Bürokratie im Unternehmertum
Carsten Maschmeyer: "Verwaltung muss durch KI ersetzt werden, und zwar quasi komplett"

| Redaktion 
| 26.01.2026

Nicht nur in "Die Höhle der Löwen" bringt Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer seine Ansicht meist klar auf den Punkt: In einem aktuellen Zeitungsinterview spricht er sich zugunsten des deutschen Wirtschaftsstandorts dafür aus, dass der hiesige Verwaltungsapparat umfangreich modernisiert – und dadurch massiv verschlankt – wird.

Vergangenen Frühling gingen die Wirtschaftsweisen davon aus, dass sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2025 auf genau 0,0 Prozent belaufen würde.

Ein bisschen besser kam es letztlich doch: Mitte Januar vermeldete das Statistische Bundesamt (Destatis), dass der Anstieg der Wirtschaftsleistung in Deutschland immerhin 0,3 Prozent beträgt, kalenderbereinigt.

"Nach zwei Rezessionsjahren ist die deutsche Wirtschaft wieder leicht gewachsen. Das Wachstum ist vor allem auf die gestiegenen Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates zurückzuführen", erklärte Destatis-Präsidentin Ruth Brand dazu. Darüber hinaus hat der Internationale Währungsfonds für 2026 ein deutsches Wachstum von 1,1 prognostiziert.

Remis beim Tabellenletzten

Carsten Maschmeyer (hier im Leadersnet-Interview) stimmen diese Zahlen dennoch nicht übermäßig optimistisch: "Wenn der Tabellenletzte mal unentschieden spielt, ist das kein Gamechanger", sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung jüngst und bezog sich damit darauf, dass sich die BRD "in nahezu allen Rankings auf dem letzten Platz" befinde.

"Wenn wir dieses Jahr 0,8 oder 1,2 Prozent Wirtschaftswachstum erreichen, liegt das nur am schuldenfinanzierten Sondervermögen", ist der TV-erprobte Investor überzeugt. "Wenn 500 Milliarden Euro in den Markt geworfen werden, hat das natürlich einen Effekt."

Maschmeyer befürchtet allerdings, dass auch dieser Vorteil unter der Last von Bürokratie und Regularien verpufft. Er rechnet damit, dass "wir dieses Jahr so viele Insolvenzen haben wie seit zehn Jahren nicht" und kennt eigener Angabe nach teils führende Unternehmer, die mit einer Auswanderung liebäugeln.

Carsten Maschmeyer mit Ehefrau Veronica Ferres bei der letztjährigen Romy-Verleihung (Bild: Brauer Photos / G. Nitschke)
Carsten Maschmeyer mit Ehefrau Veronica Ferres bei der letztjährigen Romy-Verleihung (Bild: Brauer Photos / G. Nitschke)

Gerade im Verwaltungsapparat sieht der "Die Höhle der Löwen"-Star enormen Raum zur Effizienzsteigerung. Vorstöße aus der Politik, dass ein Antrag nach drei Monaten der Nichtbearbeitung automatisch als bewilligt gilt, gehen Maschmeyer dabei längst nicht weit genug.

"Das kann alles ein Computer machen"

"Ein Antrag sollte schon nach drei Wochen Untätigkeit als genehmigt gelten", bekräftigt er der NOZ gegenüber. "Noch wichtiger ist aber: Die deutsche Verwaltung muss durch KI ersetzt werden, und zwar quasi komplett. Dann hätten wir eine Entscheidung binnen Sekunden."

Verwaltung drehe sich vor allem um das Einhalten von Vorschriften, wozu menschliches Zutun nur noch in Sonderfällen wirklich erforderlich sei. Dabei geht es dem Finanzunternehmer nicht vorrangig um "weniger Mitarbeiter in den Behörden und langfristig weniger Pensionslasten", sondern bloße Schnelligkeit.

"Es ist nicht sehr kreativ, zu überprüfen, ob bei einem Antrag auf einen neuen Personalausweis alle Kästchen richtig angekreuzt sind", gibt Maschmeyer zu bedenken. "Genehmigungen, Förderanträge, Verwaltungsakte: Das kann alles ein Computer machen."

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