Berlinale ist eröffnet
Michelle Yeoh nimmt Goldenen Ehrenbär entgegen

| Redaktion 
| 12.02.2026

Anerkennende Worte, stehende Ovationen und eine emotionale Rede: Wie vorab angekündigt wurde Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Michelle Yeoh ("Everything Everywhere all at once") der Goldene Ehrenbär der 76. Berlinale überreicht. Diesen verstehe die 63-jährige weniger als Zielgerade, sondern als Einladung, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Wie vorab berichtet sind die Internationalen Filmfestspiele Berlin am Donnerstag in ihre 76. Ausgabe gestartet. Nach Pressekonferenzen und Photocalls am Vormittag stand am Abend endlich die feierliche Gala auf dem Programm, die die internationalen Kinoschaffenden über den Roten Teppich in den Berlinale Palast geführt hat.

Zur Moderation trat Schauspielerin Désirée Nosbusch auf die Bühne, die die Vielseitigkeit des Films lobte und einige Gäste auf den Rängen – unter anderem Eröffnungsfilm-Regisseurin Shahrbanoo Sadat, Jurypräsident Wim Wenders, Kultur- und Medienminister Wolfgang Weimer oder Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner – gesondert begrüßte.

Über 140 Nationen auf der Berlinale

Intendantin Tricia Tuttle präsentierte ihre rudimentär verbesserten Deutschkenntnisse und freute sich, dass über 140 verschiedene Nationen auf ihrer zweiten Berlinale vertreten sind. Obwohl es infrastrukturelle Probleme in der Filmindustrie zu lösen gebe, sei sie von deren Resilienz begeistert und motiviert, was das Programm der Filmfestspiele unterstreichen soll.

Hier kann die gesamte Gala nachverfolgt werden:

Prestigeträchtiger Höhepunkt der Eröffnungszeremonie war die Verleihung des Goldenen Ehrenbären an Michelle Yeoh. In einem Einspieler konnten Gäste die Karriere der 63-jährigen Schauspielerin nachvollziehen, die in den 1980ern mit asiatischen Actionfilmen begann und sie über die Rolle im Bond-Streifen "Der Morgen stirbt nie" schließlich in den Westen führte.

Bisheriger Höhepunkt dieser Entwicklung: Für ihre Leistung in "Everything Everywhere all at once" wurde sie vor drei Jahren mit dem Oscar als Beste Darstellerin ausgezeichnet.

"Michelle hat neu definiert, wie ein Actionheld aussieht"

In seiner Laudatio würdigte Regisseur und Oscar-Gewinner Sean Baker ("Anora"), dass sich die Ehrenpreisträgerin nicht in eine bestimmte Schublade stecken lasse und für spürbare Veränderung sorgt, sobald sie die Leinwand betritt.

Er erinnerte sich, wie er Yeoh erstmals auf einer mutmaßlich raubkopierten "Dynamite Fighters"-VHS gesehen und erkannt hat, dass sie furchtlos und schlicht anders sei.

"Michelle hat neu definiert, wie ein Actionheld agiert, aussieht und sich anfühlt", lobte Sean Baker am Donnerstagabend in Berlin. "Sie hat nicht nur mit den Kerlen mitgehalten, sondern die Regeln umgeschrieben."

Das Berlinale-Publikum erhebt sich für Michelle Yeoh (Bild: Screenshot / youtube.com/@berlinale)
Das Berlinale-Publikum erhebt sich für Michelle Yeoh (Bild: Screenshot / youtube.com/@berlinale)

"Ich fühle enorme Dankbarkeit und leise Verwunderung. 'Lifetime Achievement' ist eine gewichtige Formulierung, die wie ein Abschluss klingt. Ich nehme sie jedoch lieber als Pause wahr – ein Moment zum Atmen, um zurückzublicken und anschließend weiter voranzugehen", so Michelle Yeoh mit dem fest umklammerten Goldenen Ehrenbär in den Händen.

"Berlin stand schon immer für mutiges Kino und Storytelling, das sich traut, die schwierigen Fragen zu stellen und dem Publikum mit den Antworten darauf vertraut. Dieses Festival bedeutet mir mehr, als ich ausdrücken kann: Als ich noch gesucht habe, wo ich hingehöre, wurde ich in Berlin willkommen geheißen. Das hat vermittelt, dass es einen Platz für Stimmen vom Rand gibt, die sich nicht benehmen wollen; für Künstler, die noch dabei sind, sie selbst zu werden."

"Nie hätte ich gedacht, dass ich mithilfe von Geschichten so weit reisen würde"

Yeoh weiter: "Ich freue mich zu sagen, dass ich immer noch dabei bin, ich selbst zu werden. Inzwischen vielleicht ein bisschen langsamer, aber genauso stur. Nie hätte ich gedacht, dass ein Mädchen aus Malaysien, das Disziplin, Tanzen und Träume ohne Limits mochte, mithilfe von Geschichten so weit reisen würde. Mein Pfad hat Sprachen, Kulturen, Kontinente und Genres gekreuzt – manchmal glanzvoll, manchmal schmerzhaft, aber immer von einer Neugier und einem tiefen Glauben ins Kino geleitet."

Michelle Yeoh auf der Bühne (Bild: Screenshot / youtube.com/@berlinale)
Michelle Yeoh auf der Bühne (Bild: Screenshot / youtube.com/@berlinale)

Die 63-jährige dankte allen Regisseuren und künstlerischen Wegbegleitern ihrer Karriere und rief in Erinnerung, dass selbst der intimste Moment auf der Leinwand meist nur durch viele Helfer realisiert werden kann, weshalb dieser Preis auch diese mittrage.

"In einer Welt, die uns so einfach auseinander treibt, fühlt es sich irgendwie radikal an, eine Geschichte miteinander zu teilen. Wir sitzen Seite bei Seite, lachen, weinen und erinnern uns daran, was es heißt, menschlich zu sein. Für ein paar Stunden öffnen sich unsere Herzen ein bisschen – und das hat Bedeutung."

"Ich akzeptiere diese Ehre nicht als Zielgerade, sondern als Einladung, weiter zuzuhören, mich weiterzuentwickeln und diesen geteilten Platz zu schützen, an dem Geschichten uns verbinden", kam Yeoh zum Ende, das sie mit einer persönlichen Note garnierte.

"Ein Teil von mir ist immer noch das junge Mädchen, das seine Eltern einfach nur stolz machen möchte. Ich denke nun an sie und das stille Vertrauen, das sie immer in mich gelegt haben, wenn ich selbst an mir gezweifelt habe. Mein Vater ist nicht mehr hier, aber ich trage seine Überzeugung in mir: If something is worth doing, it is worth doing well."

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