Was bislang vor allem nach Zukunftsmusik klang, wird jetzt Realität: Am Flughafen Düsseldorf nehmen erstmals teleoperierte Shuttle-Fahrzeuge unter realen Bedingungen den Betrieb auf. Gemeinsam mit der Rheinbahn und dem Flughafen Düsseldorf erprobt Rheinmetall über seine Tochtergesellschaft MIRA die Technologie im öffentlichen Straßenverkehr.
Wie Rheinmetall mitteilt, sollen die elektrisch betriebenen Shuttles bis zum 28. August zwischen dem Flughafenbahnhof und dem Terminal verkehren. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Technik selbst. Der Praxistest soll zeigen, ob Teleoperation künftig eine wirtschaftliche und sichere Ergänzung für den öffentlichen Nahverkehr sein kann.
Wie der Shuttle-Test den Nahverkehr verändern könnte
Auf den ersten Blick verbindet das Shuttle lediglich den Bahnhof mit dem Terminal. Tatsächlich verfolgen die Projektpartner jedoch ein deutlich größeres Ziel. Teleoperierte Fahrzeuge könnten künftig dort eingesetzt werden, wo Verkehrsunternehmen zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Steigende Kosten, Fachkräftemangel und der Wunsch nach flexibleren Mobilitätsangeboten stellen viele Betreiber vor neue Herausforderungen.
Im Gegensatz zum autonomen Fahren übernimmt nicht das Fahrzeug sämtliche Entscheidungen. Stattdessen wird es aus einem Leitstand überwacht und bei Bedarf von speziell geschultem Personal ferngesteuert. Dadurch bleibt der Mensch Teil des Systems, während sich neue Einsatzmöglichkeiten eröffnen. Teleoperation gilt dabei als möglicher Zwischenschritt auf dem Weg zu vollständig autonomen Fahrzeugen, die bereits in mehreren europäischen Städten im Rahmen von Robotaxi-Projekten erprobt werden.
Der Flughafen Düsseldorf gilt dafür als ideales Testfeld. Rund um das Terminal treffen Busse, Pkw, Fahrräder, E-Scooter, Fußgänger:innen und Flugverkehr auf engem Raum aufeinander. Genau dort wollen Rheinbahn, MIRA und der Flughafen herausfinden, wie sich Teleoperation im Alltag bewährt und welche Rolle sie künftig im öffentlichen Nahverkehr spielen kann.
Teleoperation als Antwort auf den Fahrpersonalmangel
Für Rheinmetall steht dabei weit mehr auf dem Spiel als ein einzelnes Pilotprojekt. Mit seiner Tochtergesellschaft MIRA entwickelt der Düsseldorfer Technologiekonzern seit mehreren Jahren Systeme, mit denen Fahrzeuge sicher und präzise aus der Distanz gesteuert werden können.
Win Neidlinger, Geschäftsführer der MIRA GmbH, sieht darin großes Potenzial für den öffentlichen Nahverkehr: "Teleoperation trägt dazu bei, den öffentlichen Nahverkehr trotz zunehmenden Fahrpersonalmangels langfristig leistungsfähig zu halten.“
Auch die Rheinbahn verbindet mit dem Projekt konkrete Erwartungen. Neue Technologien müssten sich im täglichen Betrieb bewähren und von den Beschäftigten mitgetragen werden.
Annette Grabbe, Vorständin der Rheinbahn, sagt: "Technologische Transformation gelingt nur, wenn wir die Menschen mitnehmen.“
Im Praxistest wollen die Projektpartner deshalb untersuchen, wie sich die Technologie im Alltag bewährt, wie sie sich in bestehende Verkehrsstrukturen integrieren lässt und wie Fahrgäste sowie Fahrpersonal das neue Angebot annehmen.
Sicherheit steht während des Tests im Mittelpunkt
Die Steuerung der Shuttle-Fahrzeuge erfolgt aus einem Leitstand auf dem Düsseldorfer EUREF-Campus. Während jeder Fahrt befindet sich zusätzlich eine Begleitperson im Fahrzeug, die bei Bedarf jederzeit eingreifen kann. Nach Angaben der Projektpartner hat die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden während des gesamten Projekts oberste Priorität.
Neben der technischen Zuverlässigkeit untersuchen die Partner auch die Betriebssicherheit, die Systemstabilität und die Integration in bestehende Verkehrsstrukturen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen zeigen, ob teleoperierte Fahrzeuge künftig auch im regulären öffentlichen Nahverkehr oder bei internen Rangierfahrten eingesetzt werden können.
Flughafen denkt bereits einen Schritt weiter
Auch der Flughafen Düsseldorf sieht in der Technologie Potenzial über den aktuellen Testbetrieb hinaus. Neben der An- und Abreise von Fluggästen könnten teleoperierte Fahrzeuge künftig auch logistische und operative Aufgaben auf dem Flughafengelände übernehmen.
Lars Redeligx, Vorsitzender der Geschäftsführung des Flughafens Düsseldorf, erklärt: "Jetzt gehen wir den nächsten Schritt und testen, inwieweit sich mit teleoperierten Systemen am Boden unsere Prozesse effizienter gestalten und verbessern lassen.“
Der Flughafen verfügt mit dem SkyTrain bereits über langjährige Erfahrungen mit automatisierten Verkehrssystemen und möchte nun prüfen, welche zusätzlichen Möglichkeiten die Teleoperation eröffnet.
Kostenlos mitfahren und Zukunftstechnologie erleben
Interessierte können den Praxistest bis zum 28. August 2026 kostenlos nutzen. Die teleoperierten Shuttle-Fahrzeuge verkehren montags bis freitags zwischen 10 und 12 Uhr sowie 13 und 15 Uhr im Abstand von etwa 30 bis 40 Minuten. Sie verbinden den Flughafenbahnhof mit dem Terminal und halten an insgesamt fünf Stationen entlang der Strecke. Wer einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte, kann im Juli außerdem den Leitstand auf dem EUREF-Campus besuchen und die Teleoperation live erleben.
Der Testbetrieb ist Teil des Forschungsprojekts PoQuaSIA, das im Rahmen der europäischen 8ra-Initiative durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird. Ziel ist die Entwicklung einer leistungsfähigen und sicheren digitalen Infrastruktur für sicherheitskritische Anwendungen wie die Teleoperation von Fahrzeugen.
Noch ist offen, welche Rolle teleoperierte Shuttle-Fahrzeuge künftig im öffentlichen Nahverkehr spielen werden. Der Praxistest in Düsseldorf liefert jedoch erstmals Erkenntnisse darüber, wie sich die Technologie unter realen Verkehrsbedingungen bewährt. Fallen die Ergebnisse positiv aus, könnte das Projekt den Weg für neue Mobilitätskonzepte ebnen – nicht nur an Flughäfen, sondern auch im öffentlichen Nahverkehr vieler Städte.
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