Sparkurs beim Autogiganten
Alles auf dem Prüfstand: Volkswagen will Kosten bis 2028 um ein Fünftel drücken

Volkswagen stellt sich auf einen der radikalsten Umbauten seiner jüngeren Geschichte ein. Konzernchef Oliver Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz wollen die Ausgaben des Unternehmens bis Ende 2028 konzernweit um ein Fünftel drücken. Intern ist von einem umfassenden Sanierungsprogramm die Rede. Selbst Werksschließungen gelten offenbar nicht mehr als Tabu.

Hintergrund ist die angespannte Lage in wichtigen Märkten. In China schwächelt das Geschäft, geopolitische Risiken und handelspolitische Unsicherheiten – insbesondere mit Blick auf die USA – belasten zusätzlich. Gleichzeitig verschlingt die parallele Entwicklung von Verbrennern und Elektrofahrzeugen Milliarden, ebenso wie der Aufbau eigener Softwarekompetenz, wie das manager magazin berichtet.

Milliardenschulden und Rating-Druck: Warum VW jetzt handeln muss

Nach internen Beratungen soll die Konzernführung deutlich gemacht haben: Ohne tiefgreifende Einschnitte lasse sich die Profitabilität nicht auf ein dauerhaft tragfähiges Niveau heben. Die Gewinnschwelle müsse sinken – über alle Marken und Kostenarten hinweg.

Ein Minus von 20 Prozent entspräche bei Volkswagen einer Größenordnung von mehreren Dutzend Milliarden Euro. Wo genau angesetzt wird, ist offiziell offen. Klar ist jedoch: Materialkosten, Entwicklungsausgaben, Vertrieb und Verwaltung stehen gleichermaßen auf dem Prüfstand.

Ratingdruck und Milliarden-Schulden

Besonders groß ist der Druck auf Finanzchef Antlitz. Der Konzern trägt einen Schuldenberg von rund 260 Milliarden Euro. Ratingagenturen hatten zuletzt gewarnt, die Bonitätsnote könne unter Druck geraten, sollte sich der Cashflow nicht verbessern. Die Agentur Standard & Poor’s stellte den Ausblick zwischenzeitlich auf negativ.

Im Herbst musste das Management die Prognose für den Netto-Cashflow auf null senken – ein Alarmsignal. Erst im Januar präsentierte Antlitz überraschend zusätzliche Liquidität in Milliardenhöhe, unter anderem durch Maßnahmen wie den Verkauf von Forderungen. Intern wie öffentlich löste das Diskussionen aus.

In dieser Gemengelage fällt in Konzernkreisen ein Satz, der die Stimmung zusammenfasst: "Es brennt", soll ein Insider dem manager magazin zufolge gesagt haben. Gemeint ist der Eindruck, dass Volkswagen schnell sichtbare Fortschritte liefern muss – sonst drohen teurere Refinanzierung und weiterer Vertrauensverlust an den Finanzmärkten.

Kritiker monierten zudem, der finanzielle Kraftakt habe zugleich variable Vergütungsbestandteile des Managements gesichert. Betriebsratschefin Daniela Cavallo forderte daraufhin eine Prämie auch für die Belegschaft.

Sanierungsprogramm 2028: Materialkosten und Personal im Fokus

Das nun geplante Sparprogramm soll offenbar weit über bereits laufende Maßnahmen hinausgehen. Bei der Kernmarke VW war zuletzt der Abbau von zehntausenden Stellen bis zum Ende des Jahrzehnts vereinbart worden. Doch im Konzernumfeld heißt es, es könnten deutlich härtere Schritte nötig sein.

Auch die Investitionen stehen erneut zur Debatte. Für die kommenden fünf Jahre waren bislang rund 160 Milliarden Euro vorgesehen – ein Betrag, den Teile der Konzernspitze inzwischen für zu hoch halten. Ziel ist es, die Kapitalbindung zu senken und die Finanzkraft zu stabilisieren.

Politisch sensible Phase

Brisant ist der Zeitpunkt: Bei Volkswagen und der Tochter Audi stehen Betriebsratswahlen an. Viele im Unternehmen rechnen deshalb kurzfristig nicht mit öffentlichen Ankündigungen. Doch hinter den Kulissen dürfte bereits an Szenarien gearbeitet werden.

Für Blume ist es nicht das erste große Effizienzprogramm. Schon in den vergangenen Jahren hatte der Konzern Milliarden eingespart, um die operative Marge zu stützen. Dennoch blieb die Profitabilität hinter früheren Ansprüchen zurück.

Nun scheint die Botschaft klar: Der größte europäische Autobauer bereitet sich auf eine längere Phase wirtschaftlicher Unsicherheit vor – und setzt dabei auf einen harten Sparkurs. Wie tief die Einschnitte tatsächlich gehen werden, dürfte sich spätestens nach den internen Abstimmungen im Laufe des Jahres zeigen.

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