Digitales Monitoring
Microsoft Teams wird zur Büro-Stechuhr: Neues Update sorgt für Bauchweh unter Mitarbeiter:innen

| Natalie Oberhollenzer 
| 09.06.2026

Microsoft Teams bekommt eine Funktion, die in vielen Büros für Diskussionen sorgen dürfte: Die Kollaborationsplattform kann künftig erfassen, wann und wo Mitarbeitende arbeiten. Der weltweite Rollout soll bis Ende Juni abgeschlossen sein.

Konkret geht es um ein automatisches Check-in-System. Sobald sich Beschäftigte mit dem Firmen-WLAN verbinden, kann Teams sie einem Gebäude oder sogar einem gebuchten Schreibtisch zuordnen. Auch bestimmte Bürogeräte wie Monitore sollen sich lokalisieren lassen. Microsoft verkauft das als Komfortfunktion: Teams sollen leichter sehen, wer gerade vor Ort ist und wo Kolleg:innen erreichbar sind.

Doch die digitale Anwesenheitsliste hat einen Beigeschmack. Kritiker sehen darin einen weiteren Schritt Richtung Büro-Überwachung. Microsoft betont zwar, dass die Funktion nur über Unternehmensnetzwerke und Dienstgeräte laufen soll. Private Laptops oder Smartphones seien nicht betroffen. Außerdem ist das Feature zunächst deaktiviert und muss von Administratoren bewusst eingeschaltet werden.

Ganz unschuldig gibt sich der Konzern dennoch nicht: In seinen Hinweisen empfiehlt Microsoft Unternehmen ausdrücklich, die WLAN-Check-in-Funktion zu aktivieren. Am Ende liegt die Entscheidung also beim Arbeitgeber – und dort dürfte sich zeigen, wie freiwillig die Freiwilligkeit für Mitarbeitende tatsächlich ist.

Noch eine Nummer schärfer geht es bei Meta zu. Der Facebook- und Instagram-Konzern hatte begonnen, Mausbewegungen und Tastatureingaben von Angestellten aufzuzeichnen. Die Daten sollten offenbar helfen, KI-Systeme zu trainieren – also ausgerechnet jene Technologie, die künftig manche Jobs ersetzen könnte.

Meta: Messen, optimieren, ersetzen

Nach Protesten der Belegschaft rudert Meta nun teilweise zurück. Mitarbeitende sollen die Erfassung zeitweise pausieren oder eine komplette Ausnahme beantragen können. Auch technisch musste der Konzern nachjustieren: Im Homeoffice soll die Datensammelei bei manchen Beschäftigten derart viel Bandbreite gefressen haben, dass das private WLAN ächzte.

Für die Mitarbeiter:innen kommt das Thema zur Unzeit. Meta hatte zuletzt Tausende Stellen gestrichen und den Umbau in Richtung Künstliche Intelligenz weiter beschleunigt. Die Botschaft aus dem Silicon Valley klingt damit wenig beruhigend: Erst wird gemessen, dann optimiert – und am Ende womöglich ersetzt.

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