Lehrstück für den Handel
Wie Aldi Süd mit KI im Maschinenraum Millionen spart

| Natalie Oberhollenzer 
| 04.06.2026

Der Discounter hat sein Aktionswarengeschäft mit Künstlicher Intelligenz, mathematischen Modellen und Datenanalysen neu organisiert. Das Ergebnis: geringere Verluste, weniger Aufwand in den Filialen und Einsparungen in Millionenhöhe.

Wenn über Künstliche Intelligenz im Handel gesprochen wird, denken viele an Chatbots, personalisierte Werbung oder digitale Kassen. Der eigentliche Hebel liegt jedoch oft im Hintergrund – dort, wo Warenströme, Bestände und Preise gesteuert werden.

Ein Beispiel dafür liefert Aldi Süd. Der Discounter hat in den vergangenen Jahren ein datengetriebenes Programm entwickelt, das den gesamten Lebenszyklus von Aktionsartikeln optimieren soll. Hintergrund waren unter anderem die Lieferkettenprobleme während der Corona-Pandemie, verändertes Konsumverhalten und zunehmender Wettbewerbsdruck.

100 Aktionsartikel pro Woche

Die Herausforderung ist beträchtlich: Die Handelskette verkauft jede Woche zwischen 60 und 100 Aktionsartikel aus rund 50 Warengruppen – von Kleidung über Gartengeräte bis zu Computerzubehör. Viele dieser Produkte müssen bis zu zwölf Monate im Voraus bestellt werden. Nachbestellungen sind praktisch ausgeschlossen. Gleichzeitig sollen die Regale nicht überquellen und Restbestände möglichst vermieden werden.

Vor 2021 erfolgte die Steuerung laut den Autoren des Fachbeitrags weitgehend auf Basis von Erfahrungswerten und dezentralen Entscheidungen. Eine zentrale Datenbasis und moderne Steuerungssysteme fehlten weitgehend.

Algorithmen entscheiden über Bestellungen und Preisnachlässe

Das neue System kombiniert verschiedene Analyse- und Optimierungsverfahren.

Dazu gehören:

  • KI-Modelle zur Verteilung von Produkten auf einzelne Filialen
  • Optimierungsmodelle zur Berechnung von Bestellmengen
  • Algorithmen für Umlagerungen zwischen Märkten
  • Systeme zur Berechnung optimaler Preisreduzierungen
  • Prognosemodelle für den Abverkauf von Restbeständen

Zusätzlich wurde mit "Market Whispering" eine Smartphone-App eingeführt, über die rund 50.000 Mitarbeitende Vorschläge und Einschätzungen zu Produkten liefern können.

Millionenersparnis durch bessere Bestandssteuerung

Die Auswirkungen sind bemerkenswert.

Laut der im Fachjournal des US-amerikanischen Operations-Research-Verbandes INFORMS veröffentlichten Analyse reduzierte das Programm Abschriften, Preisnachlässe und Entsorgungsverluste deutlich. Die Autoren berichten von einer Verringerung entsprechender Verluste um 29 Prozent. Gleichzeitig sank der Arbeitsaufwand in den Filialen durch geringere Lagerbestände und weniger manuelle Bestandsarbeit.

Von den Veränderungen profitieren nach Unternehmensangaben rund 40.000 Filialmitarbeitende in Deutschland. Insgesamt habe das System jährliche Einsparungen in Höhe von mehreren Millionen Euro ermöglicht.

KI im Maschinenraum des Handels

Besonders interessant ist dabei, dass die eingesetzten Systeme weitgehend unsichtbar bleiben. Kund:innen bemerken weder die mathematischen Modelle noch die KI-Algorithmen.

Die Ergebnisse zeigen somit, wo einer der größten wirtschaftlichen Hebel für Künstliche Intelligenz liegt: nicht im direkten Kundenkontakt, sondern im Maschinenraum der Unternehmen. Infos zu Aldis Data & Analytics-Abteilung finden Sie hier.

 

 

Das Projekt in Zahlen

  • 60 bis 100 Aktionsartikel pro Woche
  • Rund 50 Produktkategorien
  • Bestellungen teilweise bis zu 12 Monate im Voraus
  • 50.000 Mitarbeitende in die Produktauswahl eingebunden
  • 40.000 Filialmitarbeitende profitieren von den Systemen
  • 29 % weniger Abschriften und Entsorgungsverluste
  • Einsparungen von mehreren Millionen Euro pro Jahr
  • Einführung der ersten Projektbausteine ab 2020
  • Veröffentlichung der Ergebnisse im INFORMS Journal on Applied Analytics 2025

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Das Projekt in Zahlen

  • 60 bis 100 Aktionsartikel pro Woche
  • Rund 50 Produktkategorien
  • Bestellungen teilweise bis zu 12 Monate im Voraus
  • 50.000 Mitarbeitende in die Produktauswahl eingebunden
  • 40.000 Filialmitarbeitende profitieren von den Systemen
  • 29 % weniger Abschriften und Entsorgungsverluste
  • Einsparungen von mehreren Millionen Euro pro Jahr
  • Einführung der ersten Projektbausteine ab 2020
  • Veröffentlichung der Ergebnisse im INFORMS Journal on Applied Analytics 2025

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