Motte macht Meilenstein möglich
Tornyol ist das Drohnen-Startup, das zu seinen Ausrottungsplänen steht

| Redaktion 
| 15.07.2026

Die Zahl der tödlichen Haiangriffe im Jahr ist zweistellig, doch die von Mücken übertragenen Krankheiten kosten insbesondere in Entwicklungsländern hunderttausende Leben. Davon motiviert sagt das im Y Combinator aufgenommene Startup Tornyol den Mücken mit autonomen Mikrodrohnen den radikalen Kampf an – und mithilfe einer Motte konnte nun belegt werden, dass die Entwicklung wichtige Sprünge zur Marktreife macht.

Hierzulande kennt fast jeder die lästigen Sommerabende, an denen Mücken die Freizeit im Garten oder auf dem Balkon mit aller Macht beeinträchtigen. Während sie in unseren Gefilden vor allem als Störenfriede gelten, sind die winzigen Tiere in anderen Teilen der Welt lebensgefährlich: Sie übertragen Malaria, Dengue-Fieber, Zika und andere Krankheiten, was dem französischen Startup Tornyol zufolge jährlich rund 700.000 Menschenleben kostet.

Daher will das von den Ingenieuren Clovis Piedallu und Alex Toussaint gegründete Unternehmen eine effiziente, skalierbare und umweltverträgliche Lösung zur Mückenbekämpfung ermöglichen. Schlüssel zum Erfolg sollen autonome Drohnen im Kleinformat sein.

Ein Ansatz, der seit letztem Jahr auf renommierte Unterstützung bauen darf: Das derzeit siebenköpfige Team wurde im Y Combinator Batch Fall 2025 aufgenommen, wobei es sich um das wohl bekannteste und einflussreichste Startup-Accelerator-Programm der Welt handelt. Unternehmen wie Airbnb, Dropbox oder Reddit wurde auch damit zu heutiger Größe verholfen.

Mückenkiller dank Mikro-Doppler-Effekt

Herzstück von Tornyol wiederum ist eine nur 40 Gramm leichte Drohne, die mit einem hochpräzisen Ultraschall-Phased-Array-Sonar arbeitet. Das System nutzt handelsübliche Ultraschall-Sender (ähnlich denen in Auto-Einparkhilfen) und ein Array aus 380 Smartphone-Mikrofonen, die mit einem Artix-7 FPGA verarbeitet werden.

Die Drohne sendet dementsprechend Ultraschallpulse aus und analysiert die reflektierten Echos. Durch Phaseninformationen entsteht ein dreidimensionales Bild der Umgebung, wobei Mücken über ihren charakteristischen Mikro-Doppler-Effekt erkannt werden: Ihr Flügelschlag erzeugt ein einzigartiges, periodisches Frequenzmuster, das sich deutlich von Bienen, Wespen oder anderen Insekten unterscheidet.

Einen Meilenstein durfte Tornyol am Dienstag vermelden. "Wir freuen uns riesig, unseren ersten Luft-Luft-Abschuss einer fliegenden Motte durch eine autonome Mikrodrohne bekannt zu geben. Dies ist ein großer Schritt auf dem Weg zur vollständigen Ausrottung von Mücken", teilte Mitgründer Alex Toussaint mit dem oben eingebetteten Video auf X.

Während das Startup die Detektion von Mücken per Mikro-Doppler-Sonar bereits in frühen Präsentationen erfolgreich demonstrieren konnte, steckt die eigentliche Kunst in der kompletten Kette aus stabiler Verfolgung und präzisem Abfangen eines schnell und unvorhersehbar fliegenden Insekts in Echtzeit.

Erst die Motte, dann die Mücken

Mit der Motte als Proxy-Target, das etwas größer und einfacher zu tracken ist als eine Mücke, ließen sich die Flugsteuerung, die Algorithmen und die gesamte Hardware-Software-Integration nun innerhalb weniger Sekunden vor laufender Kamera unter Beweis stellen.

Für Privatkunden ist ein Heim-System, bestehend aus Drohne und Ladestation, in Vorbereitung – Interessierte können auf der offiziellen Homepage einen Platz mit einer erstattbaren 100-US-Dollar-Anzahlung reservieren; die kommerzielle Auslieferung in den Vereinigten Staaten ist für nächstes Jahr geplant. Das Angebot soll als monatliches Abomodell laufen, das rund 50 US-Dollar beanspruchen wird.

Ferner führt Tornyol industrielle Pilotprojekte durch und arbeitet an der finalen Miniaturisierung sowie der Freilandtauglichkeit. Gerade letztgenannte ist für den langfristigen Wunsch des Unternehmens relevant, neben einem komfortablen Anti-Mücken-System für westliche Kunden auch eine kostengünstige Technologie für den Einsatz in Hochrisikogebieten bereitzustellen.

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