Steidl in Schwierigkeiten
Verlag gesucht: Wer will Günter Grass groß rausbringen?

| Redaktion 
| 23.07.2026

Im Oktober 2027 hätte Günter Grass seinen 100. Geburtstag gefeiert. Ausgerechnet mit dem Anlass am Horizont steht das Werk des Ausnahmeautors derzeit ohne publizistische Heimat da: Wirtschaftliche Unruhe beim bislang zuständigen Steidl-Verlag veranlasst die Verwalter des literarischen Erbes dazu, auf Nachfolgersuche zu gehen. An Interessenten dürfte es auch aufgrund des potenziell lukrativen Jubiläums nicht mangeln.

Günter Grass gilt vielen Literaturfreunden als einflussreichster deutschsprachiger Schriftsteller der Nachkriegszeit, der sowohl die fachliche als auch die die gesellschaftspolitische Debatte in Deutschland über Dekaden hinweg spürbar prägte.

Für sein Schaffen wurde Grass 1999 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet; sein wohl populärstes Werk ist "Die Blechtrommel" – nicht zuletzt, da der von Volker Schlöndorff verfilmte Roman seinerzeit sowohl einen Oscar als auch die Goldene Palme in Cannes gewinnen konnte.

Zu Günter Grass' bekanntesten Bücher zählen darüber hinaus Klassiker wie "Katz und Maus", "Hundejahre", "Der Butt", "Ein weites Feld", "Im Krebsgang" oder "Beim Häuten der Zwiebel". Viele seiner Romane, Erzählungen und autobiografischen Schriften werden bis heute in zahlreichen Sprachen auf der ganzen Welt gern gelesen.

Schwierigkeiten bei Steidl

Seit den frühen 1990er-Jahren erschien nahezu das gesamte neue Werk des Nobelpreisträgers im Göttinger Steidl-Verlag, der darüber hinaus diverse Neuausgaben, Werkausgaben sowie bibliophile Editionen betreute. Effektiv verwaltete der Verlag damit einen zentralen Teil des verlegerischen Erbes von Günter Grass.

Allerdings befindet sich jener Steidl-Verlag derzeit in wirtschaftlicher Schieflage: Kürzlich eröffnete das Amtsgericht Göttingen ein vorläufiges Insolvenzverfahren über die Steidl GmbH & Co. OHG, das nach Gerichtsangaben etwa auf offene Sozialabgaben oder verspätet gezahlte Gehälter zurückgeht.

Wie der NDR berichtet, erklärte Verleger Gerhard Steidl, die offenen Sozialabgaben inzwischen beglichen zu haben und verwies auf die schwierige Lage des Buchmarkts. Gespräche mit potenziellen Investoren werden erwähnt; der Geschäftsbetrieb soll während des vorläufigen Insolvenzverfahrens weitergehen.

Lukratives Jubiläum im Anmarsch

Langfristig jedoch ohne die Werke von Günter Grass: Obwohl die Künstlerseite des Verlags zumindest beim Entstehen dieses Beitrags noch online ist, hat die Günter und Ute Grass Stiftung (hier liegen die Urheberrechte nach dem Tod des Autors) die Zusammenarbeit mit dem Steidl-Verlag bereits im Mai beendet.

Einer Sprecherin der Stiftung zufolge habe sich Steidl wiederholt in Zahlungsrückstand befunden, weshalb nun vertrauliche Gespräche mit möglichen Nachfolgern geführt würden, schreibt etwa der Deutschlandfunk.

Nicht nur aufgrund des einzigartigen Status von Günter Grass dürfte es sich in den Augen diverser Verlage um eine attraktive Chance handeln: Der Schriftsteller ist am 16. Oktober 1927 in Danzig zur Welt gekommen, sodass er im kommenden Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Das Jubiläum dürfte insbesondere in der deutschsprachigen Kulturszene nennenswerte Beachtung finden – und mutmaßlich für eine erhöhte Nachfrage sorgen, die nach über drei Jahrzehnten offenbar ein neuer Publisher bedienen wird.

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