Hausärzteverband zieht kritische Zwischenbilanz
Elektronische Patientenakte wird von den meisten Patienten nicht genutzt

| Redaktion 
| 18.02.2026

Die elektronische Patientenakte ist für rund 70 Millionen Versicherte angelegt – doch genutzt wird sie kaum. Der Deutsche Hausärztinnen- und Hausärzteverband zieht eine kritische Zwischenbilanz und nennt Hürden bei Registrierung, Technik und Patienteninformation. Damit gerät ein zentrales Digitalprojekt des Gesundheitswesens unter Druck.

Rund 70 Millionen elektronische Patientenakten sind nach Angaben der Krankenkassen angelegt. Dennoch greifen offenbar nur sehr wenige Versicherte aktiv darauf zu. Wie der Deutschlandfunk berichtet, erklärte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Markus Beier, die "allerwenigsten Patienten“ hätten sich ihre ePA bislang angesehen.

Die Diskrepanz zwischen hoher Verbreitung und geringer Nutzung steht damit im Zentrum der aktuellen Kritik.

Komplizierte Registrierung bremst Nutzung

Als Hauptursache nennt der Verband einen "absurd komplizierten Registrierungsprozess“. Selbst digital affine Menschen würden irgendwann frustriert aufgeben. Zudem wüssten viele Versicherte gar nicht, dass sie eine elektronische Patientenakte besitzen.

Seit Oktober sind Praxen und Kliniken verpflichtet, wichtige medizinische Daten wie Befunde oder Laborwerte in die ePA einzustellen. Die verpflichtende Befüllung sorgte bereits im vergangenen Herbst in vielen Praxen für Diskussionen über Umsetzung und Aufwand.

Technische Probleme verschärfen die Situation

Neben der geringen Patientenaktivität kritisiert der Hausärzteverband wiederkehrende Störungen im Telematik-Netzwerk. Dort komme es laut Verband immer wieder zu massiven Störungen und Ausfällen. Für Praxen bedeute dies zusätzlichen Aufwand im laufenden Betrieb.

Die Kombination aus niedriger Nutzung und technischer Instabilität verstärkt nach Einschätzung des Verbands den Druck auf das Digitalprojekt.

Warum die elektronische Patientenakte kaum genutzt wird

Die vom Hausärzteverband genannten Gründe im Überblick:

  • "Absurd komplizierter Registrierungsprozess“

  • Viele Versicherte wissen nicht, dass sie eine ePA besitzen

  • Technische Störungen im Telematik-Netzwerk

Digitalprojekt mit Umsetzungsproblemen

Die elektronische Patientenakte gilt als Kernprojekt der Gesundheitsdigitalisierung. Die aktuelle Zwischenbilanz des Hausärzteverbands macht jedoch deutlich: Technische Infrastruktur und Nutzerfreundlichkeit entscheiden darüber, ob Versicherte und Praxen die ePA im Alltag nutzen.

Ob die ePA ihr Ziel einer effizienteren Versorgung erreicht, hängt damit nicht allein von gesetzlichen Vorgaben ab, sondern von der praktischen Nutzbarkeit für Patient:innen und Praxen.

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