Der Streit entwickelt sich damit zu einem Machtkampf um die Zukunft des internationalen Fußballs. Während die FIFA zusätzliche Milliarden für die weltweite Fußballförderung verspricht, wächst vor allem in Europa der Widerstand gegen den geplanten Einstieg privater Investoren.
UEFA berät über möglichen WM-Boykott
Besonders deutlich fällt die Reaktion der Europäischen Fußball-Union aus. Nach übereinstimmenden Berichten internationaler Medien will die UEFA noch in dieser Woche in einer Dringlichkeitssitzung über das weitere Vorgehen beraten. Dabei soll auch ein möglicher Boykott künftiger Fußball-Weltmeisterschaften zur Sprache kommen.
Bereits zuvor hatte die UEFA den Vorstoß ungewöhnlich scharf kritisiert. Aus ihrer Sicht dürften die Führung und die zentralen Strukturen des Fußballs nicht zu handelbaren Vermögenswerten werden. Zudem bemängelt der Verband, dass bislang unklar sei, welche Investoren sich beteiligen könnten und wer langfristig von dem Modell profitiert.
Auch der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter wandte sich öffentlich gegen das Vorhaben. Nach Medienberichten erklärte zudem der englische Fußballverband, vor der Veröffentlichung nichts von den Plänen gewusst zu haben.
Die FIFA weist die Vorwürfe zurück. Investoren sollen ausschließlich Minderheitsanteile erhalten und weder Einfluss auf Wettbewerbe noch auf Regelwerk oder internationalen Spielkalender bekommen.
20 Milliarden Dollar: Wie die FIFA den Fußball neu vermarkten will
Kern des Vorhabens ist die Gründung der FIFA Forward Enterprise (FFE). In dieser Tochtergesellschaft sollen künftig sämtliche kommerziellen Aktivitäten des Weltverbands gebündelt werden. Dazu gehören unter anderem Medienrechte, Sponsoring, Ticketing sowie Lizenzgeschäfte rund um FIFA-Wettbewerbe.
Die Gesellschaft soll mit rund 20 Milliarden US-Dollar bewertet werden. Auf dieser Grundlage will die FIFA bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar von langfristigen Investoren einwerben. Sämtliche Nettoerträge sollen nach Angaben des Weltverbands wieder in den internationalen Fußball fließen.
Anders als vielfach dargestellt, geht es dabei nicht um einen Verkauf der Fußball-Weltmeisterschaft. Vielmehr werden die wirtschaftlichen Rechte in einer eigenständigen Gesellschaft gebündelt. Die FIFA betont, dass sie die vollständige Kontrolle über Wettbewerbe, Regelwerk und Spielkalender behält.
Warum die FIFA diesen Schritt geht
Mit dem neuen Modell verfolgt die FIFA nach eigenen Angaben vor allem ein Ziel: mehr Geld für die Entwicklung des Fußballs weltweit.
Das bestehende Förderprogramm FIFA Forward soll deutlich ausgeweitet werden. Die regulären Beiträge für die 211 Mitgliedsverbände sollen in der Förderperiode 2027 bis 2030 von derzeit 8 Millionen auf 20 Millionen US-Dollar steigen. Für die darauffolgenden Förderzyklen sind weitere Erhöhungen vorgesehen. Zusätzlich soll ein neues Fast-Forward-Programm Verbänden ermöglichen, weitere Mittel für Stadien, Trainingszentren oder andere Infrastrukturprojekte zu beantragen.
Nach Angaben der FIFA könnten die weltweiten Entwicklungsinvestitionen dadurch auf mehr als 10 Milliarden US-Dollar anwachsen. Der Verband bezeichnet dies als das bislang größte Entwicklungsprogramm einer internationalen Sportorganisation.
FIFA-Präsident Gianni Infantino begründet den Schritt so: "Unser nächstes Wachstumsstadium erfordert eine eigene Struktur, in der der kommerzielle Bereich des Fussballs als zielgerichtetes, eigenständiges Geschäftsfeld betrieben und die Wertschöpfung daraus weltweit besser verteilt wird.“
Zwischen Wachstum und Kommerzialisierung
Die wirtschaftliche Logik hinter dem Vorhaben ist nachvollziehbar: Die FIFA möchte den steigenden Wert ihrer Wettbewerbe nutzen, um zusätzliche Einnahmen für den internationalen Fußball zu generieren. Gerade kleinere Verbände könnten von höheren Fördermitteln profitieren.
Gleichzeitig verschärft das Vorhaben die Debatte über die zunehmende Kommerzialisierung des Sports. Die UEFA sieht mit dem Einstieg privater Investoren eine Grenze überschritten. Kritiker befürchten, dass wirtschaftliche Interessen langfristig größeren Einfluss auf den internationalen Fußball gewinnen könnten – auch wenn die FIFA betont, sämtliche sportlichen Entscheidungen weiterhin selbst zu treffen.
Zweifel an den wirtschaftlichen Versprechen der FIFA wurden bereits während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 laut. Wirtschaftsexperten stellten die vom Weltverband prognostizierten Milliardeneffekte für die Gastgeber infrage und kritisierten, dass die Fußball-WM als Wirtschaftsfaktor häufig positiver dargestellt werde, als es Tourismusdaten, öffentliche Kosten und mögliche Verdrängungseffekte rechtfertigten.
J.P. Morgan begleitet das Milliardenprojekt
Für die Umsetzung arbeitet die FIFA unter anderem mit J.P. Morgan zusammen. Wirtschaftlich begleitet wird das Projekt außerdem von Greg Maffei, dem ehemaligen Präsidenten und CEO von Liberty Media. Nach Angaben der FIFA liegen bereits Interessenbekundungen potenzieller Investoren aus Europa, Amerika, Asien und Afrika vor.
Mitgliedsverbände entscheiden über den Milliardenplan
Noch ist das Projekt nicht beschlossen. Bevor die neue Gesellschaft gegründet werden kann, müssen die 211 FIFA-Mitgliedsverbände mehrheitlich zustimmen. Zudem sind regulatorische Änderungen durch den FIFA-Rat erforderlich. Erst danach könnte die Kapitalaufnahme beginnen.
Mit dem Vorstoß schlägt die FIFA einen Weg ein, den andere internationale Sportorganisationen und Profiligen bereits eingeschlagen haben: Die wirtschaftliche Vermarktung wird organisatorisch vom eigentlichen Verband getrennt, um neue Finanzierungsmöglichkeiten zu schaffen.
Dass die FIFA ihre Wettbewerbe zunehmend auch als globale Vermarktungsplattform versteht, zeigte zuletzt die umstrittene Halbzeitshow beim WM-Finale 2026. Mit der nun öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzung zwischen FIFA und UEFA ist aus einem Finanzprojekt jedoch längst auch ein Konflikt über die künftige Ausrichtung des Weltfußballs geworden.
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 29. Juli 2026 aktualisiert und um die jüngsten Reaktionen auf die Investorenpläne der FIFA ergänzt.
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