Raumfahrt
Artemis II: Mondreise mit deutscher Beteiligung

Die erste Mondlandung jährt sich 2029 zum 60. Mal – und viel jünger ist die letzte bemannte Reise zum Erdtrabanten auch nicht. Mit dem Artemis-Programm bereitet die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA dieser Tage die Rückkehr zum Mond vor. Bei einem fürs Frühjahr geplanten Umrundungsflug sollen sich vier Astronauten mithilfe deutscher Technik weiter als alle Menschen zuvor von der Erde entfernen.

Bislang haben zwölf Menschen den Mond betreten. Alle dazugehörigen Landungen auf dem einzigen Erdtrabanten fanden im Rahmen des Apollo-Programms der NASA zwischen 1969 und 1972 statt, sodass sämtliche Personen mit praktischer Monderfahrung US-Amerikaner sind.

Zuletzt betrat die Crew von Apollo-17 im Dezember 1972 die karge Oberfläche. Seitdem hat kein Mensch mehr einen Fuß auf den Mond gesetzt; alle späteren Missionen waren unbemannt – und mancherorts wird bis heute infrage gestellt, ob die bisher verbuchten Landungen tatsächlich stattgefunden haben.

Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion

Ungeachtet dessen startete die erste Mission des Programms Artemis I im November 2022 und war unbemannt. Sie hatte zum Ziel, das Space Launch System (SLS) und das Orion-Raumschiff unter realen Flugbedingungen zu erproben.

Ersteres ist die derzeit leistungsstärkste Trägerrakete der NASA und wurde speziell für bemannte Missionen jenseits des Erdorbits entwickelt. In ihrer aktuellen Konfiguration kann die Schwerlastrakete neben der Orion zudem Versorgungsgüter und später auch Mondlander transportieren.

 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von NASA Artemis (@nasaartemis)

SLS bildet das Rückgrat des Artemis-Programms und soll Missionen zum Mond, zu dessen Umlaufbahn und perspektivisch auch darüber hinaus ermöglichen.

Besagtes Orion-Raumschiff wiederum ist das aktuelle bemannte Tiefraumfahrzeug der NASA. Es bietet Platz für vier Astronauten, verfügt über moderne Lebenserhaltungssysteme, Strahlenschutz und Hitzeschilde für den Hochgeschwindigkeits-Wiedereintritt von außerhalb des Erdorbits.

Der Testflug Ende 2022 verlief erfolgreich; Orion umrundete den Mond und kehrte nach rund 25 Tagen sicher zur Erde zurück. Zeitweise war es rund 432.000 Kilometer von der Erde entfernt – der distanzierteste Punkt, den je ein für Menschen vorgesehenes Vehikel erreicht hat.

Start "nicht früher als März 2026"

Darauf aufbauend ist Artemis II die erste bemannte Mission des Programms. Vier Astronauten sollen mit dem Orion-Raumschiff den Mond umrunden, jedoch (noch) nicht landen. Die Mission dient in erster Linie dazu, Lebenserhaltungssysteme, Navigation und Kommunikation im tiefen Weltraum zu testen.

Artemis II markiert die Rückkehr des Menschen in Mondnähe und ist ein entscheidender Zwischenschritt auf dem Weg zu späteren Mondlandungen, die wiederum weitere Grundsteine für bemannte Marsmissionen legen sollen.

 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von NASA (@nasa)

Die NASA grenzt den Starttermin recht vage mit "nicht früher als März 2026" ein; vormals ins Auge gefasste Februar-Termine wurden wegen technischer Tests und notwendiger Anpassungen verschoben.

Wenn es tatsächlich so weit ist, sollen Reid Wiseman (Kommandant, NASA), Victor Glover (Pilot, NASA), Christina Koch (Missionsspezialistin, NASA) und Jeremy Hansen (Missionsspezialist, Canadian Space Agency) die vier Orion-Plätze einnehmen.

Deutscher Navigator an Bord

Ein deutscher Astronaut ist demzufolge nicht an Bord – sehr wohl jedoch entscheidende Technik aus der Bundesrepublik, die seit Beginn des Artemis-Programms zum Einsatz kommt: Für den sogenannten Sternsensor, ein Navigationssystem, zeichnet Jena-Optronik aus Thüringen verantwortlich.

"Ein Sternensensor nutzt das, was im Weltraum sehr viel vorhanden ist, das sind die Sterne", zitiert die Tagesschau den Jena-Optronik-Projektmanager Andreas Deter unter Berufung auf einen MDR-Report. "Wir nutzen einen internen Sternkatalog, erkennen damit die Sternbilder und können direkt die Richtungssignale an das Raumschiff ausgeben."

 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von NASA Solar System Exploration (@nasasolarsystem)

Laut Deter ist der Sternsensor "nicht nachnutzbar. Das heißt, für jede Mission gibt es ein neues Versorgungsmodul und auch damit einen neuen Sternsensor". Noch bis mindestens zur Artemis-V-Mission soll das Unternehmen den US-amerikanischen Raumfahrtriesen weiter versorgen.

Im Übrigen lässt sich auch die Spur des von Deter erwähnten Versorgungsmoduls namens ESM nach Deutschland zurückverfolgen, schließlich wird es in Bremen gefertigt.

Beide Komponenten werden dem Mond letztlich nicht sonderlich nahe kommen, wenn die Artemis-II-Crew bestenfalls im März zu den Sternen aufbricht – essentielle Wegbereiter sind sie jedoch allemal.

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV