Kampf gegen urbane Hitze
Chinas Wolkenkratzer unter Dampf: Kann ein künstlicher Nebel die Städte kühlen?

| Natalie Oberhollenzer 
| 13.07.2026

Wenn Städte zu Glutöfen werden, gerät die klassische Gebäudekühlung an ihre Grenzen: Klimaanlagen sorgen zwar für angenehme Temperaturen in Büros und Wohnungen, blasen die entzogene Wärme jedoch wieder in die Umgebung. Die Folge sind zusätzliche Hitzeinseln in dicht bebauten Stadtgebieten. In der chinesischen Stadt Yuncheng wird deshalb derzeit ein anderer Ansatz erprobt: Feine Hochdruckdüsen auf den Dächern von Wohnhochhäusern erzeugen einen künstlichen Nebel, der die Umgebungstemperatur um bis zu acht Grad Celsius senken soll.

Neu ist die Technologie nicht. Das Prinzip ist gemeinhin unter dem Begriff Rooftop Misting bekannt und wird seit Jahren etwa auf Hotels, Gewerbeimmobilien, Freizeitanlagen oder öffentlichen Plätzen eingesetzt, um Außenbereiche mittels Verdunstungskühlung angenehmer zu machen.

Wohl aber ist der großflächige Einsatz bemerkenswert. Denn mit den Düsen auf den Wohnhochhäusern sollen In der chinesischen Provinz Shanxi, in der Stadt Yuncheng ganze Quartiere während extremer Hitze entlastet werden.

Das physikalische Prinzip dahinter ist ebenso simpel wie wirkungsvoll: Über ein Netz aus Hochdruckdüsen wird Wasser in mikroskopisch feine Tröpfchen zerstäubt. Verdunstet dieses Wasser in der heißen Luft, entzieht es der Umgebung Wärme – derselbe Effekt, der auch den menschlichen Körper über Schweiß kühlt.

Laut Medienberichten sollen dadurch lokale Luft- und Oberflächentemperaturen unter günstigen Bedingungen um fünf bis acht Grad Celsius sinken.

Der Haken: Verdunstung braucht trockene Luft

Die angegebenen Temperaturwerte gelten allerdings nur unter bestimmten meteorologischen Bedingungen. Verdunstungskühlung funktioniert vor allem bei trockener Luft, weil diese zusätzlichen Wasserdampf aufnehmen kann. Bei hoher Luftfeuchtigkeit fällt der Effekt deutlich geringer aus. Im ungünstigsten Fall steigt sogar die Luftfeuchtigkeit weiter an, wodurch die gefühlte Temperatur für den Menschen zunimmt.

Hinzu kommt, dass das System nicht unmittelbar die Innenräume kühlt. Zwar werden Fassaden, Höfe und Freiflächen weniger stark aufgeheizt, doch die Raumtemperatur hängt weiterhin maßgeblich von der Gebäudehülle und der jeweiligen Klimatechnik ab. Rooftop Misting versteht sich daher nicht als Ersatz für Klimaanlagen, sondern als Instrument zur Verbesserung des Mikroklimas im urbanen Raum.

Woher kommt das Wasser?

Energetisch bietet das System durchaus Vorteile. Da lediglich Pumpen und Zerstäubungsdüsen betrieben werden, fällt der Strombedarf deutlich geringer aus als bei konventionellen Klimaanlagen mit Kompressoren. Gleichzeitig rückt jedoch der Wasserverbrauch in den Mittelpunkt der Diskussion.

Gerade in Zeiten zunehmender Trockenperioden stellt sich die Frage, ob große Mengen Wasser zur Kühlung öffentlicher Räume eingesetzt werden sollten. Fachleute sehen solche Systeme deshalb vor allem dann als sinnvoll an, wenn sie mit Regenwasser oder aufbereitetem Grauwasser betrieben werden. Der Einsatz von Trinkwasser wäre insbesondere in Regionen mit zunehmender Wasserknappheit kaum nachhaltig.

Ob sich solche groß angelegten Systeme auch in europäischen Städten durchsetzen werden, dürfte von den lokalen klimatischen Bedingungen, der verfügbaren Wasserinfrastruktur und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängen. Das Beispiel aus China zeigt jedoch, dass die Anpassung an zunehmende Hitzewellen künftig nicht nur im Gebäude selbst, sondern verstärkt auch auf Quartiers- und Stadtebene gedacht werden muss.

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