Wie reagiert Deutschland auf die Pisa-Pleite?

| Redaktion 
| 10.12.2023

Als Antwort auf die ernüchternden Ergebnisse der aktuellen Pisa-Studie wollen die Kultusminister den Lehrkräftemangel bekämpfen. Dabei könnte eine Regelung fallen, die in vielen besser abschneidenden Nationen gar nicht existiert.


Letzte Woche präsentierte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Ergebnisse der Pisa-Erhebung 2022. Dabei kam ein „beispielloser Rückgang des OECD-Leistungsdurchschnitts" zum Vorschein, wobei besonders die Lesekompetenz und die Mathematik-Kenntnisse ein desaströses Bild abgeben. In Rechenfragen ist der Leistungsrückgang demnach dreimal höher als jeder, der bisher zwischen zwei Erhebungen gemessen werden konnte.

Während es 31 Nationen gelungen ist, „ihre Mathematikleistungen wenigstens auf dem Niveau von Pisa 2018 zu halten", rangieren die 15-jährigen Schüler der Bundesrepublik sowohl hier als auch in Deutsch nun unter dem globalen Durchschnitt. Wie das Handelsblatt berichtet, identifizieren die Kultusminister einen Personalmangel als eine Quelle des ernüchternden Abschneidens: Auch aufgrund zahlreicher anstehender Ruhestände fehlen in den nächsten zwölf Jahren bis zu 70.000 Lehrkräfte.

Zwei-Fächer-Regelung wackelt

Um diesem Bedarf gerecht zu werden, werden derzeit Ansätze zur Optimierung der Lehrerausbildung diskutiert. Ein Wackelkandidat stellt unter anderem die Regelung dar, dass Lehrkräfte prinzipiell mindestens zwei Fächer studiert haben müssen. Dem Handelsblatt zufolge hat die Ständige Wissenschaftlichen Kommission (SWK) Katharina Günther-Wünsch, ihres Zeichens Berliner Senatorin für Bildung, Jugend und Familie und zudem Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), einen entsprechenden Vorschlag mit positiver Resonanz unterbreitet.

Günther-Wünsch wird zitiert, dass entsprechend ausgebildeten Lehrkräften keineswegs weniger Gehalt gezahlt werden sollte. Das Wegfallen der Regelung, die in vielen anderen Nationen in dieser Form nicht existiert, würde zahlreichen Menschen mit Interesse am Schuldienst einen Einstieg in den Beruf ermöglichen, ohne dass vorher ein weiteres Studium beendet werden muss. Im Übrigen gehören deutsche Lehrer zu den bestbezahlten der Welt, weshalb die Anhebung des Lohnniveaus zur Einsteigermotivation gerade angesichts der jüngsten Pisa-Ergebnisse nicht zur Diskussion steht.

Bessere Betreuung, kürzeres Referendariat

Laut Bericht möchten sich die Kultusminister künftig für eine bessere Betreuung von Lehramtsstudenten stark machen und dafür sorgen, dass Studium und Referendariat sinnvoller ineinandergreifen. Die SWK-Co-Vorsitzende Felicitas Thiel stört sich außerdem daran, dass die Ausbildung einer Lehrkraft mehr Zeit verschlingt als die eines Arztes.

Unter Berufung auf eine Untersuchung des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft wird darauf verwiesen, dass lediglich die Hälfte aller Lehramtsstudenten letztendlich auch wirklich im Schuldienst landet. In diesem Zusammenhang schlägt die Kommission vor, die Dauer des Referendariats von derzeit anderthalb Jahren auf ein Jahr zu verkürzen. Darüber hinaus sollen sich Lehrkräfte in spe im Rahmen des Studiums bereits gegebenen Unterricht anrechnen lassen können.

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