LEADERSNET: Wenn man Ihren Namen recherchiert, tauchen Begriffe wie LinkedIn-Top-Voice, Influencerin, Unternehmerin und inzwischen auch Buchautorin auf. Was beschreibt Sie im Kern am besten?
Emma-Isadora Hagen: Alles, was mit Content zu tun hat. Also Inhalte zu entwickeln oder zu schreiben, die andere lesen, aus denen sie etwas mitnehmen und die im besten Fall im Alltag hängen bleiben. Dazu zählt für mich auch mein neues Buch. Ich mag alles, was Menschen zum Nachdenken bringt, ihnen Orientierung gibt oder auch Widerspruch auslöst. Genau das interessiert mich.
LEADERSNET: Sie gehören zu den sichtbarsten Business Creatorinnen auf LinkedIn. Was reizt Sie an diesem Modell?
Emma-Isadora Hagen: Ich glaube, viele unterschätzen noch, wie besonders dieses Geschäftsmodell ist. Ich bin all-in als LinkedIn-Influencerin und verdiene mein Geld über Kooperationen. Gleichzeitig wird oft sehr stark auf Followerzahlen geschaut und Accounts werden miteinander verglichen – obwohl die Geschäftsmodelle komplett unterschiedlich sind.
Bei mir ist LinkedIn kein Nebenprodukt und auch kein Marketingkanal für eine Agentur oder ähnliches, sondern mein Kerngeschäft. Und ich bin damit sehr zufrieden. Vor allem, weil meine Community mir zurückspiegelt, dass Kooperationen oft gar nicht wie klassische Werbung wirken.
LEADERSNET: Was braucht es heute, um LinkedIn wirklich stark zu bespielen?
Emma-Isadora Hagen: Eigene Ideen. Der Content-Zufluss auf der Plattform ist extrem hoch, vieles wiederholt sich. Wenn man zu den relevanten Stimmen gehören möchte, muss man Inhalte schaffen, die neu sind oder bekannte Themen anders erzählen. Man braucht ein Gefühl dafür, was Menschen wirklich bewegt und worauf sie reagieren.
LEADERSNET: Wenn Content immer stärker wird: Welche Rolle spielt dabei KI?
Emma-Isadora Hagen: Für mich ist KI ganz klar ein Werkzeug – und eher eine Chance als ein Risiko. Sie kann Prozesse beschleunigen und vieles erleichtern. Aber genau deshalb wird das, was ich eben beschrieben habe, noch wichtiger: Echte Ideen, Perspektiven und Persönlichkeit. Denn genau das kann KI nicht ersetzen. Ich glaube, dass sich Content dadurch weiter zuspitzen wird – weg vom Austauschbaren, hin zu dem, was wirklich eigenständig ist.
LEADERSNET: Welche Kooperationen gehen Sie persönlich ein?
Emma-Isadora Hagen: Vor allem solche, die im Alltag eine Rolle spielen – für mich und für meine Community. Eine Kooperation mit Adobe hat zum Beispiel sehr gut gepasst, weil ich die Tools selbst täglich nutze und meine Community auch. Wenn dann noch ein echter Mehrwert dazukommt, etwa ein Angebot, von dem die Community profitiert, ist das ideal. Es geht mir nicht darum, möglichst viele Kooperationen zu machen, sondern die richtigen.
LEADERSNET: Was macht für Sie eine gute Kampagne auf LinkedIn aus?
Emma-Isadora Hagen: Eine gute Kampagne ist nah am echten Leben. Also nicht Hochglanz, sondern Alltag. Wenn ich zum Beispiel mit einer Marke zusammenarbeite, dann bringt es wenig, das Produkt nur inszeniert darzustellen. Viel spannender ist es, es im echten Kontext zu zeigen – so, wie es tatsächlich genutzt wird. Genau diese Authentizität macht den Unterschied.
LEADERSNET: Und woran scheitert es in der Praxis am häufigsten? Welche Fehler machen Unternehmen in der Zusammenarbeit mit Business Creatorn?
Emma-Isadora Hagen: Viele greifen zu stark ein. Sie versuchen, ihre klassische Unternehmenskommunikation in den Content zu integrieren. Ein Briefing ist wichtig, aber zu viel Kontrolle ist kontraproduktiv. Ein Creator kennt seine Community und weiß, was funktioniert. Wenn Unternehmen anfangen, Inhalte zu glätten oder umzuschreiben, geht oft genau das verloren, was den Content eigentlich stark macht.
LEADERSNET: Liegt das auch daran, dass Content und Sichtbarkeit in Deutschland oft noch nicht als "richtige Arbeit" wahrgenommen werden?
Emma-Isadora Hagen: Das ist ein grundsätzliches Thema. Sichtbarkeit wird oft unterschätzt – nicht nur im Corporate-Kontext, sondern generell. Das kennt man auch aus der Influencer-Welt. In den letzten Jahren hat sich zwar etwas verändert, aber reine Content-Arbeit wird noch immer nicht in dem Maße als Arbeit anerkannt, wie sie es eigentlich verdient hätte.
LEADERSNET: Ist Corporate Influencing überhaupt noch im Trend?
Emma-Isadora Hagen: Ich glaube nicht, dass das eine kurzfristige Entwicklung ist. Im Gegenteil: Ich bin überzeugt, dass wir in ein paar Jahren darauf zurückblicken und uns wundern werden, dass früher nur die Unternehmenskommunikation gesprochen hat. Gleichzeitig gibt es aktuell noch viele Herausforderungen, weil Unternehmen das Thema oft nicht strategisch genug angehen und ihre Mitarbeitenden nicht ausreichend begleiten.
LEADERSNET: Woran scheitert es aktuell noch?
Emma-Isadora Hagen: Zum einen daran, dass viele unterschätzen, was Sichtbarkeit eigentlich bedeutet. Wer sichtbar ist, bekommt nicht nur positives Feedback, sondern auch Gegenwind – und damit muss man umgehen können. Zum anderen ist es ein klares Führungsthema.
Es reicht nicht, Programme aufzusetzen, wenn es keine echte Unterstützung gibt. Es braucht Führungskräfte, die den Mehrwert verstehen – etwa für Recruiting oder Employer Branding – und ihre Mitarbeitenden auch schützen und begleiten.
LEADERSNET: Sie beschäftigen sich nicht nur mit Sichtbarkeit nach außen, sondern auch mit Strukturen in Unternehmen selbst. Seit Kurzem sind Sie Buchautorin – wie kam es dazu?
Emma-Isadora Hagen: Ich stand beim Metzger an der Theke und habe einen Konflikt im Team mitbekommen, der für alle sichtbar war – auch für die Kundschaft. Es waren drei Frauen und ein Mann, der offensichtlich die Führungsrolle hatte. Und er hatte keinerlei Interesse, diesen Konflikt zu moderieren oder zu lösen. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass die drei Frauen durchaus in der Lage gewesen wären, das zu klären – aber sie waren eben nicht in dieser Rolle. Das hat mir sehr deutlich gezeigt, wie oft Menschen in Positionen sind, die eigentlich nicht zu ihnen passen.
LEADERSNET: Was war für Sie die zentrale Erkenntnis daraus?
Emma-Isadora Hagen: Dass wir in Deutschland viel zu wenig dafür tun, Menschen wirklich weiterzuentwickeln. Wir bilden für Jobs aus – aber nicht für das, was danach kommt: Dynamiken, Verantwortung, Veränderungen. Und wir erwarten dann, dass das irgendwie funktioniert. Genau da wollte ich mit dem Buch ansetzen. Ich möchte 100 Erfolgsgaranten für Fokus, Resilienz und berufliche Freiheit aufzeigen.
LEADERSNET: Was sollten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer heute konkret anders machen?
Emma-Isadora Hagen: Vor allem mehr Eigenverantwortung übernehmen. Viele erwarten, dass Unternehmen sie automatisch weiterentwickeln. Das passiert aber oft nicht. Wer langfristig relevant bleiben möchte, muss sich selbst informieren, weiterbilden und sich mit Veränderungen auseinandersetzen.
Und gleichzeitig geht es darum, die Komfortzone zu verlassen. In Deutschland haben wir oft noch eine starke Fehlervermeidungskultur. Wir probieren Dinge nicht aus, weil wir Angst haben, zu scheitern – dabei ist genau das entscheidend für Entwicklung.
LEADERSNET: Welche Rolle spielen Führungskräfte dabei?
Emma-Isadora Hagen: Eine sehr große. Viele arbeiten noch in Strukturen, die heute nicht mehr funktionieren. Gerade im mittleren Management fehlt oft die strategische Weiterbildung.
LEADERSNET: Ist das ein Grund, warum das Thema New Work aktuell stockt?
Emma-Isadora Hagen: Für mich ist New Work kein abgeschlossener Zustand, sondern ein dauerhafter Prozess. Durch Digitalisierung und KI verändert sich die Arbeitswelt ständig. Wir müssen lernen, mit dieser Dynamik umzugehen und Veränderung als Normalzustand zu akzeptieren.
LEADERSNET: Sie haben diese Entwicklung ja selbst aus der Praxis erlebt. Sie haben Ihre Führungserfahrung unter anderem bei Peek & Cloppenburg aufgebaut und große Teams geführt. Was hat Sie aus dieser Zeit besonders geprägt?
Emma-Isadora Hagen: Sehr stark geprägt hat mich vor allem der frühe Einstieg. Ich bin mit 22 in meine erste Führungsrolle gekommen und war anfangs deutlich nervöser, weil ich überhaupt nicht einschätzen konnte, was auf mich zukommt.
Was mich besonders überrascht hat, war die Erwartungshaltung. Plötzlich wird bewertet, wie man entscheidet, kommuniziert und mit Konflikten umgeht. Und je größer das Team wird, desto stärker steht man im Fokus. Führung bedeutet deshalb für mich vor allem, Verantwortung für Menschen und für die eigene Wirkung zu übernehmen.
LEADERSNET: Wie sind Sie mit diesem Druck umgegangen?
Emma-Isadora Hagen: Wichtig ist, Ventile zu finden. Das können Gespräche sein, Sport oder ganz andere Dinge. Man muss für sich Wege finden, um das zu verarbeiten – sonst wird es schwierig.
LEADERSNET: Sie gelten als nahbare Führungskraft. Ist das immer ein Vorteil?
Emma-Isadora Hagen: Es ist eine Gratwanderung. Nähe kann helfen, weil man besser versteht, was im Team passiert. Gleichzeitig macht sie einen auch angreifbarer. Für mich war es insgesamt ein Vorteil.
LEADERSNET: Möchten Sie ein Vorbild für junge Frauen sein?
Emma-Isadora Hagen: Ich glaube, das passiert oft unbewusst. Mir ist das besonders aufgefallen, als ich mit Auszubildenden gearbeitet habe. Sie übernehmen Dinge; oft mehr, als einem selbst bewusst ist. Man kann sich das nicht immer aussuchen – aber genau deshalb trägt man eine Verantwortung.
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