Lab-grown Diamanten
WOT Table x Nevermined & mandana: Christine Marhofer zeigt Labordiamanten "Made in Germany"

Wie entsteht ein Diamant ohne Mine – und warum ausgerechnet in Deutschland? Diese Frage stand beim "WOT Table x Nevermined & mandana“ in Essen im Mittelpunkt eines Abends, der den strukturellen Wandel der Schmuckindustrie greifbar machte. Unternehmerin Christine Marhofer öffnete ihre Produktion für ausgewählte Gäste und gab Einblicke in ein Geschäftsmodell, das auf Transparenz, Technologie und die Herstellung sogenannter lab-grown Diamanten ("Labordiamanten“) "Made in Germany" setzt.

Der Abend verband Werksführung, Debatte und persönliche Perspektiven zu einem fundierten Blick auf die Zukunft von Diamanten.

Am 23. April 2026 lud Christine Marhofer gemeinsam mit den WOT-Gastgeberinnen Nena Brockhaus und Franca Lehfeldt 25 Gäste aus Medien, Wirtschaft und Unternehmertum ins Headquarter von Nevermined. Das journalistisch kuratierte Format setzte bewusst auf Nähe: zur Produktion, zu den Entscheidungsprozessen und zu den Menschen hinter dem Unternehmen.

Einblick in die Produktion: Wo Diamanten wachsen

Im Zentrum stand die Führung durch die Produktionsstätte. Physiker Dr. Dennis Oing erklärte die Herstellung im CVD-Verfahren – ein Prozess, bei dem Diamanten über Wochen unter kontrollierten Bedingungen wachsen. Dabei wurde deutlich: Die eigentliche Herausforderung liegt nicht in der Maschine, sondern in der Prozessstabilität. Bereits kleinste Abweichungen beeinflussen das Ergebnis.

"Wir haben fast ein Jahr gebraucht, um stabile Prozesse zu entwickeln“, erklärte Marhofer im Live-Interview mit Nena Brockhaus. Entscheidend sei vor allem das Know-how: "Die Rezeptur ist das eigentliche Geheimnis – wie bei Coca-Cola."

Standort Deutschland als bewusste Entscheidung

Die Produktion in Deutschland gilt als strategisch anspruchsvoll – insbesondere aufgrund hoher Energiekosten. Dennoch fiel die Wahl bewusst auf Essen. "Ich glaube an den Standort Deutschland und an Made in Germany", so Marhofer. Kontrolle über Produktionsbedingungen und Energiequellen sei zentral für die Positionierung.

Auch die Motivation für den Aufbau einer eigenen Produktion wurde unmissverständlich formuliert: "Schnell war uns klar: Nachhaltigkeit und Luxus lassen sich nicht miteinander verbinden, wenn wir lab-grown Diamanten in fernen Ländern einkaufen."

Zur Einordnung des Produkts sagte sie: "Ein Labordiamant ist optisch, chemisch und physikalisch identisch zu dem aus der Mine. Der einzige Unterschied ist die Herkunft."

Vom Bedarf zur eigenen Industrie

Nevermined entstand aus der eigenen Schmuckmarke mandana. Die Suche nach nachhaltigen Diamanten führte zur Entscheidung, die Produktion selbst aufzubauen. Heute agiert das Unternehmen als Produzent mit B2B-Fokus und beliefert neben der eigenen Marke auch externe Partner. Jeder Diamant bleibt dabei ein Unikat.

Die Entwicklung verlief nicht linear: "Manchmal ist es auch gut, wenn man gar nicht weiß, wo die Reise hingeht." Gleichzeitig gilt: "Abzweigungen sind keine Fehler, sondern Learnings."

Diskussion am Tisch: Markt, Wahrnehmung und Realität

Beim Dinner wurde die Perspektive erweitert: Wie verändern Labordiamanten die Preislogik? Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Transparenz im Luxussegment?

Unter den Gästen: Unternehmerin Lilly Becker, Moderator Dieter Könnes, Investor Carsten Puschmann, Schauspielerin Claudelle Deckert Olsson, "Bunte"-Redakteurin Christiane Hoffmann, LEADERSNET-Chefredakteurin Evi Papadopoulou, die Moderatorinnen Sandra Kuhn und Kira Ortmann, Niche Beauty-Managing-Director Anne Zimmermann, Mäurer & Wirtz-PR-Managerin Charlene Kocyba, Medienberaterin Valentina Günnewig, Unternehmerin Louise Farina sowie Rich-Royal-Macherin Mara Wieczorek.

RTL-Moderator Dieter Könnes zeigte sich vor allem von der technologischen Dimension überrascht: "Ich habe heute eine Menge dazugelernt, weil das, was technisch, synthetisch möglich ist, war mir neu.“

Auf die Frage, ob man einen im Labor hergestellten Diamanten mit dem gleichen guten Gefühl verschenken würde wie einen klassischen Minendiamanten, äußerte sich Dieter Könnes: "Das ist jetzt eine verdammt gute Frage, weil man so im Gefühl hat, nur alles, was so richtig echt ist, das hat auch einen Wert. Und jetzt kann man sich die Frage stellen: Was heißt denn echt? Und wie werden Diamanten hergestellt – und kann dieses Verfahren hier nicht als genauso echt anerkannt werden?“

Sein Fazit: "Ich glaube, die Antwort darauf ist ja."

Investorensicht: Kapital, Mindset und Standort

Auch Investor und Unternehmer Carsten Puschmann griff zentrale wirtschaftliche Fragen auf – insbesondere die Finanzierung von Innovation in Deutschland. Seine klare Position: "Für gute Ideen gibt es immer Geld." Entscheidend sei jedoch, die passenden Investor:innen für das jeweilige Geschäftsmodell zu finden.

Gleichzeitig sieht er strukturelle Herausforderungen im Mindset: "Wir haben die besten Talente hier im Land – aber ein Mindset-Problem. Wir müssen wieder anfangen, an uns selbst zu glauben."

Im internationalen Vergleich fehle es häufig an Zukunftsorientierung: "Während wir hier oft die Vergangenheit verwalten, schauen andere Märkte nach vorne."

Dennoch sieht Puschmann großes Potenzial für den Standort Deutschland – insbesondere in technologiegetriebenen Industrien: "Wir haben Kapital, starke Corporates und einen leistungsfähigen Mittelstand." Beispiele wie Nevermined seien daher relevant: "Hier traut sich jemand zu investieren – und geht bewusst ins Risiko."

Mit Blick auf energieintensive Produktion betonte er die Notwendigkeit struktureller Anpassungen: geringere Energiekosten, schnellere regulatorische Prozesse und eine stärkere Mobilisierung von Kapital. Nur so könne industrielle Wertschöpfung langfristig im Land gehalten werden.

Kulinarischer Rahmen: Qualität im Detail

Begleitet wurde der Abend von einem Flying Dinner, kuratiert von Chefkoch, Gastronom und Caterer Franco Gianetti. Serviert wurden unter anderem Thunfischtartar mit Crème fraîche auf Sauerteigsegel, Garnelen im Tempurateig mit Sriracha-Mayonnaise sowie mediterraner Bratkartoffelsalat mit Chorizo. Ergänzt wurde das Angebot durch vegetarische und vegane Optionen wie Süßkartoffelstampf mit Pulled Aubergine oder Gemüse-Curry. Den Abschluss bildeten Desserts wie Tiramisu im Glas und Kokos Panna Cotta.

Das kulinarische Konzept unterstrich den Anspruch des Abends: präzise, hochwertig und klar in der Umsetzung.

Die Bilder des funkelnden Abends finden Sie in unserer Fotogalerie.

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