Rücktrittsgerüchte um EZB Chefin
Christine Lagarde plant offenbar vorzeitigen Rücktritt

| Redaktion 
| 18.02.2026

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, könnte ihr Amt früher als vorgesehen niederlegen. Laut einem Medienbericht erwägt die Notenbankchefin, ihre regulär bis Oktober 2027 laufende Amtszeit nicht vollständig auszuschöpfen. Hintergrund sind politische Entwicklungen in Frankreich vor der Präsidentschaftswahl 2027 und mögliche Auswirkungen auf die Eurozone.

Die Diskussion um eine vorzeitige Ablösung an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) gewinnt neue Dynamik. Wie ntv unter Berufung auf die "Financial Times“ berichtet, wird im Umfeld von Christine Lagarde damit gerechnet, dass sie ihr Mandat vorzeitig beenden könnte. Offiziell äußert sich die EZB zurückhaltend.

Politisches Umfeld erhöht Druck

Lagardes Amtszeit läuft regulär bis Ende Oktober 2027. Nach Angaben der "Financial Times“ könnte sie jedoch bereits vor der französischen Präsidentschaftswahl im April 2027 zurücktreten. Dem Bericht zufolge soll damit verhindert werden, dass eine mögliche politische Neuordnung in Frankreich unmittelbaren Einfluss auf die Besetzung der EZB-Spitze nimmt. Lagarde zählt seit Jahren zu den mächtigsten Frauen der Weltwirtschaft.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren. In Umfragen liegt die rechtsnationale Partei Rassemblement National vorne. Auch der linkspopulistischen Bewegung La France Insoumise werden Chancen auf eine Stichwahl eingeräumt. Ein politischer Richtungswechsel in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone könnte institutionelle Debatten auf europäischer Ebene neu entfachen.

EZB weist Spekulationen zurück

Ein Sprecher der Europäischen Zentralbank erklärte, Lagarde konzentriere sich vollumfänglich auf ihre Aufgaben und habe keine Entscheidung über ein vorzeitiges Ausscheiden getroffen. Bereits im Sommer des vergangenen Jahres hatte die Notenbank entsprechende Gerüchte dementiert.

Damals war spekuliert worden, Lagarde könne an die Spitze des Weltwirtschaftsforums wechseln. Auch diese Berichte wurden von offizieller Seite nicht bestätigt. Gleichwohl zeigt die erneute Diskussion, wie stark die Personalie Lagarde mit geopolitischen Entwicklungen verknüpft ist.

Bedeutung für Geldpolitik und Märkte

Ein vorzeitiger Wechsel an der EZB-Spitze hätte erhebliche Signalwirkung für Finanzmärkte und Regierungen im Euroraum. Die Präsidentin prägt maßgeblich die Geldpolitik, insbesondere in einer Phase hoher Zinsvolatilität und konjunktureller Unsicherheit. Erst kürzlich hatte sie zudem auf die Einführung eines digitalen Euro gedrängt. 

Für die Mitgliedstaaten wäre eine frühzeitige Nachfolgeregelung mit komplexen Abstimmungsprozessen verbunden. Die Ernennung der EZB-Präsidentin oder des EZB-Präsidenten erfolgt im Europäischen Rat auf Empfehlung des Rates der EU und nach Anhörung des Europäischen Parlaments.

Ob Lagarde ihre Amtszeit tatsächlich verkürzt, bleibt vorerst offen. Klar ist jedoch, dass die Personalfrage in einem politisch sensiblen Umfeld diskutiert wird – mit potenziellen Auswirkungen auf die Stabilität der Eurozone.

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