Psychologie der Mitarbeiterbindung
Das Geburtstags-Paradoxon: Warum vergessene Glückwünsche die Produktivität halbieren

Unaufmerksamkeit seitens der Vorgesetzten ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein handfester Wirtschaftsfaktor. Eine aktuelle Studie belegt: Wenn Manager persönliche Jubiläen oder Geburtstage ignorieren, steigen die Fehlzeiten um bis zu 50 Prozent. Erfahren Sie, warum vermeintliche Kleinigkeiten über Erfolg oder Misserfolg ganzer Filialen entscheiden.

Vermehrte Krankenstände und Unzufriedenheit am Arbeitsplatz stehen mit Unaufmerksamkeiten seitens der Vorgesetzten in Zusammenhang. Zu dem Schluss kommt Peter Cappelli von der University of Pennsylvania, der gemeinsam mit Liat Eldor und Michal Hodor von der Universität Tel Aviv untersucht hat, was Arbeitnehmer demotiviert, sodass sie weniger und schlechter arbeiten als sie könnten.

Vermeintliche Kleinigkeiten

Es sind vermeintliche Kleinigkeiten, die Arbeitnehmer dazu bringen, zumindest zeitweise Dienst nach Vorschrift zu machen oder sich krankzumelden, obwohl sie ohne weiteres arbeiten könnten. Es reicht oft schon ein vergessener Glückwunsch des Vorgesetzten, wenn ein Mitglied seines Teams Geburtstag hat oder ein Dienstjubiläum feiert, so der wissenschaftliche Befund.

Laut der Untersuchung nehmen infolge solcher Versäumnisse Fehlzeiten um bis zu 50 Prozent zu. Derart gekränkte Mitarbeiter nehmen mehr bezahlte Krankheitstage, kommen öfter zu spät, machen längere Pausen und früher Feierabend. "Es gibt große und kleine Formen von Respektlosigkeit, aber sie alle hinterlassen Spuren", so Cappelli. Die Folgen kleinerer Respektlosigkeiten haben demnach größere Implikationen als bisher gedacht.

Arbeitnehmerlaune einfangen

Die Forscher haben als Beispiel eine Einzelhandelskette mit 252 Filialen ausgewählt, in der es üblich ist, dass Manager jedem Mitarbeiter an seinem Geburtstag persönlich eine Glückwunschkarte und ein kleines Geschenk überreichen. Geschieht das binnen fünf Tagen nach dem Geburtstag eines Mitarbeiters, bleibt dies in der Regel folgenlos. Kommt der Glückwunsch hingegen später oder bleibt aus, sind Produktivitätsverluste nachweisbar, sagen die Forscher.

Die Arbeitsmoral lässt sich allerdings wiederherstellen, wenn die Manager ihr Versäumnis später wiedergutmachten, heißt es. Das Unternehmen hat die Glückwunschpraxis eingeführt, um die Beziehung zwischen Mitarbeitern und Managern zu stärken. Den Erfolg überprüft es, indem es routinemäßig detaillierte Daten zur Leistung der Mitarbeiter erfasst, die es Capelli und seinem Team zur Verfügung stellte. Die Schwelle zur Unzufriedenheit sei niedrig und eine Klärung daher sehr wichtig.

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