Schlechte Prognosen für Einzelhandel
Verbraucherstimmung in Deutschland auf Jahrestief

Das HDE-Konsumbarometer für November erreicht den niedrigsten Stand seit März. Die Ursachen: sinkende Einkommenserwartungen, steigende Arbeitslosigkeit und die Furcht vor Kurzarbeit. Während das Weihnachtsgeschäft bevorsteht, häufen sich die wirtschaftlichen Warnzeichen. Verbraucher sparen, statt zu konsumieren – mit weitreichenden Folgen für Handel und Konjunktur.

Die Verbraucherstimmung in Deutschland kühlt weiter ab. Laut aktuellem Konsumbarometer des Handelsverbands Deutschland (HDE) liegt der Index für November bei nur noch 95,57 Punkten – ein neuer Tiefstwert im Jahr 2025. Vor allem der Absturz der Einkommenserwartungen drückt auf die Kauflaune. Unternehmen und Politik blicken besorgt auf das anstehende Weihnachtsgeschäft.

Was steckt hinter dem Konsumbarometer-Absturz?

Das HDE-Konsumbarometer wird monatlich vom Handelsblatt Research Institute auf Basis einer repräsentativen Umfrage unter 1.600 Haushalten erstellt. Wie das Handelsblatt berichtet, markiert der aktuelle Indexwert den niedrigsten Stand seit acht Monaten. Besonders auffällig: Die Einkommenserwartungen der Verbraucher sind so negativ wie zuletzt im Juni 2023. Die anhaltende Angst vor Arbeitsplatzverlust und Kurzarbeit trägt maßgeblich dazu bei. Laut Bundesagentur für Arbeit steigt die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit seit 36 Monaten nahezu kontinuierlich – nur in drei Monaten blieb sie stabil.

Neben der allgemeinen Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt kommt erschwerend hinzu, dass viele Haushalte bereits über Monate hinweg auf Rücklagen zurückgreifen mussten. Der finanzielle Spielraum schrumpft zunehmend. Auch gestiegene Lebenshaltungskosten, insbesondere im Bereich Energie und Lebensmittel, wirken sich dämpfend auf die Konsumfreude aus. Viele Verbraucher verzichten derzeit bewusst auf größere Anschaffungen und verschieben Investitionen auf unbestimmte Zeit.

Kurzarbeit als Konsumrisiko der Industrie

Besonders die Autoindustrie meldet zunehmende Produktionsausfälle wegen Chipmangel. Bosch, Aumovio und andere Hersteller haben bereits Kurzarbeit angekündigt oder eingeleitet. Betroffene Arbeitnehmer erhalten nur 60 Prozent ihres Nettoeinkommens, Eltern 67 Prozent. Im Oktober wurde für 37.000 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Auch Volkswagen zieht Maßnahmen in Erwägung. Besonders betroffen ist der Standort Wolfsburg: VW musste dort die Golf-Produktion vorübergehend stoppen, was die Unsicherheit zusätzlich verstärkt. Die unmittelbaren Folgen: Kaufzurückhaltung, verunsicherte Haushalte und sinkende Einzelhandelsumsätze.

Zudem hat sich die Stimmung unter mittelständischen Zulieferern spürbar eingetrübt. Viele Betriebe berichten von rückläufigen Aufträgen und steigenden Finanzierungskosten. Eine Kettenreaktion könnte drohen: Sinkende Auslastung führt zu Kurzarbeit, diese wiederum zu weniger Konsum und damit zu weiterem Umsatzrückgang in vielen Branchen. Die Bundesagentur für Arbeit registriert bereits einen spürbaren Anstieg der Anfragen zur Kurzarbeitsregelung.

Wie gefährdet ist das Weihnachtsgeschäft 2025?

Trotz staatlicher Investitionspläne für Rüstung und Infrastruktur bleibt die wirtschaftliche Erholung aus. Das Handelsblatt Research Institute erwartet für 2026 ein Wirtschaftswachstum von lediglich 0,7 Prozent. Der leichte Umsatzanstieg im Einzelhandel im September von 0,2 Prozent reicht nicht aus, um die Juli- und Augustverluste auszugleichen. Das Konsumverhalten bleibt vorsichtig, das Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung ist erschüttert. Ein schlechtes Vorzeichen für das umsatzstärkste Quartal des Handelsjahres.

Hinzu kommt, dass saisonale Impulse wie der bevorstehende Black Friday oder Cyber Monday nur begrenzt für Aufschwung sorgen dürften. Händler melden schon jetzt verhaltene Erwartungen und planen mit vorsichtig kalkulierten Lagerbeständen. Auch Rabattaktionen könnten angesichts gestiegener Einkaufspreise weniger attraktiv ausfallen. Branchenexperten warnen daher vor einem durchwachsenen Jahresabschluss für den Einzelhandel.

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