HR-Tech-Deal
Empion-Gründerin verkauft KI-Start-up an Factorial

Die Berliner Gründerin Annika von Mutius verkauft ihr KI-Start-up Empion an das spanische Scale-up Factorial. Mit der Übernahme wechselt nicht nur das gesamte Empion-Team zum HR-Tech-Unternehmen. Der Deal bringt Factorial auch mehrere Millionen US-Dollar an jährlich wiederkehrendem Umsatz und soll die Expansion des Unternehmens in Deutschland vorantreiben.

Factorial übernimmt mit Empion ein 2021 in Berlin gegründetes HR-Tech-Unternehmen, das KI-gestützte Talent-Assessments entwickelt. Die Plattform bewertet Bewerber:innen und Mitarbeiter:innen unter anderem anhand von Fähigkeiten, Persönlichkeit und kultureller Passung, statt sich ausschließlich auf Schlagwörter in Lebensläufen zu stützen.

Einen Kaufpreis nennen die Unternehmen nicht. Empion bringt laut Mitteilung allerdings mehrere Millionen US-Dollar an jährlich wiederkehrendem Umsatz (Annual Recurring Revenue, ARR) mit. Für Factorial ist der Zukauf damit sowohl technologisch als auch wirtschaftlich relevant.

Empion-Technologie wandert zu Factorial

Factorial will die Technologie des Berliner Start-ups schrittweise in die eigene Plattform integrieren. Neben den bereits von Empion angebotenen Culture-Fit-Assessments sollen künftig auch psychometrische, kognitive sowie Motivations- und Skill-Assessments zur Verfügung stehen.

Damit erweitert Factorial sein Angebot rund um Recruiting, Performance und Mitarbeiterbindung. Nach Angaben des Unternehmens werden entsprechende Talent-Assessments im HR-Softwaremarkt bislang häufig über externe Drittanbieter eingebunden. Factorial beschäftigt sich bereits seit längerem mit dem Einsatz von KI in der Talentakquise und hat dazu vier zentrale Einsatzfelder im Recruiting beschrieben. Durch die Übernahme sollen diese Funktionen nun stärker direkt Teil der eigenen Plattform werden.

"Der Zusammenschluss mit Factorial macht unsere Forschung und Methodik nun deutlich mehr Unternehmen in Deutschland und Europa zugänglich", sagt Empion-Gründerin Annika von Mutius. Sie sieht die Assessments für Bewerber:innen und Mitarbeiter:innen als einen ersten Schritt einer umfassenderen KI-Nutzung im Personalbereich.

Gründerin und Team bleiben an Bord

Von Mutius verlässt das Unternehmen nach dem Verkauf nicht. Sie wird Teil des deutschen Leadership-Teams von Factorial. Auch die Mitarbeiter:innen von Empion wechseln zum spanischen Unternehmen.

Für bestehende Empion-Kund:innen soll sich zunächst nichts ändern. Factorial kündigt an, dass Produkte, Services und bestehende Verträge ohne Unterbrechung weiterlaufen. Langfristig soll Empion vollständig in die Factorial-Plattform integriert werden.

Empion hat seit seiner Gründung Finanzierungen in Höhe von insgesamt neun Millionen US-Dollar erhalten. Zu den in der Mitteilung genannten Kunden zählen Procter & Gamble, Siemens Mobility und Volksbanken.

Factorial baut Deutschlandgeschäft aus

Für Factorial ist der Kauf ein weiterer Schritt beim Ausbau des Deutschlandgeschäfts. CEO Jordi Romero bezeichnet Deutschland als wichtigsten europäischen Markt für Workforce-Technologie. Empion soll neben zusätzlicher Produkttiefe auch die lokale Präsenz des Unternehmens stärken.

Factorial wurde 2016 in Barcelona gegründet und bietet eine Plattform für Personal- und Workforce-Prozesse an. Nach Unternehmensangaben nutzen mehr als 17.000 Unternehmen in über 90 Ländern die Software. 2026 sammelte Factorial in einer Series-D-Finanzierungsrunde 150 Millionen US-Dollar ein und wurde dabei mit 2,5 Milliarden US-Dollar bewertet.

Mit der Empion-Übernahme verbindet Factorial nun die Expansion in Deutschland mit dem Ausbau seines KI-Angebots. Wann die vollständige technische Integration abgeschlossen sein soll, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

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