RTL remixt Das Strafgericht
KI auf Bewährung: Irgendwo zwischen Wiederholung und Weltpremiere

| Redaktion 
| 03.09.2026

Ist es der Beginn von KI-Slop im linearen Fernsehen oder ist RTL auf eine theoretisch niemals versiegende Content-Quelle gestoßen? Ab kommender Woche dürfen sich geneigte TV-Zuschauer ein eigenes Urteil bilden – ganz ähnlich wie Ulrich Wetzel, der für "Das Strafgericht" frische Fälle aus alten Bestandteilen verhandelt. Mithilfe Künstlicher Intelligenz wurden bestehende Aussagen, Zeugen und Zusammenhänge dabei verändert und kombiniert.

Schon im März unterstrich RTL den eigenen Anspruch, zum "führenden Agentic AI Medienhaus" zu werden und stellte in Aussicht, dass Künstliche Intelligenz "von der Herstellung über die Postproduktion bis zur Ausspielung" künftig in nahezu allen Arbeitsschritten genutzt wird.

"Künstliche Intelligenz ist bei RTL Deutschland integrativer Bestandteil für Streaming und TV", zeigte sich Chief Content Officer Inga Leschek seinerzeit begeistert. "Sie beschleunigt Prozesse, schafft Freiräume für kreative Teams und hilft uns, Must-See-Inhalte zu entwickeln, bei klarer kreativer Verantwortung des Menschen.“

Angekündigt wurde in diesem Zusammenhang etwa eine Kooperation mit Constantin Film rund um "Ulrich Wetzel – Das Strafgericht": Elemente aus den rund 1500 bereits abgedrehten Episoden sollten dafür mittels KI umfangreich verändert und neu arrangiert werden, um auf diese Weise neue Episoden entstehen zu lassen.

KI-Episoden starten am 07. September

Ein halbes Jahr später steht das Ergebnis in den Startlöchern: Ab Montag, 07. September geht "Ulrich Wetzel – Das Strafgericht" jeweils um 15:55 Uhr mit den unkonventionell entstandenen Folgen auf Sendung. Dabei wirkt es auf den ersten Blick nicht unbedingt, als hätten sich schon mit wenigen Prompts komplett neue Fälle erschaffen lassen – immerhin sind zunächst lediglich fünf KI-unterstützte Episoden geplant.

Vergleichsweise ausgewogen klingt dabei das aktuelle Statement von Inga Leschek. "Erstmals zeigen wir im täglichen Grid, was generative KI heute schon leisten kann und was sie für die Zukunft des Erzählens bedeutet. Mit 'Das Strafgericht' gehen wir bewusst einen ersten aufgeschlossenen Schritt und machen die Möglichkeiten von KI für unser Publikum direkt erlebbar", kommentiert sie.

Selbes Publikum, neuer Angeklagter: Ein Vorher-Nachher-Vergleich (Bild: RTL / Constantin Film)
Selbes Publikum, neuer Angeklagter: Ein Vorher-Nachher-Vergleich (Bild: RTL / Constantin Film)

Allerdings ordnet sie ein: "Zugleich sehen wir ganz klar: Gute Geschichten entstehen auch künftig durch Ideen, Erfahrung und redaktionelle Verantwortung. Technologie erweitert unsere kreativen Werkzeuge. Das Ziel ist damit künftig schneller und effizienter Inhalte umzusetzen und für Streaming und Broadcast zu veröffentlichen."

Constantin feiert "Meilenstein für die Produktionsbranche"

Insofern ist der neue Episodenschwung für "Ulrich Wetzel – Das Strafgericht" eher als Experiment denn als neue Staffel zu verstehen; RTL selbst spricht etwa von einem "Praxistest unter realen Produktions- und Programmbedingungen".

 Insbesondere Bildbearbeitung, Sprachsynthese und Lipsync-Anpassungen sind dabei auf die Probe gestellt worden. Alle Fälle wurden juristisch geprüft und die notwendigen Rechte mit involvierten Darstellern geklärt, betont der Sender.

"Wir haben mit diesen fünf Folgen technisches und kreatives Neuland betreten, das es in dieser Form im deutschen Broadcast und Streaming noch nicht gab", stellt Otto Steiner, Geschäftsführer von Constantin Entertainment, fest.

Otto Steiner (Bild: RTL / Constantin Entertainment / Jochen Hirschfeld aka Van Hagen)
Otto Steiner (Bild: RTL / Constantin Entertainment / Jochen Hirschfeld aka Van Hagen)

"Aus einer bestehenden Folge eine völlig neue Geschichte zu entwickeln mit neuen Figuren, neuen Wendungen, teilweise sogar einem kompletten Gender-Swap der Hauptfigur ist ein Meilenstein für die Produktionsbranche."

Max Orgonyi, Chief Transformation & AI Officer für RTL Deutschland, bezeichnet die entstandenen Episoden als "etwas zwischen neuer Folge und Wiederholung", wobei man gerade "erst am Beginn der Möglichkeiten dieser neuen Technologie" stehe. 

RTL habe weiterhin "das Ziel, führend im Einsatz von KI in der Medienbranche zu sein. Bis 2030 werden wir über 150 Millionen Euro Wert mit KI generieren. Dabei entstehen neue Geschäftsmodelle - sowohl für uns als Broadcaster und Streamer als auch für Kreative und Produktionspartner."

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