KI-gestützte Erdbeobachtung
Fünf CuBy-Satelliten im All – warum Bayern auf eigene Geodaten setzt

Mit den fünf "CuBy"-Satelliten beginnt für Bayern ein neues Kapitel der Erdbeobachtung. Erstmals soll der Freistaat wichtige Geodaten selbst erfassen und verarbeiten. Welche Auswirkungen das für Verwaltung, Forschung und Wirtschaft haben kann, wird sich mit dem Start des Probebetriebs zeigen.

Bayern verfügt erstmals über eine eigene operative Satellitenmission. Mit dem erfolgreichen Start der fünf "CuBy"-Kleinstsatelliten beginnt das Forschungsprojekt "Bayerisches Satellitennetzwerk CuBy", das langfristig hochauflösende Erdbeobachtungsdaten liefern soll. Entwickelt wurde das Projekt gemeinsam mit dem Zentrum für Telematik in Würzburg, der Smart Small Satellite Systems GmbH und der Technischen Universität München.

Die Mission verfolgt ein klares Ziel: Geodaten sollen künftig nicht nur im Freistaat genutzt, sondern auch dort erhoben, verarbeitet und ausgewertet werden. Damit möchte Bayern unabhängiger werden und gleichzeitig die technologische Wertschöpfung im eigenen Land stärken.

Eigene Daten für unterschiedliche Einsatzbereiche

Satellitendaten spielen in vielen Bereichen eine wichtige Rolle – von der Kartografie über Infrastrukturprojekte bis hin zum Umweltmonitoring. Mit dem CuBy-Projekt schafft Bayern nun erstmals die Grundlage, entsprechende Daten selbst zu gewinnen.

Finanz- und Heimatminister Albert Füracker bezeichnete den erfolgreichen Start als Beginn der ersten operativen Satellitenmission des Freistaats. "Heute schreiben wir bayerische Raumfahrtgeschichte", sagte er. Künftig sollen Aufnahmen der Erdoberfläche mit einer Genauigkeit von rund vier Metern möglich sein.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hebt die Bedeutung der Mission hervor. In einem Instagram-Beitrag begleitet er den Start der CuBy-Satelliten und ordnet das Projekt als wichtigen Schritt für den Raumfahrt- und Technologiestandort Bayern ein.

Von der Aufnahme im All bis zur Nutzung der Daten in Verwaltung, Wirtschaft und Forschung soll die gesamte Prozesskette in Bayern bleiben.

Regelmäßige Aufnahmen aus 460 Kilometern Höhe

Die fünf Kleinstsatelliten messen jeweils 37 × 23 × 10 Zentimeter und wiegen rund 14 Kilogramm. Sie kreisen in einer Umlaufbahn von etwa 460 Kilometern über der Erde und sollen Bayern künftig alle drei Tage zur gleichen Ortszeit erfassen. Dadurch entstehen vergleichbare Zeitreihen, mit denen Veränderungen der Erdoberfläche kontinuierlich dokumentiert werden können.

Die CuBy-Kleinstsatelliten mit ausgeklappten Solarpaneelen. Sie wurden gemeinsam mit dem Zentrum für Telematik, der Smart Small Satellite Systems GmbH und der Technischen Universität München entwickelt. ©  Roberto Lepore/Wikimedia

Nach Angaben des Ministeriums sollen die Satellitendaten unter anderem in folgenden Bereichen eingesetzt werden:

  • Katastrophenschutz: aktuelle Lagebilder nach Naturereignissen
  • Umweltschutz: Beobachtung von Veränderungen in Landschaft und Natur
  • Digitale Karten: regelmäßige Aktualisierung von Geobasisdaten
  • Land- und Forstwirtschaft: frühzeitiges Erkennen klimabedingter Veränderungen
  • Verwaltung, Wirtschaft und Forschung: Bereitstellung aktueller Geodaten für Analysen und Planungen

Ein KI-gestütztes Datenmanagementsystem verarbeitet die aufgenommenen Daten und bereitet sie für die jeweiligen Anwendungen auf.

Probebetrieb soll Grundlage für Vollmission liefern

Mit dem Satellitenstart beginnt zunächst eine Testphase. Die ersten Bilder aus dem Orbit werden in den kommenden Monaten erwartet. Die flächendeckende Bereitstellung der verarbeiteten Satellitendaten ist nach Angaben des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat für das erste Halbjahr 2027 geplant.

Der Probebetrieb soll zeigen, ob sich das Satellitennetzwerk dauerhaft betreiben und zu einer vollständigen Mission ausbauen lässt. Gleichzeitig wird sich erweisen, welchen Beitrag die gewonnenen Geodaten künftig für Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft leisten können.

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