Tennisprofi gegen Wirtschaftsauskunftei
Andreas Mies: Darum klagt der French Open-Sieger gegen Creditreform

| Redaktion 
| 21.07.2026

Andreas Mies kennt die großen Bühnen des Sports: Gleich zweimal gewann der Kölner mit Kevin Krawietz die French Open im Doppel und schrieb damit deutsche Tennisgeschichte. Hinter den Kulissen kämpft der Profi zuletzt mit anderen Herausforderungen: Nach eigener Darstellung wurde Mies Opfer eines Identitätsbetrugs – mit finanziellen Folgen, die auch seine sportliche Entwicklung beeinträchtigt haben sollen.

Um den Jahrzehntewechsel gehörte Andreas Mies zu den prägenderen Figuren der Tenniswelt: An der Seite von Kevin Krawietz kürte sich der Kölner 2019 zum Sieger der French Open im Doppel – das erste Mal seit 1937, dass ein deutsches Herren-Duo einen Grand-Slam-Titel erstreiten konnte.

Direkt im Folgejahr bewiesen Mies und Krawietz, dass es sich keinesfalls um glücklichen Zufall gehandelt hat und gewannen die French Open im Doppel gleich noch einmal. Ende 2022 trennten sich die Wege des eingespielten Teams, an dessen Erfolge Mies mit anderen Partnern nicht mehr anknüpfen konnte.

"Meine schönste Zeit war zwischen 2019 und 2024 – ich stand mit Rang acht in der Weltspitze, gewann zwei Roland Garros-Titel. Soweit die Bestandsaufnahme", schrieb Andreas Mies selbst Ende letzten Jahres in einer Kolumne für das Tennis Magazin.

"Es läuft nicht optimal. Ich bin in einer schwierigen Phase. Zugespitzt formuliert: Ich bin in einer sportlichen Krise. Das ist die realistische Beschreibung der Situation", berichtete er offen.

Identitätsbetrug soll Wurzel des Problems sein

Er ging auf "zu viele Partnerwechsel" ein; darauf, dass er mit zunehmendem Alter noch besser an seiner körperlichen Fitness arbeiten und vor allem den Spaß am Spiel zurückgewinnen müsse. Eine aktuelle Verlautbarung des Kölner Rechtsanwalts Dr. Marcel Leeser legt nun jedoch nahe, dass Mies seinerzeit einen relevanten Aspekt für sich behalten hat.

Den Dienstag veröffentlichten Angaben zufolge bedingte nämlich auch ein finanzieller Ausnahmezustand das sportliche Problem: Andreas Mies war demnach Opfer eines mehrjährigen Identitätsbetrugs, bei dem in seinem Namen Verträge abgeschlossen worden sind.

Diese hätten zu unberechtigten Forderungen geführt, wegen denen die deutsche Wirtschaftsauskunftei Creditreform im Auftrag der TUI Deutschland GmbH wiederum einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss über mehr als 5000 Euro erwirkt hat – obwohl laut Mies kein vollstreckbarer Titel gegen den Sportler vorlag. Die Maßnahme betraf neben privaten Konten auch sein Geschäftskonto.

Kevin Krawietz und Andreas Mies (rechts) mit Fußball-Legende Jens Lehmann (links) bei der Players Night BMW Open by American Express 2022 im MTTC Iphitos e.V. in München (Bild: Brauer Photos / G. Nitschke)
Kevin Krawietz und Andreas Mies (rechts) mit Fußball-Legende Jens Lehmann (links) bei der Players Night der BMW Open by American Express 2022 im MTTC Iphitos e.V. in München (Bild: Brauer Photos / G. Nitschke)

"Trotz wiederholter Hinweise auf den Identitätsdiebstahl und anwaltlicher Intervention reagierte Creditreform nicht. Erst nach mehreren Wochen wurde die offensichtlich rechtswidrige Maßnahme aufgehoben. Die Folgen waren gravierend: Rechnungen konnten nicht bezahlt werden, Rücklastschriften und Gebühren häuften sich, die Reputation des Athleten als verlässlicher Geschäftspartner litt", heißt es aus der Klage.

Zusammenhang zwischen Pfändung und Leistungsabfall laut Klage belegbar

Abseits des Finanziellen habe sich die Kontopfändung zudem negativ auf die Saisonvorbereitung 2025 ausgewirkt, in der sich Andreas Mies seinerzeit befand. Sowohl ein sportwissenschaftliches Gutachten als auch eine sportpsychologische Stellungnahme sollen belegen können, dass es einen konkreten "Zusammenhang zwischen der Pfändung und dem anschließenden Leistungsabfall" gab.

Aufgrund der psychischen Belastung habe Mies unter "massiven Konzentrationsproblemen" gelitten, wodurch er sein Leistungspotenzial nicht ausschöpfen konnte.

Konkret geht Mies gegen Creditreform nun wegen der aus seiner Sicht rechtswidrig veranlassten Kontopfändung und den daraus entstandenen Schäden, finanziell und immateriell, vor. Begründet wird die Klage unter anderem mit einer Verletzung seines Persönlichkeitsrechts, seines Geschäftsbetriebs sowie datenschutzrechtlicher Pflichten.

Mies will 50.000 Euro – und systematische Probleme angehen

Kläger und Anwaltsteam legen der Wirtschaftsauskunftei zur Last, dass sie notwendige Prüfungen trotz Hinweisen auf Identitätsbetrug versäumt habe, wofür der zweifache Grand-Slam-Champion eine Entschädigung von mindestens 50.000 Euro fordert.

Zugleich sieht Mies den Fall als Beispiel für ein größeres Problem: Fehlerhafte Datenverarbeitung und daraus resultierende Vollstreckungsmaßnahmen könnten Betroffene erheblich schädigen.

Deshalb will er notfalls durch mehrere Instanzen klären lassen, welche Sorgfaltspflichten für Auskunfteien und Inkassounternehmen gelten. Ein Verhandlungstermin zur aktuellen Angelegenheit steht derweil noch nicht fest.

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