Krieg im Golf
Straße von Hormus im Krieg: Iran droht jedes Schiff zu verbrennen

| Redaktion 
| 03.03.2026

Nach Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus droht ein Vertreter der iranischen Revolutionsgarden mit der Zerstörung weiterer Handelsschiffe. Reedereien stoppen Transite, Versicherer ziehen Deckungen zurück, der Ölpreis steigt zweistellig. Die Eskalation trifft einen der sensibelsten Engpässe des globalen Energiesystems – mit unmittelbaren Folgen für Industrie, Inflation und Lieferketten.

Die Straße von Hormus ist erneut zum geopolitischen Brennpunkt geworden. Wie die Tagesschau berichtet, wurden zwei Schiffe von Geschossen getroffen. Die britische Sicherheitsbehörde UK Maritime Trade Operations bestätigte Vorfälle, eines der Schiffe musste evakuiert werden.

Parallel erklärte ein Vertreter aus dem Umfeld der iranischen Revolutionsgarden laut ntv, man werde "jedes Schiff verbrennen", das die Meerenge passiere. Zudem sei die strategisch zentrale Wasserstraße faktisch geschlossen.

Einer der sensibelsten Energie-Engpässe der Welt

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer. Rund ein Fünftel der globalen Ölproduktion wird täglich über diese Route transportiert. Neben Rohöl passieren erhebliche LNG-Mengen sowie petrochemische Vorprodukte die Meerenge.

Wie die Tagesschau weiter berichtet, haben große Reedereien reagiert. Die Schweizer MSC wies ihre Schiffe an, sichere Häfen anzulaufen. Maersk kündigte an, die Passage vorerst nicht mehr zu nutzen. Satellitenbilder zeigen laut Berichten einen Rückstau von Tankern vor den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Zusätzlich verschärft sich die Lage am Versicherungsmarkt. Wie The Guardian berichtet, haben maritime Versicherer War-Risk-Deckungen für den Golfraum gestrichen oder die Prämien deutlich erhöht. Ohne entsprechende Absicherung sind Transite wirtschaftlich kaum darstellbar.

Die Straße von Hormus gilt seit Jahrzehnten als strategischer Hebel Irans im globalen Energiesystem. Bereits die Erwartung einer Störung führt zu erheblichen Preisbewegungen.

Ölpreis steigt zweistellig – 100 Dollar möglich

Die Eskalation zeigt unmittelbare Marktreaktionen. Laut Tagesschau stieg der Preis für Brent-Rohöl im außerbörslichen Handel um rund zehn Prozent auf etwa 80 US-Dollar je Barrel. Analysten von ICIS, RBC und Barclays halten einen Anstieg auf 100 US-Dollar oder mehr für möglich, sollte die Sperrung anhalten.

"Während die Militärschläge selbst die Ölpreise stützen, ist hier der entscheidende Faktor die Schließung der Straße von Hormus", zitierte die Tagesschau den ICIS-Analysten Ajay Parmar.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte im ARD-"Bericht aus Berlin", die unmittelbare Versorgung Deutschlands sei nicht gefährdet. Preissteigerungen schloss sie jedoch nicht aus.

Welche Branchen besonders exponiert sind

Eine länger anhaltende faktische Blockade würde nicht nur Energiepreise treiben, sondern industrielle Wertschöpfungsketten direkt treffen.

Chemie und Petrochemie:
Naphtha, Ethylen, Propylen und Methanol aus dem Golfraum sind Basisstoffe für Kunststoffe, Verpackungen, Dämmstoffe, Autoteile und Elektronikkomponenten. Preissteigerungen wirken unmittelbar entlang der gesamten Industrie.

Düngemittel und Agrarrohstoffe:
Golfstaaten zählen zu bedeutenden Produzenten von Ammoniak und Harnstoff. Störungen könnten mittelbar globale Lebensmittelpreise beeinflussen.

Stahl, Aluminium und Glas:
Diese Branchen sind stark energieabhängig. Steigende Gas- und Strompreise würden vor allem europäische Produzenten unter Druck setzen.

Luftfahrt und Logistik:
Kerosinpreise reagieren sensibel auf Rohölbewegungen. Fluggesellschaften und Frachtunternehmen müssten höhere Betriebskosten einkalkulieren.

Automobil- und Elektronikindustrie:
Neben Energie verteuern sich petrochemische Vorprodukte für Kunststoffkomponenten, Kabelisolierungen und Verpackungen.

Hinzu kommen sekundäre Effekte: steigende War-Risk-Prämien, längere Transitzeiten durch Umroutings sowie mögliche Containerengpässe durch gebundene Tonnage.

Für Unternehmen entscheidend sind derzeit:

  • Sicherheitsmeldungen der UKMTO
  • Reederei-Statements zu Transiten
  • Entwicklung der War-Risk-Prämien
  • Öl- und Gasterminkurven
  • LNG-Exportdaten aus Katar

Sollte die Eskalation anhalten, droht eine erneute Inflationswelle über Energie- und Transportkosten. Die Straße von Hormus bleibt damit nicht nur ein militärischer Brennpunkt, sondern ein systemischer Risikofaktor für das globale Wirtschaftssystem.

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