Nach über einem Jahrzehnt unter Phil Spencer erlebt Microsoft Gaming einen grundlegenden Führungswechsel: Mit der Ernennung von Asha Sharma zur Executive Vice President und CEO der Sparte steigt die Managerin, bisher beim Mutterkonzern für KI-Produkte verantwortlich, quasi über Nacht zur wohl mächtigsten Frau der Gaming-Branche auf.
Vom Praktikanten zum Gesicht von Xbox: Nachdem er sich 1988 erstmals auf unterster Ebene in den Dienst von Microsoft stellte, fungierte Phil Spencer zuletzt über ein Jahrzehnt als Executive Vice President und CEO von Microsoft Gaming. In dieser Rolle verantwortete er die komplette Gaming-Sparte des US-Konzerns – von Hardware über Plattformen und Services bis hin zu den weltweit verteilten Studios.
Damit steht Spencer wie kein anderer für den strategischen Umbau der Xbox-Marke: Unter seiner Führung löste sich Microsoft zunehmend von einem rein konsolenzentrierten Denken und positionierte Gaming als plattformübergreifendes Ökosystem aus Konsole, PC, Cloud und Mobile.
Game Pass, Cloud Gaming und die Öffnung hin zu anderen Plattformen tragen klar seine Handschrift. Auch die großen Akquisitionen der letzten Jahre – von Mojang über ZeniMax / Bethesda bis Activision Blizzard – fallen in seine Amtszeit und haben Microsoft zu einem der größten Spielepublisher der Welt geformt.
Schattenseiten der Spencer-Ära
Natürlich ist auch Spencers Bilanz nicht makellos: Trotz wachsender Reichweite und wirtschaftlicher Schlagkraft bleibt der klassische Konsolenerfolg von Microsoft in der aktuellen Konsolengeneration überschaubar. Im Dreikampf mit den japanischen Konkurrenten Sony und Nintendo liegt der US-Konzern seit Jahren deutlich auf dem letzten Rang.
Exklusive System-Seller blieben rar, langjährig entwickelte Spiele wurden abgesagt oder enttäuschten und Microsofts offene Multiplattform-Strategie wurde von Kritikern als schleichende Entwertung der eigenen Hardware interpretiert – auch, wenn sich die Portierung von Titeln wie "Sea of Thieves" oder "Forza Horizon 5" auf die Playstation wortwörtlich bezahlt gemacht hat.
Phil Spencer galt über ein Jahrzehnt als Kopf und Gesicht der Gaming-Sparte (Bild: Microsoft)
Nun wird das Ende einer Ära bei Microsoft eingeläutet. "Letztes Jahr hat Phil Spencer beschlossen, sich aus dem Unternehmen zurückzuziehen, und seitdem haben wir über die Nachfolgeplanung gesprochen", offenbarte Microsoft-CEO Satya Nadella in einem am Freitag veröffentlichten Statement.
"Ich bewundere Phils unerschütterliches Engagement für Spieler, Entwickler und sein Team seit langer Zeit und bin persönlich dankbar für seine Führungsqualitäten und seinen Rat", so Nadella weiter.
Phil Spencer selbst bestätigt: "Im vergangenen Herbst habe ich Satya mitgeteilt, dass ich darüber nachdenke, mich zurückzuziehen und einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Von diesem Moment an waren wir uns einig, diesen Übergang bewusst anzugehen, Stabilität zu gewährleisten und das Fundament, das wir aufgebaut haben, zu stärken."
"Xbox war schon immer mehr als nur ein Geschäft", unterstreicht Spencer. "Es ist eine lebendige Gemeinschaft von Spielern, Entwicklern und Teams, denen das, was wir entwickeln und wie wir es entwickeln, sehr am Herzen liegt. Und sie verdient einen durchdachten, wohlüberlegten Plan für die Zukunft."
Auch Sarah Bond verlässt Microsoft
Branchenkenner haben mitunter gemutmaßt, dass Sarah Bond als Nachfolgerin von Phil Spencer in den Startlöchern stehen könnte, schließlich hatte sie als bisherige Präsidentin von Xbox maßgeblichen Anteil an der Plattform- und Geschäftsstrategie.
Allerdings wird dieses Szenario nicht eintreten: "Im Rahmen des Übergangs hat Sarah Bond beschlossen, Microsoft zu verlassen, um ein neues Kapitel aufzuschlagen", verrät Phil Spencer.
From here, I’ll keep doing what’s always mattered so much to me: cheering on the teams pushing this industry forward and playing alongside this incredible community. I'll see you online. pic.twitter.com/W8EjIi01ML
"Sarah hat in einer für Xbox entscheidenden Phase maßgeblich dazu beigetragen, unsere Plattformstrategie zu gestalten, Game Pass und Cloud-Gaming auszubauen, die Einführung neuer Hardware zu unterstützen und einige der bedeutendsten Momente in unserer Geschichte zu begleiten. Ich bin dankbar für ihre Zusammenarbeit und ihren Einfluss und wünsche ihr alles Gute für ihre Zukunft", ergänzt der scheidende Gaming-CEO.
Asha Sharma übernimmt: Mit KI-Expertise an die Spitze
Stattdessen hat Santya Nadella mitgeteilt, dass Asha Sharma die Position der Executive Vice President und CEO von Microsoft Gaming übernehmen und ihm direkt unterstellt sein wird. In den letzten zwei Jahren war Sharma beim Konzern bereits als President Core AI Product tätig.
Dabei verantwortete sie zentrale Produktlinien rund um Microsofts KI-Modelle, -Plattformen und -Anwendungen und arbeitete an der Skalierung von Systemen, die auf Milliarden Nutzer und Entwickler ausgelegt sind.
Ihre Perspektive ist damit weniger von Studiozyklen, Konsolengenerationen oder Publishing-Logiken geprägt als von Plattformbetrieb, datengetriebenen Geschäftsmodellen und dem strategischen Einsatz künstlicher Intelligenz.
Microsoft-CEO Satya Nadella (Bild: Brauer Photos)
Nadella fügt hinzu: "Sie bringt umfassende Erfahrung im Aufbau und Wachstum von Plattformen, in der Ausrichtung von Geschäftsmodellen auf langfristigen Wert und im globalen Betrieb mit, was für die Führung unseres Gaming-Geschäfts in die nächste Wachstumsphase von entscheidender Bedeutung sein wird."
Neue Chefin zwischen "Demut und Dringlichkeit"
In ihrem Antrittsstatement beschreibt Asha Sharma ihre Gefühlslage: "Ich empfinde zwei Dinge zugleich: Demut und Dringlichkeit. Demut, weil dieses Team über Jahrzehnte etwas Außergewöhnliches aufgebaut hat. Dringlichkeit, weil sich Gaming in einer Phase rapider Veränderung befindet und wir mit Klarheit und Überzeugung handeln müssen."
Die neue Chefin positioniert sich insgesamt sowohl als Bewahrerin als auch als Erneuerin. Sie dankt ihrem Vorgänger Phil Spencer und betont, dass ihre erste Aufgabe darin bestehe, "zu verstehen, was diese Arbeit ausmacht, und es zu schützen". Dazu formuliert sie drei zentrale Verpflichtungen, die den strategischen Kurs der kommenden Jahre abstecken sollen:
Great Games – Großartige Spiele
"Alles beginnt hier. Wir müssen großartige Spiele haben, die von Spielern geliebt werden, bevor wir irgendetwas anderes tun", so Sharma. Unvergessliche Charaktere, berührende Geschichten, innovatives Gameplay und kreative Exzellenz stünden im Mittelpunkt.
Sie verspricht, die Studios zu stärken, in ikonische Franchises zu investieren, mutige neue Ideen zu fördern und Risiken einzugehen – auch in neuen Kategorien und Märkten; "wenn wir dort echten Wert stiften können, geerdet in dem, was Spieler am meisten interessiert".
Als personelle Untermauerung dieser Priorität wurde Matt Booty zum Chief Content Officer befördert. Der bisherige Head of Xbox verantwortet damit künftig konzernweit Studios und Inhalte – von Xbox über Bethesda bis Activision Blizzard und King.
Als erstes großes Xbox-Exclusive unter neuer Führung erscheint das Rennspiel "Forza Horizon 6" im kommenden Mai
Die Entscheidung bündelt kreative Verantwortung an einer Stelle und entlastet die CEO-Rolle von operativen Studiofragen. Gleichzeitig sendet sie ein Signal an Entwickler und Partner: Trotz Führungswechsel bleibt die inhaltliche Linie stabil; personell wie strategisch.
The Return of Xbox – Rückbesinnung auf die Wurzeln
Sharma unterstreicht eine Verpflichtung gegenüber den langjährigen Xbox-Fans und den Entwicklern weltumspannender Universen. Die Konsole bleibe essenziell: "Wir feiern unsere Wurzeln mit einem erneuerten Bekenntnis zur Xbox, beginnend mit der Konsole, die uns geformt hat."
Gleichzeitig betont sie die Multi-Device-Zukunft: Gaming finde heute über Gerätegrenzen hinweg statt. Xbox solle nahtlos, sofort verfügbar und den Communities würdig sein. Ziel sei, Barrieren abzubauen, damit Entwickler "einmal bauen und Gamer überall ohne Kompromisse erreichen" können.
Future of Play– Die Neuerfindung des Spielens
Basierend auf den vorhandenen Ikonen, Teams, Charakteren und Welten wolle Microsoft neue Geschäftsmodelle und Spielformen entwickeln. Wichtig sei jedoch: "Wir werden diese Welten nicht als statische IP behandeln, die man nur melken und monetarisieren kann."
Stattdessen will sie auf eine geteilte Plattform und Tools setzen, die Entwickler und Spieler ermächtigen, eigene Geschichten zu erschaffen und zu teilen. Besonders auffällig – und in Zeiten der hitzigen KI-Debatte sicher willkommen – ist ihre klare Absage an billige Automatisierung:
"Wenn sich Monetarisierung und KI weiterentwickeln und diese Zukunft beeinflussen, werden wir weder kurzfristiger Effizienz hinterherjagen noch unser Ökosystem mit seelenlosem KI-Slop überschwemmen. Spiele sind und bleiben Kunst, von Menschen geschaffen, und entstehen mit der innovativsten Technologie, die wir bereitstellen."
Sharma beschwört den "Renegade Spirit"
Sharma schließt mit einem Appell an den alten "Renegade Spirit", der Xbox einst groß gemacht habe. Man müsse alles hinterfragen, Prozesse überprüfen, Bewährtes schützen und mutig ändern, was nicht mehr funktioniere. Die nächsten 25 Jahre gehörten jenen Teams, "die es wagen, etwas Überraschendes zu bauen; etwas, das sonst niemand versucht, und die Geduld haben, es durchzuziehen".
Der Ton von Asha Sharmas Debüt-Memo klingt unmissverständlich: Qualität vor Quantität, Mensch vor Algorithmus, Mut vor Mittelmaß. Erste Reaktionen der Netzwelt sind dennoch breitgefächert und reichen von vorsichtiger Zustimmung bis zur offenen Skepsis gegenüber ihrem bisherigen KI-Fokus oder dem Fehlen einer klassischen Gaming-Vita.
Ob die frische Führungskraft ihren ambitionierten Mix aus Bewahrung, Konsolen-Renaissance und (vom Menschen kontrollierter) Innovation tatsächlich umsetzen kann, werden Gamer und Branchenvertreter in den kommenden Jahren entsprechend gespannt beobachten.
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