Neura Robotics trainiert Physical AI
Deutscher Pionier schickt Roboter ins Gym

| Redaktion 
| 22.07.2026

Das "Rückgrat der Physical-AI-Infrastruktur in Europa" entsteht im Gym – und Neura Robotics stellt dieser Tage eine globale Kette für garantiert schweißfreie Trainingseinheiten auf die Beine. In Aachen und München entstehen dabei zwei Leuchtturm-Standorte, an denen Industriepartner und Entwickler ihre mechanischen Mitarbeiter von morgen unter realen Bedingungen testen und optimieren können.

Menschen müssen sich ganz schön reinhängen, um ihre physische Funktionalität zu verbessern: Ein sinnvoller Split für alle Muskelgruppen, ausreichend Regeneration zwischen den Einheiten und vor allem eine angemessene Ernährung sind Faktoren rund ums Gym, mit denen sich altmodische Wesen aus Fleisch und Blut befassen müssen.

Roboter leiden (zumindest bislang) nicht unter Muskelkater, Motivationslöchern oder körperdysmorphen Störungen. Allerdings unterliegen sie den hohen Erwartungen ihrer Schöpfer – und die Fähigkeiten, ihnen zu entsprechen, fallen auch ihnen nicht einfach so in den Schoß.

Also müssen sie genauso trainieren. Statt beeindruckender Kraft oder anmutiger Ästhetik geht es dabei jedoch vor allem um Erfahrungen aus der realen Welt: Wie greift man einen Gegenstand? Wie verhält sich eine unbekannte Umgebung?

Um den mechanischen Mitarbeitern der Zukunft den nötigen physischen Erfahrungsschatz zu vermitteln, baut Neura Robotics – letztes Jahr noch beim Deutschen Gründerpreis geehrt – derzeit Gyms auf, in denen sich kognitive Roboter aufs möglichst effiziente Berufsleben vorbereiten können.

Robotik wartet auf ihren ChatGPT-Moment

Den jüngsten Baustein dieser Strategie stellte das Unternehmen mit Hauptsitz in Metzingen am Mittwoch vor: Gemeinsam mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen entsteht planmäßig bis zum Jahresende das Neura Gym RWTH Aachen, bei dem es sich um ein rund 3000 Quadratmeter großes Trainingszentrum für sogenannte Physical AI auf dem Hightech Campus Melaten handelt.

Vor Ort sollen kognitive und humanoide Roboter künftig unter realitätsnahen Bedingungen Fähigkeiten für industrielle Anwendungen ausprobieren und einstudieren können. Als Mitglieder dieses Gyms der etwas anderen Art werden dementsprechend vor allem Industrieunternehmen und Entwickler ins Auge gefasst.

Trotz kontinuierlicher Fortschritte wartet die Robotik derzeit noch auf ihren eigenen ChatGPT-Moment, wenn man so möchte: Sprachmodellen stehen inzwischen Billionen von Datenpunkten zu Trainingszwecken zur Verfügung, während Roboter trotz ihrer physischen Präsenz häufig noch über Simulationen erprobt werden müssen.

"Der größte Engpass für Physical AI ist nicht mehr die Intelligenz, sondern die Praxis", betont David Reger, CEO und Gründer von Neura Robotics. "Roboter lernen, indem sie mit der realen Welt interagieren, und genau deshalb bauen wir die Neura Gyms."

Globaler Rollout dank Milliarden-Finanzierungsrunde

Dabei spricht Reger offensichtlich im Plural. Ermöglicht durch eine Series-C-Finanzierung von bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar plant Neura Robotics ein weltweites Netzwerk speziell entwickelter Trainingszentren für Physical AI. Gleich zehn Gyms sind rund um den Globus in der Entwicklung, von denen fünf bis Ende des Jahres in Betrieb genommen werden sollen.

Neben Einrichtungen in China und den USA stellen zwei deutsche Dependancen dabei die "europäischen Leuchtturm-Standorte" dar: Zusätzlich zum Neura Gym RWTH Aachen soll das TUM RoboGym (powered by Neura) am Münchner Flughafen "zum Rückgrat der Physical-AI-Infrastruktur in Europa" beitragen.

Im Westen wie im Süden können kognitive Roboter dann unter realen Bedingungen und im großen Maßstab trainieren, wobei physische Übungen mit hochpräzisen Simulationen kombiniert werden.

Die daraus entstehenden Datensätze fließen direkt in das Neuraverse ein – die "offene, cloudbasierte Plattform von Neura, die Roboter, Entwickler und Industriepartner weltweit miteinander verbindet."

"Einzigartige Infrastruktur für die Fachkräfte von morgen"

"Jedes Unternehmen verfügt über Wissen, das heute kein KI-Modell besitzt. Unsere Gyms übersetzen dieses Wissen in einsatzbereite Roboterfähigkeiten, und jeder Partner behält dabei die volle Kontrolle über seine Daten", versichert David Reger.

Mit Blick auf die Mittwoch verkündete Kooperation fügt er hinzu: "Gemeinsam mit der RWTH Aachen bauen wir die Infrastruktur, die Physical AI braucht, um zu skalieren". Dort sollen rund 20 Institute eingebunden werden, um "großen wie mittelständischen Unternehmen Zugang zu einer Infrastruktur, in der sie High-End-Robotik für ihre Produktionsprozesse testen können", zu bieten.

Die Verantwortlichen sehen besonders viel Potenzial in Bereichen wie der Fertigung, Automobilindustrie, Kreislaufwirtschaft oder Medizintechnik.

"Die RWTH blickt auf Jahrzehnte technologischer Exzellenz im Maschinenbau, in der Elektrotechnik und in der Informatik zurück", hält Prof. Dr. Ulrich Rüdiger, Rektor der RWTH Aachen, fest.

"Indem wir diese wissenschaftliche Spitzenstellung mit einem führenden Hightech-Pionier verbinden, schaffen wir eine einzigartige Infrastruktur für die Fachkräfte von morgen und sichern Deutschlands Spitzenposition im globalen KI-Wettbewerb."

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