Pharmaboom trifft Patentauslauf
Milliardenmarkt für Abnehmspritzen vor Umbruch

Die Nachfrage nach Wegovy, Ozempic und Mounjaro hat weltweit einen Markt von gigantischem Ausmaß geschaffen – mit enormen Gewinnen für Novo Nordisk und Eli Lilly. Doch Chinas Hersteller greifen nun an, während Studien erste Hinweise auf Jo-Jo-Effekte liefern. Droht dem Milliarden-Hype ein Einbruch oder bleibt die Spritze das Geschäftsmodell der Zukunft?

Abnehmspritzen wie Wegovy und Mounjaro gelten als medizinischer Gamechanger – nicht nur für Patient:innen mit Adipositas, sondern auch für die Pharmaindustrie. Während die beiden Pharmariesen Novo Nordisk (Wegovy, Ozempic) und Eli Lilly (Mounjaro) bislang den Markt dominieren, zeichnet sich in China ein Umbruch ab. Patente laufen aus, Preise sinken, Nachahmer stehen bereit. Gleichzeitig warnen Mediziner vor möglichen Rückfällen – und Investoren stellen sich die Frage: War's das mit dem Hype?

Zwei Konzerne, ein Markt: Wer verdient am meisten?

Seit dem Verkaufsstart von "Ozempic" (2017) und "Wegovy" (2021) erlebt der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk ein beispielloses Wachstum. Beide Medikamente basieren auf dem Wirkstoff Semaglutid, ursprünglich zur Diabetesbehandlung entwickelt, später für die Gewichtsreduktion zugelassen. 2024 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 38,9 Milliarden Euro – mehr als doppelt so viel wie noch 2017.

Noch stärker war die Performance von Eli Lilly: Mit der Abnehmspritze Mounjaro, die den Wirkstoff Tirzepatid enthält, setzte der US-Konzern 2024 rund 43,4 Milliarden Euro um. Studien bescheinigen Tirzepatid eine noch effektivere Gewichtsreduktion als Semaglutid, was den Druck auf Novo Nordisk weiter erhöhte. Der Aktienkurs des dänischen Konzerns halbierte sich im Laufe des Jahres 2025 – eine Reaktion auf Studien, aber auch auf enttäuschende Wachstumsprognosen.

Milliardenmarkt mit Schattenseiten

Der Markt für Abnehmspritzen wird global auf einen Wert von über 100 Milliarden US-Dollar bis 2030 geschätzt. Allein in Deutschland sind 53,5 Prozent der Erwachsenen übergewichtig, 19 Prozent adipös – ein enormes Potenzial für Hersteller. Trotzdem ist der Zugang zur Therapie vielerorts begrenzt: Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nur in Ausnahmen. Bei wöchentlicher Anwendung kostet "Wegovy" derzeit bis zu 276 Euro, "Mounjaro" sogar bis zu 490 Euro pro Monat – bei identischer Wirkstoffdosierung wie bei "Ozempic", das günstiger ist und für Diabetes zugelassen wurde.

Laut ZDF unterscheidet sich der Preis pro Milligramm Wirkstoff erheblich: "Wegovy" ist trotz identischer Dosierung etwa 74 Prozent teurer als "Ozempic". Novo Nordisk begründet dies mit separaten Studien und Zulassungsverfahren – Experten verweisen jedoch auf mangelnden Preiswettbewerb.

Konkurrenz aus China: Nachbau vor Patentablauf

Wie die Kronen Zeitung berichtet, laufen die Patente für Semaglutid in China und anderen Märkten 2026 aus. Schon jetzt entwickeln mehrere chinesische Hersteller eigene Versionen des Wirkstoffs. Der Hintergrund: In China könnten laut Prognosen bis 2030 über 65 Prozent der rund 1,4 Milliarden Menschen übergewichtig oder adipös sein – ein gewaltiger Zukunftsmarkt.

Novo Nordisk reagiert mit einer globalen Preisstrategie: In Indien wurde der Preis für Wegovy im November 2025 bereits um bis zu 37 Prozent gesenkt. Ob ein ähnlicher Schritt auch in China folgt, ist offen – Angaben zur Preisstrategie vor Ort machte der Konzern bisher nicht. Klar ist: Die chinesische Konkurrenz steht bereit, der Preiskampf beginnt.

Bricht der Markt jetzt ein?

Der wirtschaftliche Erfolg der Abnehmspritzen ist unbestritten, doch medizinisch gibt es zunehmend kritische Stimmen. Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Verdauungsprobleme nehmen viele Patient:innen in Kauf – in jüngsten Studien wurde jedoch auch ein möglicher Jo-Jo-Effekt nach dem Absetzen untersucht. Die Ergebnisse: Nicht alle profitieren langfristig.

Zudem stellen sich ethische Fragen: Ist eine lebenslange Medikation der richtige Weg zur Gewichtsreduktion – oder nur ein Symptommanagement? Und was passiert, wenn der Boom kippt und die Preise fallen?

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