Reisetrends 2026
Darecations: Warum die Business-Elite im Urlaub die Grenzerfahrung sucht

| Redaktion 
| 13.07.2026

Ultramarathon durch die Sahara statt Liegestuhl auf den Malediven, Trekking auf 7.000 Metern Seehöhe statt Spa-Wochenende: Immer mehr Reisende tauschen Komfort gegen Grenzerfahrung – und machen den Adrenalinkick zum neuen Statussymbol.

 

Fünf Sterne, Infinity Pool und Champagner beim Sonnenuntergang verlieren für eine wachsende Zielgruppe offenbar an Strahlkraft. Stattdessen. So mutet es an buchen immer mehr Menschen Reisen, bei denen sie frieren, schwitzen, leiden und an ihre Grenzen stoßen.

Die Reiseplattform Pinterest zählt sogenannte "Darecations" – eine Wortschöpfung aus dare (sich trauen) und vacation (Urlaub) – zu den wichtigsten Reisetrends des Jahres 2026. Die Suchanfragen nach Abenteuerreisen stiegen laut dem Unternehmen um 75 Prozent.

Gleichzeitig registrierte der britische Spezialversicherer SportsCover Direct innerhalb von zwei Jahren einen Anstieg von 182 Prozent bei Sportreiseversicherungen, insbesondere für Trekking-, Bergsteiger- und Marathonreisen, berichtet die BBC.

Urlaub wird zur Bewährungsprobe

Wie extrem diese Entwicklung inzwischen geworden ist, zeigt der World's Highest Marathon.

Das Rennen beginnt auf dem Ojos del Salado in Chile – mit 6.893 Metern der höchste Vulkan der Erde. Bevor überhaupt gestartet werden kann, müssen die Teilnehmer rund elf Stunden bis zur Startlinie aufsteigen. Temperaturen von minus 30 Grad, Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h und der drastisch reduzierte Sauerstoffgehalt machen bereits den Weg dorthin zur Herausforderung.

Von 16 gestarteten Läufern erreichten lediglich fünf überhaupt den Marathonstart. Eine von ihnen war die Britin Sara Storey. "Ich war insgesamt fast 30 Stunden in Bewegung. Noch nie war ich meinen körperlichen Grenzen so nahe. Würde ich es wieder machen? Absolut", entgegnet sie der BBC.

Das Abenteuer ist die neue Währung

Was früher Extremsportlern vorbehalten war, wird zunehmend von ambitionierten Amateurathleten gebucht. Ultramarathons durch die Sahara, Trailruns durch die Alpen, Wettkämpfe am Mount Everest oder Mehrtagestouren durch die Antarktis entwickeln sich zu einem boomenden Reisemarkt.

Bei der renommierten UTMB World Series, einem der weltweit größten Veranstalter von Trail- und Bergläufen, stieg die Teilnehmerzahl innerhalb von nur drei Jahren von rund 50.000 auf 170.000. Die meisten Teilnehmer sind keine Profis, sondern Freizeitsportler.

Warum Menschen freiwillig leiden

Die Motivation dahinter geht weit über Sport hinaus. "Bedeutend ist vor allem die Suche nach Abenteuer, Risiko und Sensation", erklärt die Wiener Motivationspsychologin Veronika Job gegenüber ORF.at. Mit außergewöhnlichen Herausforderungen würden starke positive Emotionen verbunden. Das Erfolgserlebnis wirke wie eine Belohnung, bei der auch das Belohnungshormon Dopamin eine wichtige Rolle spiele.

Besonders ausgeprägt sei dieses Verhalten bei sogenannten Sensation Seekern – Menschen, die aktiv nach intensiven neuen Erfahrungen suchen. Die Pandemie habe diesen Trend zusätzlich verstärkt.

Viele Menschen wollten versäumte Erlebnisse nachholen und bewusst außergewöhnliche Erfahrungen sammeln. "Das kann ein sehr wichtiger Bewältigungsmechanismus sein", so Job weiter.

Instagram macht Abenteuer zum Statussymbol

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: soziale Medien. Während außergewöhnliche Reisen früher im Freundeskreis erzählt wurden, erreichen sie heute auf TikTok oder Instagram Millionen Menschen. "Das ist gleichzeitig auch mit Status und Anerkennung in der Gruppe verbunden, wer sich jetzt am mutigsten und risikoreichsten verhält", weiß Job.

Influencer präsentieren Ultramarathons, Expeditionen oder Wüstendurchquerungen längst als Teil eines gesunden und leistungsorientierten Lebensstils. Alkohol und Strandbars weichen Proteinshakes, Höhenmetern und Herzfrequenzkurven.

Wie groß das Interesse geworden ist, zeigte zuletzt der deutsche Ultraläufer Arda Saatci. Sein Versuch, das Death Valley in den USA innerhalb von weniger als 96 Stunden zu durchqueren, wurde live übertragen. Mehr als eine Million Menschen verfolgten das Event online.

Exklusive Erfahrungen sind Luxus

Die Entwicklung zeigt einen grundlegenden Wertewandel. Luxus wird immer weniger über materiellen Komfort definiert und zunehmend über Exklusivität von Erfahrungen. Ein Aufenthalt in einem Fünf-Sterne-Resort lässt sich kaufen. Einen Ultramarathon in der Wüste, eine Expedition in die Antarktis oder einen Lauf am Everest muss man sich hingegen erarbeiten.

Gerade für die Reisebranche eröffnet das neue Geschäftsfelder. Veranstalter spezialisieren sich auf Extremreisen, Versicherer entwickeln eigene Produkte und Destinationen vermarkten sich zunehmend als Bühne für außergewöhnliche Grenzerfahrungen.

Die weltweit am schnellsten wachsenden "Darecation"-Aktivitäten

  1. Trekking & Bergsteigen: +69 Prozent – Himalaya

  2. Marathonlauf: +56 Prozent – Prag

  3. Segeln: +54 Prozent – Kroatien

  4. Wandern: +44 Prozent – Patagonien / Pyrenäen / Alpen

  5. Wildwasser-Rafting: +38 Prozent – Sjoa (Fluss), Norwegen

  6. Ironman: +36 Prozent – Port Macquarie (New South Wales), Australien

  7. Duathlon: +34 Prozent – Großbritannien

  8. Cricket: +33 Prozent – Sri Lanka

  9. Safari: +28 Prozent – Südafrika / Uganda

  10. Archäologische Ausgrabungen: +26 Prozent – Peloponnes, Griechenland

Durch die Analyse von Versicherungsdaten tausender Reisender hat SportsCover die zehn am schnellsten wachsenden Abenteueraktivitäten identifiziert. Diese Tabelle zeigt die wichtigsten Aktivitäten, ihr Wachstum im Vorjahresvergleich sowie die besten Destinationen, um sie auszuprobieren – basierend auf den Empfehlungen der Reisejournalistin Veronika Primm.

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Die weltweit am schnellsten wachsenden "Darecation"-Aktivitäten

  1. Trekking & Bergsteigen: +69 Prozent – Himalaya

  2. Marathonlauf: +56 Prozent – Prag

  3. Segeln: +54 Prozent – Kroatien

  4. Wandern: +44 Prozent – Patagonien / Pyrenäen / Alpen

  5. Wildwasser-Rafting: +38 Prozent – Sjoa (Fluss), Norwegen

  6. Ironman: +36 Prozent – Port Macquarie (New South Wales), Australien

  7. Duathlon: +34 Prozent – Großbritannien

  8. Cricket: +33 Prozent – Sri Lanka

  9. Safari: +28 Prozent – Südafrika / Uganda

  10. Archäologische Ausgrabungen: +26 Prozent – Peloponnes, Griechenland

Durch die Analyse von Versicherungsdaten tausender Reisender hat SportsCover die zehn am schnellsten wachsenden Abenteueraktivitäten identifiziert. Diese Tabelle zeigt die wichtigsten Aktivitäten, ihr Wachstum im Vorjahresvergleich sowie die besten Destinationen, um sie auszuprobieren – basierend auf den Empfehlungen der Reisejournalistin Veronika Primm.

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