Blue Origin unter Druck
Artemis 3: So läuft die nächste Mission in Richtung Mond ab

| Redaktion 
| 10.06.2026

Die Rückkehr zum Mond ist ein technisch hochkomplexes Zusammenspiel aus staatlichen und kommerziellen Akteuren. Mit Artemis 3 rückt dabei erstmals eine NASA-Mission in den Fokus, die zentrale Andock- und Landetechnologien im Erdorbit unter Realbedingungen testen soll. Während SpaceX seine Systeme dafür schrittweise weiter verifiziert, sitzt Blue Origin nach der New-Glenn-Explosion die Zeit im Nacken.

Es sind große Ziele: Mit dem Artemis-Programm möchte die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA nach über einem halben Jahrhundert wieder Menschen auf den Mond bringen. Mittelfristig soll dort eine bewohnte Basis entstehen, die irgendwann wiederum als Plattform für eine Weiterreise zum Mars dienen könnte.

Doch bis frühstens 2028 wieder ein Fuß auf den einzigen Erdtrabanten gesetzt wird, liegt noch eine Menge Arbeit vor den Beteiligten der gleichermaßen internationalen (ESA) wie kommerziellen (SpaceX, Blue Origin) Zusammenarbeit.

Erst im April entfernte sich die Crew von Artemis 2 mit ihrem Raumfahrzeug Orion weiter von der Erde als je ein Mensch zuvor, womit Orion für zukünftige bemannte Einsätze validiert wurde und einen entscheidenden Schritt in Richtung Mond machte.

Artemis 3: Das ist die Crew

Wie der nächste aussieht, hat die NASA am Dienstag verkündet: Bei einer großen Live-Veranstaltung im Johnson Space Center in Houston, Texas stand die Enthüllung der vier teilnehmenden Astronauten und ein ausführliches Update zum aktuellen Stand der Mission im Mittelpunkt.

Die Artemis-3-Crew besteht demnach aus:

  • Randy Bresnik (NASA, Kommandant): Erfahrener US-Marine-Pilot und Raumfahrt-Veteran mit zwei früheren Weltraummissionen (Space Shuttle und Kommandant der ISS). Bresnik bringt umfangreiche Erfahrung mit Weltraumausstiegen und Führungsaufgaben mit

  • Luca Parmitano (ESA, Pilot): Der italienische Astronaut der ESA hat bereits zwei Langzeitmissionen auf der ISS absolviert und dabei mehrere Weltraumausstiege durchgeführt

  • Andre Douglas (NASA, Missionsspezialist): Beim ersten Raumflug für den promovierten Ingenieur liegt der Fokus auf den technischen Tests und Andockmanövern

  • Frank Rubio (NASA, Missionsspezialist): Der ehemalige Army-Arzt hält mit 371 Tagen den Rekord für den längsten US-Aufenthalt auf der ISS

Wann die Mission gestartet wird, steht bislang allerdings noch nicht fest; die NASA hält sich ein Zeitfenster bis Ende nächsten Jahres offen. In jedem Fall handelt es sich bei Artemis 3 nicht um eine weitere Mondumrundung; auch mit einem schlagzeilenträchtigen Rekord ist eher nicht zu rechnen.

Artemis 3: Das ist der Plan

Stattdessen ist Artemis 3 eine bemannte Demonstration in der niedrigen Erdumlaufbahn, die kritische Systeme für spätere Mondlandungen testen soll – insbesondere Rendezvous- und Andockmanöver zwischen dem Orion-Raumschiff und kommerziellen Mondlandern, namentlich Testversionen von Blue Origins Blue Moon und dem Human Landing System (HLS) von SpaceX.

Für die Mission sind insgesamt drei separate Starts, zwei Andockmanöver und eine Wasserlandung geplant. Vom ersten Launch bis zum sicheren Splashdown ist eine Zeitspanne von zwei Wochen angedacht. Schritt für Schritt soll das Vorhaben wie folgt ablaufen:

  1. Ein unbemannter Blue-Moon-Testlander von Blue Origin startet mithilfe einer New-Glenn-Rakete in die Erdumlaufbahn

  2. Kurz darauf starten die vier Astronauten per Schwerlastrakete SLS mit dem Artemis-2-erprobten Orion-Raumschiff

  3. In der niedrigen Erdumlaufbahn (LEO) dockt Orion an den Blue-Moon-Testlander an. Die Crew testet Andockvorgänge, Schnittstellen, Kommunikation und alle wichtigen Systeme

  4. Ein unbemanntes Starship-Testvehikel (HLS) von SpaceX startet in dieselbe Umlaufbahn

  5. Orion löst sich vom Blue-Moon-Testlander und dockt an die SpaceX-Variante an, um auch hier alle relevanten Prozeduren und Schnittstellen ausgiebig zu testen

  6. Abschließend trennt sich Orion vom zweiten Testlander, führt den Rückflug durch und landet mit Fallschirmen im Ozean. Die beiden Lander verbleiben in der Umlaufbahn oder verglühen kontrolliert

So simuliert die Mission die kritischen Andockvorgänge, die bei einer echten Mondlandung zwischen Orion und dem Lander nötig sind – allerdings in Erdnähe, die im Notfall mehr Handlungsspielraum eröffnet.

Blue Origin: Die Uhr tickt

Bei der offiziellen Crew-Vorstellung in Houston haben NASA-Verantwortliche auch die Explosion der New-Glenn-Rakete thematisiert, die Blue Origin kürzlich vor unerwartete Hürden gestellt hat. Man sei dennoch zuversichtlich, dass Jeff Bezos‘ Raumfahrtunternehmen den Blue-Moon-Testlander rechtzeitig für Artemis 3 bereitstellen kann.

Der Blue-Moon-Lander ist spezifisch auf die New-Glenn-Trägerrakete ausgerichtet; der einzige dafür geeignete Launchturm wiederum wurde bei dem besagten Zwischenfall im Mai schwer in Mitleidenschaft gezogen. Seitens Blue Origin hofft man, bis zum Ende dieses Jahres wieder starten zu können.

Das Unternehmen steht technisch wie politisch unter erhöhter Beobachtung: Jede weitere Verzögerung verschiebt den gesamten Ablauf von Artemis 3, da die LEO-Demonstration zwingend auf die Verfügbarkeit eines unbemannten, stabilen Lander-Stacks angewiesen ist.

Im schlimmsten Fall droht Blue Origin der Verlust einer zentralen Rolle im Programm – und das zugunsten von SpaceX, das seine Testkampagnen bereits deutlich weiter vorangetrieben hat.

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