Energiekrise Debatte
Spritpreise 2026: Brauchen wir einen neuen Tankrabatt? ADAC und DIW im Schlagabtausch

Der Frust an der Zapfsäule steigt, die Benzin- und Dieselpreise schießen in die Höhe. Während der ADAC für eine Senkung der Energiesteuer plädiert, bezeichnen Ökonomen einen neuen Tankrabatt als "teuren Fehler". Die aktuelle Debatte ist festgefahren. Dabei könnten wir aus der Energiekrise von 2022 lernen.

Die Spritpreise in Deutschland haben sich zuletzt spürbar verteuert. Nach Angaben des ADAC kostete ein Liter Super E10 Anfang März im bundesweiten Mittel zunächst 1,897 Euro, Diesel 1,917 Euro. Wenige Tage später meldete der Mobilitätsclub bereits weitere Aufschläge: Für Sonntag, den 8. März, lag der Tagesdurchschnitt bei 1,984 Euro für E10 und 2,117 Euro für Diesel. Als Hauptgrund nennt der ADAC die Eskalation im Nahen Osten, die Blockade der Straße von Hormus und den dadurch deutlich gestiegenen Ölpreis.

Zugleich kritisiert der ADAC die Preisbildung der Mineralölwirtschaft. Dort heißt es, der Anstieg des Rohölpreises werde praktisch ohne Verzögerung an die Verbraucher weitergereicht, obwohl ein Teil der Tanklager noch mit günstiger eingekauftem Kraftstoff gefüllt sei. Aus Sicht des Clubs ist der Preissprung an den Zapfsäulen deshalb zumindest teilweise nicht verhältnismäßig. Der ADAC drängt zudem darauf, eine befristete Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe zu prüfen; als mögliche Entlastung nennt der Club rund 15 Cent je Liter.

Die Argumente des DIW

In der wirtschaftswissenschaftlichen Debatte stößt ein neuer Tankrabatt dennoch auf erhebliche Skepsis. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung bezeichnete einen solchen Schritt am 5. März als "teuren Fehler" und als falsche Priorität. Statt Sprit pauschal zu verbilligen, sollten aus Sicht des DIW gezieltere Hilfen für besonders belastete Haushalte im Mittelpunkt stehen.

Der Einwand dahinter ist grundsätzlicher Natur: Hohe Energiepreise sind schmerzhaft, senden aus Sicht vieler Ökonomen aber auch ein Knappheitssignal. Wird dieses Signal durch staatliche Zuschüsse abgeschwächt, sinkt der Anreiz, sparsamer mit fossilen Energieträgern umzugehen. Zugleich würde eine breit angelegte Entlastung den Staatshaushalt belasten, ohne sicherzustellen, dass die Maßnahme vollständig bei den Autofahrerinnen und Autofahrern ankommt. Diese grundsätzliche Kritik zieht sich durch die aktuelle Debatte.

Ob die Entlastung bei den Kunden landet?

Hinzu kommt die Sorge, dass frühere Erfahrungen sich wiederholen könnten. Schon beim Tankrabatt in der Energiekrise 2022 wurde kontrovers diskutiert, ob die Steuerentlastung vollständig an die Konsumenten weitergegeben wurde. Genau deshalb richtet sich der Blick nun stärker auf zielgenaue Hilfen und auf eine schärfere Beobachtung des Kraftstoffmarkts als auf eine pauschale Entlastung an der Zapfsäule.

Unter dem Strich zeigt sich damit ein doppeltes Spannungsfeld: Einerseits wächst mit jedem weiteren Preissprung der politische Druck, rasch zu handeln. Andererseits mehren sich die Warnungen, dass ein neuer Tankrabatt zwar populär wäre, ökonomisch aber teuer und klimapolitisch widersprüchlich ausfallen könnte.

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