Dominic von Proeck erklärt
Warum Milliarden allein keine KI-Transformation kaufen können

| Redaktion 
| 16.07.2026

Die Erwartungen an Künstliche Intelligenz sind riesig – doch selbst milliardenschwere Tech-Konzerne können sich nicht auf automatische Durchbrüche verlassen. KI-Unternehmer Dominic von Proeck sieht darin ein grundlegendes Missverständnis: Der Erfolg von KI-Transformationen entscheide sich nicht an Technologie und Investitionen, sondern daran, ob Organisationen und ihre Mitarbeiter den Wandel tatsächlich mittragen.

Gerade bei großen Technologieprojekten scheint sich die "Viel hilft viel"-Devise einiger Beliebtheit zu erfreuen. Die Rechnung klingt simpel: Mehr Rechenleistung, größere Teams, höhere Investitionen und leistungsfähigere KI-Modelle sollen Innovationen beschleunigen und Unternehmen den vermeintlich entscheidenden Vorsprung sichern.

Gleichzeitig gibt es Zweifel, ob zusätzliche Ressourcen allein ausreichen, um komplexe Herausforderungen zu lösen – was wiederum zur Frage führt, ob der eigentliche Engpass an anderer Stelle liegt.

Kurz vor seinem Mittwoch veröffentlichten Auftritt bei "ungeskriptet", dem derzeit wohl meistdiskutierten Podcast der Nation, hat sich Dominic von Proeck näher mit dem Themenkomplex befasst, wobei er nicht um ein prominentes Negativbeispiel verlegen ist.

Meta-Teams ein "seelenzermürbender Gulag"?

"Metas Agenten-Offensive ist ein Rohrkrepierer: 145 Milliarden Dollar Budget, 8.000 Entlassungen und weitere 7.000 Mitarbeiter in neue KI-Teams umgezogen", resümiert Dominic von Proeck in einem Beitrag auf LinkedIn.

Besagte Teams würden von Kennern der Zustände als "seelenzermürbender Gulag" beschrieben; intern gebe Meta längst zu, dass sich die eigenen KI-Agenten nicht wie erhofft entwickeln.

Das harte Zwischenfazit kommt von einem Mann vom Fach: Dominic von Proeck hat sein erstes KI-Startup namens Punk Incorporated vor vier Jahren an die WBS Gruppe verkauft und sich seitdem insbesondere als Mitgründer und Managing Director von Leaders of AI hervorgetan, wo er Führungskräfte, Unternehmer und Selbstständige im strategischen Einsatz generativer KI und Agenten ausbildet.

"Wer glaubt, dass mehr Rechenleistung, bessere Modelle und ein größeres Budget eine Transformation erzwingen, hat die Gleichung ohne den Menschen gemacht. Transformation passiert nicht in den Servern. Sie passiert in den Köpfen", führt Dominic von Proeck aus.

"Wenn die Anschlussfähigkeit der Menschen nicht gegeben ist, scheitert der Ansatz. Egal wie viel Geld draufgeworfen wird."

Aus seiner Beratungspraxis berichtet er von Unternehmen, die sowohl über leistungsfähige KI-Werkzeuge als auch ausreichende finanzielle Mittel verfügten, ohne ihre Ziele zu erreichen. Nach Ansicht von von Proeck fehlt zu häufig eine klare Vorstellung davon, wie eine Organisation eigentlich aussehen müsse, in der Menschen und KI dauerhaft zusammenarbeiten.

Nicht alles lässt sich wegbudgetieren

Die Frage nach der Rolle des Menschen oder "wie mit der stattfindenden Identitätskrise umgegangen werden soll" werde in Transformationsstrategien zu wenig beantwortet – "und das lässt sich nicht wegbudgetieren", unterstreicht Dominic von Proeck.

Mit den Worten "Tomorrow is human. Mit allen Stärken. Und mit allen Schwächen, die das bedeutet. Wer das ignoriert, verbrennt im Zweifel richtig Geld und verliert vor allem Zeit." schließt er seinen Beitrag, der inhaltlich viel Zustimmung erhält:

  • Leadership-Expertin Ursula Vranken gefällt vor allem der Satz "Transformation passiert nicht in den Servern. Sie passiert in den Köpfen", den sie "als jemand der schon sehr lange begleitet" vollumfänglich bestätigen kann.

  • Michael Ringtunatus von TellTale Consulting nimmt Meta als probates Negativbespiel wahr, obwohl das Unternehmen eigentlich gute Voraussetzungen mitbringen würde, um "als Gewinner aus dem AI Race hervorzugehen. Sie können KI quersubventionieren, ähnlich wie Google.... Wenn sie nun die Menschlichkeit nicht aus dem Fokus verlieren würden".

  • "Es ist faszinierend zu sehen, wie sich selbst Tech-Giganten in der Illusion verrennen, dass bessere Modelle automatisch bessere Ergebnisse liefern", pflichtet Thomas Stradner, CEO der Skyt Holding, bei. "Am Ende scheitern die meisten Projekte nicht an der Technik, sondern weil vergessen wird, die Menschen auf diese Reise mitzunehmen."

  • Keynote-Speaker Joachim Nickelsen bringt Zahlen ein: "84 Prozent aller KI-Implementierungsfehler sind führungsbedingt, nicht technisch, das sagt die RAND Corporation". Bezogen auf Meta sagt er: "Wenn selbst ein Konzern mit diesem Budget an der menschlichen Seite scheitert, zeigt das: Kein Unternehmen kauft sich aus dieser Aufgabe raus."

  • Anastasia Galani, Gründerin von galaniprojects, stellt fest: "Erfolgreiche KI Transformation verbindet Strategie, Prozesse, Unternehmenswissen und Menschen. Erst wenn Mitarbeitende verstehen, welche Rolle KI übernimmt, welche Verantwortung beim Menschen bleibt und wie sich Arbeitsweisen verändern, entsteht nachhaltiger Mehrwert", was sie zum Fazit führt: "KI ist deshalb weniger ein Technologieprojekt als eine Organisations- und Führungsaufgabe."

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