Der seit dem Frühjahr laufende Test soll zeigen, wie sich der Roboter in bestehende Logistikprozesse integrieren lässt, welche technischen Voraussetzungen dafür notwendig sind und bei welchen Tätigkeiten ein sinnvoller Einsatz möglich ist. Zugleich prüft ROSSMANN, ob sich daraus ein tragfähiges und skalierbares Einsatzkonzept für weitere Anwendungen entwickeln lässt.
Walker S2 soll körperlich belastende Arbeiten übernehmen
Der Walker S2 wurde für industrielle und logistische Anwendungen entwickelt. Bei ROSSMANN soll er vor allem repetitive und körperlich unergonomische Tätigkeiten unterstützen. Welche Aufgaben dafür konkret infrage kommen, wird im Verlauf des Projekts schrittweise untersucht.
Der Roboter verfügt nach Angaben von ROSSMANN über 52 Freiheitsgrade. Dadurch kann er zahlreiche Bewegungsabläufe eines Menschen nachahmen. Zudem ist das System in der Lage, seine Batterie eigenständig zu wechseln. Das könnte längere Einsatzzeiten ermöglichen, ohne dass Beschäftigte den Ladevorgang manuell begleiten müssen.
Für die Bewertung im Logistikalltag sind technische Merkmale allein jedoch nicht ausschlaggebend. Entscheidend ist, ob der Roboter Aufgaben zuverlässig ausführt, sich sicher in bestehende Abläufe einfügt und einen nachvollziehbaren Nutzen für die Beschäftigten und den Betrieb bietet.
Der Jahrestest folgt mehreren Projektphasen
ROSSMANN hat das Pilotprojekt entlang einer festen Roadmap aufgebaut. Am Anfang stehen erste Anwendungsszenarien und technische Versuche. Anschließend soll der Walker S2 schrittweise in reale Prozesse eingebunden werden.
Dabei untersucht das Unternehmen unter anderem, welche IT-Infrastruktur benötigt wird und wie schnell sich neue Anwendungen programmieren lassen. Ebenso wichtig ist die Frage, wie Beschäftigte die Zusammenarbeit mit dem Roboter erleben. Ihre Rückmeldungen fließen in die Bewertung des Projekts ein.
ROSSMANN grenzt sich dabei bewusst von überzogenen Erwartungen ab. Hendrik van Duuren, Geschäftsleitung Logistik bei ROSSMANN, sagt:
"Jetzt geht es ans Testen: Wie lässt sich der Walker S2 sinnvoll in unsere Prozesse einbinden, welche IT-Infrastruktur ist dafür notwendig und wie schnell können wir neue Anwendungen programmieren? Gleichzeitig beobachten wir genau, wie unsere Kolleginnen und Kollegen die Zusammenarbeit mit dem Roboter erleben. Uns ist bewusst, dass rund um humanoide Robotik derzeit viel Hype entsteht – gerade deshalb wollen wir frühzeitig und auf Basis eigener Erfahrungen herausfinden, was im Alltag tatsächlich funktioniert und wo die Grenzen liegen. In diesem Pilotprojekt wollen wir konkrete Antworten finden und den praktischen Nutzen für unsere Logistik realistisch bewerten.“
Was Skalierbarkeit in diesem Projekt bedeutet
Ein zentraler Bestandteil des Tests ist die Frage nach der Skalierbarkeit. Gemeint ist damit nicht nur, ob ROSSMANN künftig weitere Roboter anschaffen könnte. Zunächst muss sich zeigen, ob ein erfolgreich getesteter Anwendungsfall auf andere Tätigkeiten, Bereiche oder Standorte übertragen werden kann.
Dafür müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Die technische Infrastruktur muss auch bei einer größeren Zahl von Robotern funktionieren. Neue Aufgaben sollten sich mit vertretbarem Aufwand programmieren lassen. Zudem müssen die Systeme in unterschiedliche Lagerabläufe eingebunden werden können, ohne Prozesse unnötig kompliziert zu machen.
Auch organisatorische Fragen spielen eine Rolle. Dazu zählen die Betreuung der Systeme, Wartung, Schulung der Beschäftigten und die Abstimmung zwischen Robotik, IT und operativer Logistik. Erst wenn sich ein Einsatz technisch, organisatorisch und wirtschaftlich vervielfältigen lässt, kann von einem skalierbaren Modell gesprochen werden.
ROSSMANN will auf Basis des Jahrestests deshalb ein langfristig tragfähiges Einsatzkonzept entwickeln. Dieses soll klären, in welchen Bereichen ein Rollout sinnvoll wäre und wie sich humanoide Robotik mit bestehenden Automatisierungs- und Digitalisierungsmaßnahmen verbinden lässt.
Terra Robotics begleitet die technische Integration
Geliefert wurde der Walker S2 von Terra Robotics aus Löhne. Das Unternehmen gehört zur Wortmann Gruppe, vertreibt die Technologie in Deutschland und unterstützt ROSSMANN bei der technischen Implementierung.
Entwickelt wurde das Robotermodell vom chinesischen Unternehmen UBTECH Robotics. Terra Robotics übernimmt damit die Rolle des lokalen Integrationspartners. Für ROSSMANN ist diese Unterstützung relevant, weil der Test nicht nur den Roboter selbst betrifft, sondern auch dessen Einbindung in IT-Systeme und betriebliche Abläufe.
Im Juli 2026 vereinbarten UBTECH Robotics und Terra Robotics zudem eine Partnerschaft für den deutschsprachigen Raum. Terra Robotics soll demnach als exklusiver Vertriebspartner für Deutschland, Österreich und die Schweiz auftreten. Für das Projekt in Burgwedel bleibt jedoch die konkrete technische Umsetzung im laufenden Betrieb entscheidend.
Digitalisierung als strategischer Schwerpunkt
Der Test mit dem Walker S2 steht nicht isoliert, sondern fügt sich in die laufende Modernisierung der Unternehmensprozesse ein. ROSSMANN treibt neben der Automatisierung seiner Logistik auch den Ausbau der digitalen Infrastruktur voran. Dazu zählt unter anderem die Einführung einer neuen Enterprise-Service-Management-Plattform, die künftig moderne und KI-fähige Serviceprozesse unterstützen soll.
Vor diesem Hintergrund ist auch das Pilotprojekt in Burgwedel zu sehen. Es geht nicht nur um die Erprobung einer neuen Robotiklösung, sondern um die Frage, wie sich humanoide Systeme in bestehende digitale und logistische Abläufe integrieren lassen. Wie umfassend ROSSMANN seine Prozesse derzeit modernisiert, zeigen auch die jüngsten Geschäftszahlen und IT-Projekte des Unternehmens.
Praxis statt Produktdemonstration
Der Test bei ROSSMANN unterscheidet sich von einer kurzfristigen Vorführung. Das Unternehmen prüft den Walker S2 über mehrere Monate hinweg und unter realen Bedingungen. Dadurch sollen nicht nur mögliche Einsatzfelder sichtbar werden, sondern auch technische Grenzen, notwendige Anpassungen und Reaktionen der Beschäftigten.
Für Handels- und Logistikunternehmen ist dieser Ansatz besonders relevant. Humanoide Roboter versprechen grundsätzlich mehr Flexibilität als fest installierte Systeme, weil sie in Umgebungen arbeiten sollen, die für Menschen ausgelegt sind. Ob daraus ein belastbarer Vorteil entsteht, hängt jedoch vom tatsächlichen Einsatz ab.
ROSSMANN trifft deshalb noch keine Aussage über einen flächendeckenden Rollout. Erst nach Abschluss der Erprobung soll bewertet werden, wo die Technologie einen praktischen Beitrag leisten kann. Damit liefert das Projekt vor allem eines: belastbare Erfahrungen zu einer Technologie, deren Möglichkeiten derzeit häufig schneller diskutiert werden, als sie im betrieblichen Alltag überprüft werden können.
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