Evelyn Palla selbstkritisch
Deutsche Bahn will bis 2035 "das Gröbste" hinter sich haben

| Redaktion 
| 02.08.2026

Jahrelang erklärte die Deutsche Bahn ihre Probleme mit maroder Infrastruktur, fehlenden Investitionen und einem überlasteten Netz. Konzernchefin Evelyn Palla ergänzt die Diagnose nun offen um einen weiteren Faktor: Die Bahn selbst. Mit ihrer Kritik an einer "organisierten Verantwortungslosigkeit" regt sie eine Debatte darüber an, inwiefern die "schwerste Krise der Unternehmensgeschichte" nicht nur auf den Schienen, sondern auch in den Chefetagen entstanden ist.

Der Deutschen Bahn mangelt es in der Regel nicht an Analysen, Reformplänen oder Strategiepapieren, die Probleme erkennen und bestenfalls Lösungswege beinhalten. Kritiker bemängeln seit Jahren jedoch vor allem die langsame Umsetzung dazugehöriger Vorhaben, viel zu komplexe Zuständigkeiten und fehlende Konsequenzen bei verfehlten Zielen.

Mit ungewöhnlich deutlichen Worten lenkt Bahn-Chefin Evelyn Palla den Blick nun genau auf diese strukturellen Probleme: Statt die Ursachen der Krise vor allem außerhalb der eigenen Unternehmenswände zu suchen, rückt sie die eigene Führungskultur in den Mittelpunkt – ein Aspekt, der in der öffentlichen Debatte bislang häufig hinter Infrastrukturfragen zurückblieb.

Thema Leistung beschäftigt Palla über die Bahn hinaus

Quelle der Selbstkritik ist ein Interview mit der Welt am Sonntag, in der Palla dem Konzern unter anderem "organisierte Verantwortungslosigkeit" zwischen der zentralen Verwaltung und der operativen Ebene attestiert. Pünktlichkeit beginne bereits damit, dass Zuständigkeiten klar und transparent geregelt sind.

Evelyn Palla gibt zu, dass "die Leistungskultur der Vergangenheit für die Performance der Bahn nicht ausreichend" war, denkt das Thema allerdings nicht allein auf ihren eigenen Arbeitgeber bezogen. Entsprechend plädiert sie dafür, "dass wir in dieser Gesellschaft ehrlicher über Leistung sprechen müssen", da lediglich mit ihr der "Wohlstand in unserer Gesellschaft" gehalten werden könne.

An anderer Stelle spricht sie die Lage der Deutschen Bahn schonungslos an und betont, dass sie sich in "der schwersten Krise ihrer Unternehmensgeschichte" befinde. Dabei geht Palla auch auf eingangs erwähnte Klassiker unter den Kritikpunkten ein.

"Man musste nur gut genug erklären, warum die Ziele nicht erreicht werden konnten. Damit kam man oft jahrelang durch", schildert sie zum Vorwurf mangelnder Konsequenzen für Fehlschläge. "Das hat dazu geführt, dass mehr Energie zum Erklären der Probleme verwendet wurde als zu deren Lösung."

Große Ambitionen zum Jubiläum

Ebenso räumt sie ein, dass weniger die Erkenntnis und "viel zu lange" die Umsetzung für Schwierigkeiten gesorgt habe. Trotzdem sollten sich regelmäßige Bahnfahrer angesichts der offenen Selbstkritik nicht auf allzu zeitnahe Optimierung der Zustände einstellen.

"Wer hier etwas anderes verspricht, macht den Menschen etwas vor", sagt die Bahn-Chefin der Welt am Sonntag mit Bezug auf anhaltende Störungen und Baustellen im Bahnnetz, die zeitnahe Verbesserungen offenbar unmöglich machen.

Hoffnungsvoll stellt Evelyn Palla allerdings 2035 als "das Jahr, in dem wir das Gröbste hinter uns haben" in Aussicht. Es ist nicht irgendein Jahr: Im Dezember 1835 nahm die Ludwigseisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth ihren Dienst auf.

Das Projekt um die nur wenige Kilometer lange Strecke markierte den Beginn eines Verkehrsnetzes, das in den folgenden Jahrzehnten zum Motor der Industrialisierung werden sollte – und das die Geburtsstunde der Deutschen Bahn darstellt, die Mitte des nächsten Jahrzehnts entsprechend ihren 200. Ehrentag feiert.

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