Tech-Trends 2026
Europas Startups im Höhenflug: Fünf neue Unicorns in nur einem Monat

Die europäische Tech-Szene legt einen Raketenstart hin: Innerhalb nur eines Monats stiegen fünf Unternehmen in den Milliarden-Club auf. Von Cybersecurity in Belgien bis zu ESG-Software aus Deutschland. Vor allem Hard-Tech befeuert neue Hubs abseits von Berlin und London.

Die Januar-Unicorns 2026 im Überblick:

Aikido Security (Belgien): Cybersecurity-Plattform ($1 Mrd. Bewertung)

Cast AI (Litauen/USA): Cloud- & KI-Optimierung ($1 Mrd.+ Bewertung)

Harmattan AI (Frankreich): Autonome Verteidigungssysteme ($1,4 Mrd. Bewertung)

Osapiens (Deutschland): ESG- & Compliance-Software ($1,1 Mrd. Bewertung)

Preply (Ukraine/USA): KI-gestützte Lernplattform ($1,2 Mrd. Bewertung)

Europas Startup-Szene startet mit Tempo ins neue Jahr. Innerhalb eines einzigen Monats haben gleich fünf junge Technologieunternehmen aus verschiedenen Teilen des Kontinents die Schwelle zur Milliardenbewertung überschritten. Das berichtet das US-Techportal TechCrunch, das die jüngsten Finanzierungsrunden und strategischen Beteiligungen ausgewertet hat.

Die neuen Unicorns kommen aus ganz unterschiedlichen Ländern – von Belgien über Litauen und Deutschland bis nach Frankreich und in die Ukraine. Inhaltlich zeigt sich jedoch ein klares Muster: Investoren setzen auf Sicherheit, Effizienz und regulatorisch getriebene Geschäftsmodelle.

Nachhaltigkeitssoftware aus Deutschland

Aus Deutschland stammt ein Anbieter von ESG- und Lieferketten-Software, der ebenfalls erstmals die Milliardenmarke überschritten hat. Das Unternehmen unterstützt Konzerne dabei, Nachhaltigkeitsdaten zu erfassen, regulatorische Vorgaben einzuhalten und Risiken in globalen Lieferketten zu analysieren. Der Einstieg eines Fonds mit Fokus auf Dekarbonisierung unterstreicht, wie stark Regulierung derzeit als Wachstumstreiber wirkt.

Defense-Tech aus Frankreich

Auch der Verteidigungssektor rückt stärker in den Fokus von Investoren. Ein französisches Startup, das sich auf autonome militärische Systeme spezialisiert hat, wurde nach einer Finanzierungsrunde mit rund 1,4 Milliarden Dollar bewertet. Neben frischem Kapital brachte der Einstieg eines großen europäischen Rüstungskonzerns auch eine enge industrielle Partnerschaft. Bereits bestehende Verträge mit staatlichen Auftraggebern unterstreichen die strategische Bedeutung des Geschäftsmodells.

Cloud-Optimierung mit baltischen Wurzeln

Ein weiteres Unicorn hat seine Ursprünge in Litauen, auch wenn der Firmensitz inzwischen in den USA liegt. Das Unternehmen entwickelt Software, mit der sich Cloud- und KI-Rechenlasten effizienter verteilen lassen. Eine strategische Beteiligung aus Asien hob die Bewertung nun über die Milliardengrenze. Besonders gefragt ist das Angebot vor dem Hintergrund knapper Grafikprozessoren: Weniger Hardware soll mehr Rechenleistung ermöglichen.

Cybersecurity aus Belgien

Aus Belgien schafft es ein Anbieter von Software-Sicherheit in den Unicorn-Club. Das Unternehmen sammelte in einer großen Wachstumsrunde rund 60 Millionen Dollar ein und wird nun mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet. Die Plattform bündelt Sicherheitsprozesse über den gesamten Entwicklungszyklus von Software hinweg und wird nach eigenen Angaben bereits von zehntausenden Teams genutzt. Internationale Investoren führten die Runde an – ein Signal dafür, dass europäische Anbieter im Cybersecurity-Markt zunehmend global mithalten können.

Bildungstechnologie mit ukrainischen Wurzeln

Komplettiert wird die Liste von einer internationalen Lernplattform, die sich auf Sprachunterricht spezialisiert hat. Eine große Series-D-Finanzierung hebt die Bewertung auf rund 1,2 Milliarden Dollar. Das Unternehmen setzt zunehmend auf KI-gestützte Lernmodelle und beschäftigt trotz des Krieges weiterhin zahlreiche Mitarbeiter in der Ukraine.

Boom mit Fragezeichen

Fünf Unicorns in nur einem Monat klingen nach Aufbruchsstimmung – doch wie wir in den vergangenen Jahren nur zu oft gesehen haben sind Bewertungen vor allem Zukunftsversprechen. Nicht alle Unternehmen legen Umsätze oder Gewinne offen. Auffällig ist zudem die geografische Streuung: Neue Tech-Hubs entstehen jenseits der klassischen Zentren wie London oder Berlin. Das stärkt das europäische Ökosystem, macht Folgefinanzierungen aber komplexer, da lokale Kapitalmärkte kleiner sind.

Inhaltlich spiegelt der Boom vor allem die Sorgen der Gegenwart wider. Cybersecurity, Defense-Tech, Cloud-Effizienz und ESG-Software profitieren von geopolitischen Spannungen, Kostendruck und wachsender Regulierung. Ob aus den neuen Unicorns langfristig tragfähige Erfolgsgeschichten werden, hängt weniger von ihren Bewertungen ab – sondern davon, ob sie ihre Technologien auch international und unabhängig vom politischen Klima skalieren können.

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