Das Forbes-Ranking 2026 zeigt, wie groß das Vermögen einiger Gen-Z-Erben bereits in jungen Jahren ist. Wie Business Insider auf Basis der aktuellen "Forbes“-Milliardärsliste berichtet, befinden sich unter den reichsten Erben der Welt unter 30 auch zwei Deutsche: Kevin David Lehmann, der Anteile an dm hält, und Carl-Anton Kunz, Anteilseigner von Cordes & Graefe.
Die Liste macht deutlich, welche wirtschaftliche Bedeutung geerbte Unternehmensanteile weiterhin haben. Viele junge Milliardäre stehen nicht operativ an der Spitze der Unternehmen, verfügen aber über erhebliche Beteiligungen an Konzernen, Handelsgruppen oder Familienunternehmen.
Forbes-Ranking zeigt 35 Milliardäre unter 30
Insgesamt verzeichnet die im März veröffentlichte Forbes-Liste 35 Menschen unter 30 Jahren. Das entspricht rund einem Prozent aller 3.428 Milliardäre weltweit. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein leichter Anstieg.
Auffällig ist laut Auswertung die Zurückhaltung vieler junger Superreicher. Mit Ausnahme der Norwegerin Alexandra Andresen treten die meisten Gen-Z-Milliardäre kaum öffentlich in Erscheinung.
Wer aus derselben Familie stammt, wurde im Ranking zu einem Eintrag zusammengefasst. Dadurch zeigt die Liste nicht nur einzelne Vermögen, sondern auch, in welchen Familien und Branchen sich Milliardenwerte über Generationen hinweg bündeln.
Deutsche Gen-Z-Erben im internationalen Vergleich
Der bekannteste deutsche Name im Ranking ist Kevin David Lehmann. Der 23-Jährige gehört laut Forbes mit einem geschätzten Vermögen von 4,9 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 4,3 Milliarden Euro, zu den reichsten jungen Menschen Europas.
Sein Vermögen geht auf einen 50-Prozent-Anteil an dm zurück. Diesen Anteil hatte ihm sein Vater Günther Lehmann bereits 2017 übertragen. Kevin David Lehmann war damals erst 14 Jahre alt. Sein Vater hatte 1974 erstmals in dm investiert, nur ein Jahr nach der Gründung der Drogeriemarktkette in Karlsruhe.
Operativ ist Kevin David Lehmann laut Bericht nicht in das Unternehmen eingebunden. Auch sein Vater übernimmt keine operative Rolle. Dennoch zeigt der Fall, welche Dimension geerbte Beteiligungen an etablierten Handelsunternehmen erreichen können. dm-drogerie-markt erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 nach eigenen Angaben in Europa rund 19 Milliarden Euro Umsatz.
Ein weiterer Deutscher im Ranking ist Carl-Anton Kunz. Der 27-Jährige kommt laut Forbes auf ein geschätztes Vermögen von 1,1 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 960 Millionen Euro. Er ist Anteilseigner von Cordes & Graefe, der Muttergesellschaft der GC Group.
Den Anteil erbte Kunz von seinem Großvater Uwe Hollweg. Cordes & Graefe hat seinen Sitz in Bremen und ist im Großhandel tätig. Das Unternehmen deckt ein breites Sortiment in den Bereichen Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik ab.
Italienische Brüder führen die Liste an
An der Spitze des Rankings stehen Luca Del Vecchio und Clemente Del Vecchio. Die italienischen Brüder verfügen laut Forbes über jeweils geschätzte 6,8 Milliarden US-Dollar. Das entspricht rund 5,9 Milliarden Euro pro Person.
Ihr Vermögen stammt aus Anteilen am Brillenkonzern EssilorLuxottica. Ihr Vater Leonardo Del Vecchio, der 2022 starb, hatte das Unternehmen gegründet. EssilorLuxottica steht hinter bekannten Marken wie Ray-Ban und Persol. Die Brüder halten jeweils 12,5 Prozent an dem Konzern.
Damit führen sie die Liste der reichsten Gen-Z-Erben unter 30 an. Kevin David Lehmann folgt als deutscher dm-Erbe im internationalen Vergleich auf einem der vorderen Plätze.
Weitere junge Milliardäre aus Familienvermögen
Neben den Deutschen und den Del-Vecchio-Brüdern finden sich weitere Erben großer Familienvermögen im Ranking. Firoz Mistry und Zahan Mistry, beide mit irischer Staatsbürgerschaft, erbten nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 2022 jeweils 4,6 Prozent am Mumbaier Mischkonzern Tata Sons.
Ihr Vermögen wird auf jeweils 3,1 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Tata-Gruppe zählt zu den traditionsreichen Unternehmensgruppen Indiens. Sie geht auf das Jahr 1868 zurück, umfasst 30 Unternehmen auf sechs Kontinenten und ist in mehr als 100 Ländern aktiv.
Auch Alexandra Andresen aus Norwegen zählt zu den reichsten Gen-Z-Erbinnen. Die 29-Jährige kommt laut Forbes auf ein geschätztes Vermögen von 2,5 Milliarden US-Dollar. Die Wurzeln des Familienvermögens liegen in einem Zigarettenimperium. Nach dem Verkauf des Unternehmens konzentrierte sich die Familie auf die Investmentgesellschaft Ferd, die unter anderem in Immobilien, Finanzgeschäfte und nordische Unternehmen investiert.
Andresen sitzt gemeinsam mit ihrer Schwester im Verwaltungsrat. Sie war zudem dreifache norwegische Juniorenmeisterin im Dressurreiten. Wegen Problemen mit der Wirbelsäule tritt sie nicht mehr an, bleibt dem Pferdesport aber verbunden.
Vermögen stammt aus Industrie, Handel und Kunst
Das Forbes-Ranking zeigt auch, wie unterschiedlich die Herkunft der Milliardenvermögen ist. Remi Dassault aus Frankreich verfügt laut Schätzung über 2,4 Milliarden US-Dollar. Sein Vermögen geht auf Anteile an Dassault Aviation und Dassault Systèmes zurück. Die Geschichte des Familienunternehmens reicht bis zu seinem Urgroßvater zurück, der einen im Ersten Weltkrieg genutzten Propeller erfand.
In Brasilien zählen Dora Voigt de Assis, Lívia Voigt de Assis, Felipe Voigt Trejes, Pedro Voigt Trejes und Amelie Voigt Trejes zu den jungen Milliardären. Sie sind Enkelkinder des verstorbenen WEG-Mitgründers Werner Ricardo Voigt. WEG produziert jährlich mehr als 21 Millionen Elektromotoren und exportiert in über 135 Länder.
Amelie Voigt Trejes ist 20 Jahre alt und gilt laut Forbes als jüngste Milliardärin der Welt. Sie besitzt demnach zwei Prozent am brasilianischen Elektromotorenhersteller.
Ein anderes Vermögensfeld zeigt der Fall Yoni Nahmad. Der 25-jährige Italiener ist Sohn des 2023 verstorbenen Kunsthändlers Ezra Nahmad. Dessen Kunstbestand wurde zum Zeitpunkt seines Todes auf fast sieben Milliarden US-Dollar geschätzt. Das Erbe wurde zwischen Yoni Nahmad und seinen zwei Brüdern aufgeteilt. Es umfasst Werke von Künstlern wie Monet, Matisse, Renoir und Rothko.
Erbschaften prägen die jüngsten Milliardenvermögen
Das Forbes-Ranking macht sichtbar, wie stark Erbschaften die Vermögensverteilung unter den jüngsten Milliardären prägen. Während Start-up-Gründer häufig öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, stammen viele der größten Vermögen unter 30 aus über Generationen aufgebauten Familienunternehmen.
Für Deutschland sind vor allem Kevin David Lehmann und Carl-Anton Kunz relevant. Beide stehen nicht im Zentrum der öffentlichen Unternehmensführung, verfügen aber über Beteiligungen an bekannten beziehungsweise wirtschaftlich bedeutenden Unternehmen.
Der Blick auf die junge Erbengeneration ergänzt ein größeres Bild: Auch im Forbes-Ranking der zehn reichsten Deutschen dominieren Familienunternehmen, Handel, Logistik und Technologie. Zugleich zeigt eine Analyse zum Anteil der Selfmade-Milliardäre, dass Erbe in Deutschland eine besonders große Rolle beim Aufbau großer Vermögen spielt.
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