Longevity
Neue Gen-Uhr bestimmt biologisches Alter und Sterberisiko präziser als je zuvor

| Natalie Oberhollenzer 
| 31.05.2026

Wie schnell altert der menschliche Körper wirklich? Eine neue Studie präsentiert eine Gen-Uhr, die biologisches Alter und Sterberisiko deutlich genauer erfassen soll als bisherige Verfahren. Experten sehen darin einen möglichen Meilenstein für Gesundheitsvorsorge, Longevity-Forschung und die Entwicklung neuer Therapien.

Die im Fachjournal Nature veröffentlichte Studie zeigt, dass sich biologisches Altern offenbar präziser messen lässt als bisher – und zwar über die Aktivität bestimmter Gene.

Ein internationales Forschungsteam um Alexander Tyshkovskiy und Vadim Gladyshev analysierte dafür mehr als 11.000 Genaktivitätsprofile aus über 25 Geweben von Mäusen, Ratten, Makaken und Menschen. Das Ergebnis: Viele molekulare Muster des Alterns scheinen über verschiedene Säugetierarten hinweg erstaunlich ähnlich zu sein.

Alter ist mehr als eine Zahl

Die Forscher entwickelten sogenannte "transkriptomische Uhren". Anders als viele bisherige biologische Uhren, die auf chemischen Veränderungen der DNA beruhen, messen diese Modelle, welche Gene in den Zellen aktiv sind. Dadurch sollen sie nicht nur das biologische Alter, sondern auch Hinweise auf Krankheits- und Sterberisiken liefern können.

Besonders auffällig waren zwei Marker: CDKN1A und LGALS3. Erhöhte Werte der entsprechenden Proteine standen in Datensätzen der UK Biobank mit höherer Sterblichkeit und mehreren altersbedingten Erkrankungen in Verbindung.

Die biologische Uhr lässt sich beeinflussen

Die Gen-Uhr reagierte in Tierversuchen deutlich auf lebensverlängernde Maßnahmen. Mäuse, die Kalorienrestriktion erhielten oder mit dem Wirkstoff Rapamycin behandelt wurden, zeigten ein jüngeres molekulares Alter als Tiere der Kontrollgruppen. Umgekehrt beschleunigten ungesunde Ernährung und Krankheiten den Alterungsprozess messbar.

Für die Forschung ist das ein wichtiger Unterschied zu bisherigen Verfahren. Während viele biologische Uhren das chronologische Alter relativ zuverlässig abbilden, soll das neue Modell auch Veränderungen durch Therapien oder Lebensstilmaßnahmen erfassen können.

Verjüngung beginnt bereits vor der Geburt

Für besonderes Aufsehen sorgt eine weitere Beobachtung der Wissenschaftler: In der frühen Embryonalentwicklung fanden sie Hinweise auf eine natürliche Verjüngungsphase. Bei Mäuseembryonen sank das biologische Alter zwischen dem sechsten und zehnten Entwicklungstag deutlich ab, bevor der eigentliche Alterungsprozess einsetzte.

Die Forscher vermuten, dass die Natur auf diese Weise altersbedingte Schäden der Elterngeneration "zurücksetzt", bevor neues Leben entsteht. Sollte sich dieser Mechanismus künftig besser verstehen lassen, könnte dies langfristig neue Ansätze für regenerative Medizin und Anti-Aging-Forschung eröffnen.

Warum das für Wirtschaft und Gesundheit relevant ist

Für die Longevity-Branche, Pharmaunternehmen und Präventionsmedizin könnte diese Forschung ein wichtiger Schritt sein. Denn wer Alterungsprozesse zuverlässig messen kann, kann auch besser prüfen, ob Therapien, Medikamente oder Lebensstilinterventionen tatsächlich wirken. Auch die Experten von Scientific American ordnen die Arbeit als möglichen Fortschritt bei der Suche nach Behandlungen ein, die gesunde Lebensjahre verlängern könnten.

Doch noch ist Vorsicht geboten. Die Studie liefert keine Anleitung zur Lebensverlängerung und keinen Konsumententest für den Alltag. Expertenreaktionen im Science Media Centre betonen, dass die Ergebnisse wissenschaftlich wichtig sind, aber noch nicht direkt in klinische Anwendungen übersetzt werden können.

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV