen zahl- wie facettenreich:

Diskussionen um die politische Lage in den Gastgeberländern, fragwürdige Machenschaften der FIFA oder individuelle Protestaktionen von Spielern und Verbänden sind einerseits häufig angebracht – andererseits sorgen sie stärker denn je dafür, dass der einst so geschätzte Eskapismus-Faktor des Fußballs stetig schwindet.

Aus europäischer Sicht bedingen auch die Anstoßzeiten des in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragenen Turniers, dass vergleichsweise wenige Menschen ausschweifendes Rudelgucken planen: Zwei der drei deutschen Vorgruppenspiele beginnen hierzulande um 22 Uhr; die möglichen KO-Spiele würden je nach Gruppenplatzierung zwischen 18 Uhr abends und 03 Uhr nachts angepfiffen.

Gastronomie: WM entfacht "allenfalls ein Strohfeuer"

Gemäß Studien von Nielsen Sports und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) hat die UEFA Euro 2024 einen volkswirtschaftlichen Nutzen von rund 7,4 Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft erbracht. Zahlen, die zur WM in weiter Ferne liegen dürften – wobei der direkte Vergleiche fairerweise auch deshalb hinkt, weil die Europameisterschaft in Deutschland ausgetragen wurde und etliche ausländische Fans und interessierte Touristen zur Buchung von Unterkünften und co. veranlasst hat.

"Ein solcher Effekt ist in diesem Jahr für Deutschland allerdings kaum zu erwarten", sagt auch Frank Liebold, Country Director Deutschland beim internationalen Kreditversicherer Atradius. Besonders eine ohnehin krisengeplagte Branche hebt er hervor: "Die späten Spiele und der Trend zum Cocooning dürften allenfalls ein Strohfeuer entfachen, aber keinen nachhaltig positiven Effekt für die Wirte und Gastronomen haben."

Während Sportsbars und andere Betriebe unter steigenden Kosten und gedämpfter Konsumlaune leiden, erwartet Liebold zumindest für den Lebensmittel-Groß- und Einzelhandel, Fleischhändler und Snackhersteller profitable Wochen.

Das Haus gewinnt immer

Selbst in den Austragungsorten gibt es Atradius zufolge die "wachsende Befürchtung", dass wirtschaftliche Realitäten hinter den hohen Erwartungen zurückbleiben, was insbesondere durch hohe Preise für Flüge oder Tickets und damit ausbleibenden Eventtourismus begründet wird.

Keine Sorgen muss sich derweil der Weltfußballverband FIFA machen: Mit Verweis auf den jüngsten Finanzbericht heißt es, dass etwa neun der rund 13 Milliarden Dollar Umsatz zwischen den beiden Weltmeisterschaften in diesem Jahr erwirtschaftet werden sollen. Zum Vergleich werden die Olympischen Spiele in Paris vor zwei Jahren herangezogen, die 5,2 Milliarden US-Dollar generieren konnten.

Dabei macht sich vor allem die Aufstockung des Turniers auf 48 Teams bezahlt, da sie der FIFA den Verkauf weiterer Tickets, Übertragungsrechte oder Sponsorings ermöglicht.

Doch zum Abschluss noch einmal zurück nach Deutschland: Hier ergibt eine aktuelle Atradius-Kundenumfrage, dass 87 Prozent der antwortenden Unternehmen "keine oder nur teilweise positive Effekte auf die deutsche Wirtschaft" durch die WM erwarten. Sportlich sehen 39 Prozent eine Viertelfinale mit deutscher Beteiligung, den Titel trauen der DFB-Elf allerdings nur fünf Prozent zu.

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