Evakuierung für Nahost-Urlauber
Wadephul kündigt Flüge für "vulnerable Gruppen" an

| Redaktion 
| 02.03.2026

Angesichts der militärischen Eskalation im Nahen Osten verschärft die Bundesregierung ihre Bemühungen um deutsche Staatsangehörige vor Ort: Außenminister Johann Wadephul kündigte am Montag an, eigene Maschinen für Kinder, Kranke oder Schwangere bereitzustellen, sofern kommerzielle Ausreisemöglichkeiten nicht ausreichen. Parallel ruft das Auswärtige Amt weiter zur Registrierung beim Krisenvorsorgesystem ELEFAND auf.

Die Elektronische Erfassung von Deutschen im Ausland wird klangvoll als ELEFAND abgekürzt und ist ein freiwilliger Onlinedienst des Auswärtigen Amts. Deutsche Staatsangehörige können dabei ihre Reise- oder Aufenthaltsdaten hinterlegen, damit sie im Krisenfall schnell von der zuständigen Auslandsvertretung erreicht werden können.

Das System ermöglicht eine direkte Information per E-Mail oder SMS sowie eine koordinierte Unterstützung vor Ort – und genau die ist vielerorts gefragt, seit die militärische Eskalation gegen und durch Iran den Nahen Osten ins Chaos taucht.

Tausende deutsche Urlauber und im Nahen Osten lebende Staatsbürger sitzen wegen geschlossener Lufträume fest; eine militärische Evakuierung durch Bundesregierung oder Bundeswehr wurde zunächst ausgeschlossen. Stattdessen appellierte das Auswärtige Amt zur ELEFAND-Registrierung und riet dazu, kommerzielle Ausreisemöglichkeiten zu nutzen.

Krisenteams nach Maskat, Doha und Dubai

Kritiker sahen darin ein zu passives Krisenmanagement und bemängelten einen fehlenden Plan für die Rückkehr Betroffener. Vor diesem Hintergrund richtete sich Außenminister Johann Wadephul (CDU) am Montagnachmittag in Berlin an die Presse.

Er habe gemeinsam mit Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am seit Samstag täglich tagenden Krisenstab teilgenommen und bezog sich in seiner Ansprache vor allem auf Urlauber, die sich plötzlich "in einer unfassbar belastenden, angespannten und schwierigen Situation" wiederfinden, die kaum klar vorhersehbar sei.

Wegen regelmäßigem Beschuss und gesperrten Lufträumen sei in vielen betroffenen Regionen derzeit kein Lufttransport möglich. Man koordiniere sich sehr eng mit der Reiseindustrie, wobei Wadephul die Lufthansa, Tui und den Deutschen Reiseverband namentlich erwähnte.

Außerdem kündigte er die Entsendung von Krisenteams des Auswärtigen Amts nach Maskat, Doha und Dubai an, die deutschen Staatsbürgern vor Ort als direkter Ansprechpartner dienen sollen.

Wadephul schließt Bundeswehr-Hilfe nicht aus

Ferner versprach der CDU-Politiker: "Wir werden so schnell wie möglich, für besonders vulnerable Gruppen, Maschinen der Luftfahrtindustrie nach Riad und Maskat schicken – also Orte, von denen noch geflogen werden kann."

"Wenn ein Luftraum geschlossen ist, ist er geschlossen. Und dann ist er für alle geschlossen", unterstrich er auf Reporternachfrage. "Wir hoffen, dass er geöffnet wird, vor allem über den Vereinigten Arabischen Emiraten, aber bisher ist das nicht der Fall. Was wir in der Zwischenzeit machen können, ist die Ausreise in Nachbarstaaten, wo geflogen werden kann, zu ermöglichen. Das machen wir."

Zur Einordnung der Flüge für vulnerable Gruppen stellte er klar: "Für Kinder, Kranke, Schwangere werden wir auch selber Maschinen bereitstellen. Das ist Steuerzahlergeld, das ist sozusagen das Mittel der zweiten Wahl. An allererster Stelle müssen natürlich die Reiseverkehrsunternehmen hier eintreten und an dritter Stelle, wenn all das nicht reichen sollte, würden wir gegebenenfalls auf die Bundeswehr zurückgreifen."

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