Kakerlaken, Kunstblut, Überwachung
Psychoterror gegen Kritiker: eBay zahlt 46 Millionen Dollar an Blogger-Ehepaar

| Redaktion 
| 28.07.2026

Große Technologiekonzerne geraten regelmäßig wegen Datenschutz oder ihren Arbeitsbedingungen in die Schlagzeilen. Ein Fall, der eBay seit Jahren begleitet, sticht jedoch selbst in diesem Umfeld heraus: Mehrere Mitarbeiter haben ein kritisch berichtendes Ehepaar mit einer systematischen Einschüchterungskampagne überzogen. Nun kann eBay die Affäre dank einer Millionenzahlung offenbar zu den Akten legen.

Als Ina und David Steiner im Sommer 2019 einen weiteren kritischen Beitrag über eBay veröffentlichten, ahnten sie mutmaßlich nicht ansatzweise, welche Ausmaße ihre Berichterstattung annehmen würde.

Das Ehepaar aus Natick im US-Bundesstaat Massachusetts betrieb mit EcommerceBytes einen durchaus beliebten Newsletter für Händler und Verkäufer auf Online-Marktplätzen, dessen Artikel jedoch nicht überall auf Zustimmung stießen – insbesondere nicht in der Führungsetage von eBay.

Gerichtsunterlagen zufolge zeigte sich der damalige eBay-Chef Devin Wenig zunehmend verärgert über die Berichterstattung, sodass er intern anregte, dagegen vorzugehen. Allerdings malte sich auch Wenig (zumindest laut eigener Aussage) nicht aus, mit welch unkonventionellen Methoden einige seiner Mitarbeiter vorgehen würden…

Things People don’t love: Einschüchterung und Psychoterror

Was folgte, erinnert mitunter eher an Psychothriller als an einen Unternehmensskandal: Die Beteiligten starteten eine gezielte Einschüchterungskampagne gegen Ina und David Steiner, für die sie unter falschen Identitäten eine ganze Reihe verstörender Gegenstände zum Haus des Ehepaars schickten – darunter lebende Kakerlaken, ein Trauerkranz, eine mit Kunstblut beschmierte Schweinemaske oder auch ein Buch, das zum Umgang mit dem Tod eines Partners berät.

Die damaligen eBay-Mitarbeiter sollen die Steiners zudem mit anonymen Nachrichten belästigt, ihre Wohnadresse öffentlich gemacht und das Paar physisch überwacht haben. Ihr Ziel war es nach Angaben der US-Justiz, die Blogger einzuschüchtern und sie von kritischer Berichterstattung über ihren Arbeitgeber abzuhalten.

Allerdings ging der Plan offensichtlich nicht auf: Statt die Steiners zum Schweigen zu bringen, lösten die Aktionen umfangreiche Ermittlungen des FBI aus. In den folgenden Jahren wurden insgesamt sieben ehemalige eBay-Beschäftigte strafrechtlich verurteilt; einige zu mehrjährigen Gefängnisaufenthalten.

Schikaniertes Paar bekommt 46 Millionen US-Dollar

Nach den Ermittlungen der US-Staatsanwaltschaft erklärte sich eBay vor zwei Jahren außerdem dazu bereit, eine Strafzahlung in Höhe von drei Millionen US-Dollar zu leisten. Das Geld floss dabei allerdings an die Behörden und stand in direktem Zusammenhang mit dem strafrechtlichen Verfahren gegen das Unternehmen und die beteiligten Mitarbeiter.

Für Ina und David Steiner war die Angelegenheit damit keineswegs beendet: Schon 2021 zog das Ehepaar parallel vor ein Zivilgericht und verklagte eBay sowie mehrere ehemalige Führungskräfte auf Schadensersatz. Die Blogger argumentierten, dass die Einschüchterungskampagne ihr Leben nachhaltig beeinträchtigt hat und letztlich aus dem Unternehmensumfeld heraus entstanden ist.

Nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen einigten sich die Parteien nun auf einen Vergleich. Demzufolge zahlt eBay mehr als 50 Millionen US-Dollar, von denen rund 46 Millionen US-Dollar direkt an die Steiners gehen; der Rest fließt an Nonprofit-Organisationen.

  • "In diesem Fall ging es stets um mehr als nur um die Erlangung einer finanziellen Entschädigung. Von Anfang an wollten unsere Mandanten die Wahrheit aufdecken, Journalisten und Verleger schützen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, künftiges Fehlverhalten von Unternehmen verhindern und dazu beitragen, dass andere niemals das durchmachen müssen, was sie erlebt haben.

    Durch jahrelange Beweisaufnahme, Antragsverfahren und Prozessvorbereitung ist es uns gelungen, diese Ziele zu erreichen und gleichzeitig eine angemessene Entschädigung für zwei wunderbare Menschen zu erwirken. Wir sind überzeugt, dass dieser Vergleich eine klare Botschaft aussendet: Unternehmen und ihre Führungskräfte können sich kein Fehlverhalten dieser Art leisten, ohne mit erheblichen Konsequenzen rechnen zu müssen."

    - Offizielles Statement von Chris Murphy, dem Anwalt der Steiners

Auch Ex-Konzernchef Devin Wenig beteiligt sich an der Einigung, obwohl er nie strafrechtlich verfolgt wurde und stets bestritt, von den Schikanen gewusst zu haben. Den Steiners zahlt er zwei Millionen US-Dollar; eine weitere Million an eine Stiftung für Redefreiheit.

eBays Schaden ist überschaubar – zumindest finanziell

Finanziell betrachtet scheint eBay mit dem nun erzielten Vergleich relativ glimpflich davongekommen sein. Medienberichten zufolge brachten die Steiners zwischenzeitlich Schadenersatzforderungen von fast einer halben Milliarde US-Dollar ins Spiel, sodass ein Jury-Prozess für den Konzern deutlich teurer hätte enden können.

Dennoch lässt sich der Preis der Affäre kaum allein in Dollar bemessen: Die Vorstellung, dass Mitarbeiter eines weltweit bekannten Technologiekonzerns kritische Berichterstattung mit Kakerlaken, Überwachung und anderen makabren Einschüchterungsversuchen beantworten wollten, beschert dem Unternehmen einen Reputationsschaden, dessen tatsächlicher "Wert" weit über die gezahlten Summen hinausgeht.

  • "Wie wir bereits seit langem betonen, war das, was die Steiners im Jahr 2019 durch ehemalige eBay-Mitarbeiter erdulden mussten, falsch, verwerflich und hätte niemals geschehen dürfen. Wir verurteilen auf das Schärfste jene Mitarbeiter, die sich dieses Fehlverhaltens gegenüber Ina und David Steiner schuldig gemacht und sich in strafrechtlichen Anklagen schuldig bekannt haben. [...]

    Seit dem Auftreten dieser Vorfälle sind neue Führungskräfte in das Unternehmen eingetreten, und eBay hat seine Richtlinien, Verfahren, Kontrollen und Schulungen im Einklang mit dem fortwährenden Engagement des Unternehmens zur Wahrung hoher Verhaltens- und Ethikstandards verstärkt."

    - Aus der offiziellen Stellungnahme von eBay

Sieben Jahre nach Beginn der unrühmlichen Kampagne endet der Fall damit offenbar auf juristischer Ebene – als Makel in der Unternehmensgeschichte von eBay dürfte er jedoch noch eine Weile Bestand haben. 

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV