Vinod Khosla überlegt
Müssen 80 Prozent keine Steuern mehr zahlen, wenn KI menschliche Arbeit entwertet?

| Redaktion 
| 18.02.2026

Künstliche Intelligenz verändert die grundlegende Verteilung von Einkommen: Wertschöpfung entsteht immer weniger durch menschliche Arbeit und vermehrt durch Kapital. Der indisch-amerikanische Multimilliardär Vinod Khosla schlägt deshalb – zunächst mit langem Blick auf die USA – vor, den Großteil der arbeitenden Bevölkerung von seiner Steuerlast zu befreien.

Seit langer Zeit gilt in den Vereinigten Staaten (wie auch in Deutschland) der stillschweigende Konsens, dass Kapitalerträge steuerlich begünstigt werden, um Investitionen zu fördern. Löhne hingegen werden regulär besteuert, da sie als sichere Einnahmequelle gelten.

Allerdings stammt diese Logik aus einer Welt, in der Wachstum vor allem durch menschliche Arbeitsleistung entstanden ist. Künstliche Intelligenz kehrt dieses Verhältnis um und erlaubt Unternehmen, mithilfe immer weniger Menschen immer höhere Gewinne zu erzielen.

Wer Kapital besitzt, profitiert somit überproportional. Wer nur seine Arbeitskraft verkauft, sieht sich dagegen wachsendem Konkurrenzdruck ausgesetzt – nicht mehr durch andere Menschen, sondern vor allem durch Maschinen.

"KI erfordert ein Umdenken in Bezug auf Kapitalismus und Gerechtigkeit"

In diesem Kontext wirkt die steuerliche Vorzugsbehandlung von Kapitalerträgen zunehmend anachronistisch. Warum sollte Einkommen aus Aktienverkäufen, Unternehmensbeteiligungen oder Lizenzrechten niedriger besteuert werden als das Gehalt einer Ingenieurin oder eines Pflegearbeiters?

Entsprechende Gedanken hat sich Vinod Khosla kürzlich auf X (ehemals Twitter) gemacht. Der 71-jährige gehörte Anfang der 1980er zu den Mitgründern des Technologieunternehmens Sun Microsystems und rief 2004 Khosla Ventures ins Leben, einen der bekanntesten Venture-Capital-Fonds im Silicon Valley, der früh in disruptive Technologien investiert. Forbes schätzt das Vermögen von Khosla auf derzeit etwa 11,8 Milliarden US-Dollar.

"KI wird die Wirtschaft verändern und erfordert ein Umdenken in Bezug auf Kapitalismus und Gerechtigkeit. Der Anteil der Arbeit an der Wirtschaft (im Vergleich zum Kapital) wird stark zurückgehen", überlegt Vinod Khosla online.

"Man könnte leicht die unteren 125 Millionen Steuerzahler streichen"

"Sollten wir die Vorzugsbehandlung bei der Kapitalertragssteuer abschaffen und sie an das normale Einkommen angleichen?" fragt er sich und gibt zu bedenken, dass 40 Prozent der Kapitalertragssteuern in den USA von Personen gezahlt würden, deren Einkommen die Zehn-Millionen-Dollar-Grenze pro Jahr übersteigt.

 

 

Ein extrem kleiner, sehr wohlhabender Personenkreis trägt also bereits heute einen erheblichen Teil dieser Steuereinnahmen. Dort liegt für den Unternehmer und Investor somit auch das fiskalische Potenzial.

Khosla weiter: "Man könnte leicht die unteren 125 Millionen Steuerzahler aus den Steuerlisten streichen und gleichzeitig mit einer Kapitalertragssteuer, die dem normalen Einkommen entspricht, und einigen anderen Anpassungen, einkommensneutral bleiben."

Ausgegangen von derzeit etwa 160 Millionen Steuerzahlern in den Vereinigten Staaten von Amerika entspräche das über 78 Prozent der Bevölkerung, die mit diesem Ansatz von ihrer Steuerlast befreit würden.

Steuervergünstigen "haben nichts mit echtem Kapitalismus zu tun"

Damit ist das Reformpotenzial für Vinod Khosla noch nicht ausgeschöpft, schließlich entsteht ein großer Teil der heutigen Ungleichbehandlung nicht durch Steuersätze, sondern durch Sonderregeln und Schlupflöcher.

Der Multimilliardär nennt Steuerverlustvorträge, Master Limited Partnerships (MLPs) oder steuerfreie Kredite gegen nicht realisierte Gewinne als Beispiel und bezeichnet letztere Praxis sogar offen als "echten Missbrauch": Vermögen wird beliehen, ohne dass Gewinne realisiert oder versteuert werden müssen. So lässt sich faktisch konsumieren, ohne je Einkommen zu erklären.

Die Abschaffung oder deutliche Einschränkung solcher Vergünstigungen könnte laut Khosla "zu noch höheren Einnahmen führen – und zu echten Zugeständnissen an die Arbeiterschaft".

"Diese Steuervergünstigungen sind Sondervergünstigungen, die von Lobbyisten und Wahlkampfspendern durchgesetzt wurden, und haben nichts mit echtem Kapitalismus zu tun", schließt der Venture Capitalist.

Artikelbild von Jay Dixit gemäß CC BY 4.0

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