Arbeitsmoral
Homeoffice-Check 2026: Deutsche sind Musterschüler, Franzosen nehmen es locker

Wer arbeitet zu Hause wirklich – und wer macht nebenbei den Abwasch? Eine aktuelle Umfrage deckt drastische Unterschiede in der europäischen Homeoffice-Mentalität auf. Während jeder dritte Deutsche angibt, keine Sekunde privat zu nutzen, bekennen sich Franzosen und Italiener mutig zur Ablenkung. Ein Blick auf Daten, Disziplin und digitale Ehrlichkeit.

Die Diskussion um Homeoffice, Produktivität und Arbeitsmoral ist wieder in vollem Gange – auch als Reflex auf aktuelle politische Debatten über Arbeitszeiten in Deutschland. Eine neue, von Galaxus in Auftrag gegebene YouGov-Umfrage mit 5.125 Erwerbstätigen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien liefert nun überraschende Einblicke, wie Beschäftigte ihre Arbeitszeit im Homeoffice – oder „Telearbeit“ – selbst einschätzen.

In Deutschland geben 31 % der Befragten an, im Homeoffice ihren gesamten Arbeitstag ausschließlich für berufliche Aufgaben zu nutzen – mehr als in allen anderen befragten Ländern. Damit führt die Bundesrepublik, zumindest auf dem Papier.

Das Ergebnis wird vielfach als Hinweis auf eine vergleichsweise strikte Trennung von Arbeit und Privatleben interpretiert: Deutsche Arbeitnehmer berichten seltener, sich nebenbei Privatem zu widmen. Im französischen und italienischen Raum zeigen sich deutliche Gegensätze:

Ranking: Trennen Sie Arbeit Privates im Homeoffice?

1. Deutschland

Rund 31 % der Befragten geben an, im Homeoffice ausschließlich beruflichen Aufgaben nachzugehen. Private Tätigkeiten während der Arbeitszeit werden vergleichsweise selten eingeräumt. Deutschland führt damit den Ländervergleich an.

2. Österreich

Mit etwa 24 % liegt Österreich im oberen Mittelfeld. Die Mehrheit nutzt zwar gelegentlich Zeit für Privates, jedoch weniger ausgeprägt als in Süd- und Westeuropa.

3. Schweiz

Knapp 20 % der Beschäftigten berichten, im Homeoffice vollständig bei der Arbeit zu bleiben. Auffällig ist jedoch, dass viele Schweizer private Unterbrechungen als kurz und begrenzt einschätzen.

4. Italien

Nur rund 10 % geben an, den gesamten Arbeitstag ohne private Tätigkeiten zu verbringen. Arbeit und Alltag gehen hier deutlich häufiger ineinander über.

5. Frankreich

Ebenfalls etwa 10 % ohne private Ablenkung – gleichzeitig der höchste Anteil an Befragten, die mehr als eine Stunde pro Tag für private Zwecke im Homeoffice nutzen. Frankreich bildet damit das Schlusslicht des Rankings.

Damit stehen die deutschsprachigen Länder deutlich über Italien und Frankreich – letzeres fällt vor allem durch relativ hohe private Zeitanteile im Homeoffice auf.

Mehr als nur ein "Ehrlichkeits-Index"

Die Umfrage fragt jedoch nicht objektiv gemessene Produktivität, sondern Selbsteinschätzungen über den Anteil privater Aktivitäten während der Arbeitszeit. Das bedeutet: Die Daten spiegeln eher Wahrnehmung, Einstellung und kulturelle Normen als Messwerte über tatsächliche Leistung. So geben in Frankreich viele Beschäftigte an, mehr als eine Stunde pro Tag privat zu nutzen – bei deutschen Beschäftigten sind es nur rund 18 % entsprechend hoher privater Zeitanteile.

Ein bemerkenswerter Effekt der Umfrage: Jüngere Beschäftigte (unter 30 Jahren) berichten häufiger, sich mehr als eine Stunde pro Tag privaten Aktivitäten im Homeoffice zu widmen – rund 38 % in dieser Altersgruppe. Bei älteren Beschäftigten sinkt dieser Anteil deutlich.

Diese Alters-Spaltung deckt sich mit anderen internationalen Befunden: Jüngere Arbeitnehmer legen tendenziell mehr Wert auf flexible Arbeitsmodelle und eine stärkere Vermischung von Arbeit und Freizeit, während ältere Generationen eher traditionelle Arbeitsweisen bevorzugen.

Homeoffice in Europa: Der Norden ist weiter

Ein Blick über die Umfrage hinaus zeigt: Die Verbreitung von Homeoffice variiert stark in Europa. Laut statistischen Erhebungen arbeiten z. B. in vielen nordeuropäischen Ländern deutlich mehr Beschäftigte regelmäßig von zu Hause als in Südeuropa. In Finnland, Luxemburg oder Irland lag der Anteil der Homeoffice-Arbeit vor der Pandemie erheblich höher als in Italien oder Spanien.

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