Toni Kroos' Ehefrau, Vorständin und Leiterin der gemeinsamen Stiftung im Interview
Jessica Kroos: "Die mediale Aufmerksamkeit, die Toni in diesen Tagen zuteilwird, hat einen direkten Effekt auf die Stiftung"

| Dagmar Zimmermann 
| 13.06.2024

Ein ganzes Land schaut auf die Nationalmannschaft – und auf Toni Kroos. Mit dem Spiel des deutschen Teams gegen Schottland beginnt Freitagabend die Fußball-Europameisterschaft. Für Marken ist Toni Kroos ein wichtiges Testimonial: Erst am Mittwoch verkündete Marc O'Polo eine Werbepartnerschaft. Aber auch neben dem Platz ist der Fußballer ein Star – mit seiner Ehefrau Jessica Kroos engagiert er sich mit der Toni Kroos Stiftung sozial. Im Interview mit LEADERSNET verrät Jessica Kroos, warum sie und Toni Kroos die Stiftung gegründet haben, welche Rolle Netzwerke dabei spielen und wie wichtig Reichweite ist.

 LEADERSNET: Warum haben Sie Ihre Stiftung gegründet?

Jessica Kroos: Wir, also Toni und ich, haben schon immer für gute Zwecke gespendet. Anderen zu helfen, uns sozial zu engagieren, liegt uns beiden einfach sehr am Herzen. Irgendwann kam in unseren Gesprächen das Thema einer eigenen Stiftung auf. Wir waren uns sehr schnell einig, dass das für uns der richtige Weg ist. Toni wollte selbst in der Hand haben, was mit den Spendengeldern passiert und sein Vermögen sinnvoll einsetzen. Zuerst ging es in unseren Überlegungen inhaltlich in Richtung Sport – etwas mit Kindern und Fußball, was durch Tonis Beruf einfach nahelag. Aber als Toni 2014 mit Real Madrid das erste Mal die Onkologie eines Kinderkrankenhauses in Madrid besuchte, war ihm danach sofort klar, dass er sich für erkrankte Kinder einsetzen möchte. 2015 haben wir das dann direkt in die Tat umgesetzt und die Toni Kroos Stiftung gegründet. Natürlich hätte ich ihn genauso unterstützt, wenn es etwas mit Fußball geworden wäre.

Ich bin jedoch sehr glücklich, dass wir uns dafür entschieden haben, etwas für kranke Kids und ihre Familien zu tun. Und für den sportlichen Aspekt gibt es mittlerweile ja nun auch die Toni Kroos Academy in Deutschland und seit kurzem auch in Madrid!

LEADERSNET: Was passiert mit den Spenden?

Jessica Kroos: Einen großen und wichtigen Teil unserer Stiftungsarbeit macht die sogenannte Einzelfallhilfe aus. Wir unterstützen Familien mit schwerkranken, chronisch kranken oder lebensverkürzt erkrankten Kindern, indem wir ihnen dringend benötigte Hilfsmittel, Maßnahmen oder Therapien finanzieren, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Familien mit schwerstkranken Kindern werden so viele Steine in den Weg gelegt, so viele Anträge werden abgelehnt. Sie müssen um so vieles kämpfen!

Wir versuchen, möglichst unbürokratische und schnelle Hilfe zu leisten, um betroffene Familien, die ohnehin schon am finanziellen Limit stehen, zumindest ein wenig zu entlasten. Zusätzlich haben wir mittlerweile sechs Partnereinrichtungen, die wir als Stiftung fördern. Das sind unter anderem Kinderhospize und Kinderkrankenhäuser. Hier helfen wir beispielsweise bei der Anschaffung wichtiger medizinischer Geräte, kümmern uns um die dort angeschlossenen Familien oder fördern notwendige Neu- und Umbauten. In all diese kleinen und großen Projekte für schwerkranke Kids und ihre Familien fließen unsere Spendengelder. Und zwar zu 100%! Toni hat von Anfang an festgesetzt, dass er keine Verwaltungs-, Personal- oder Marketingkosten über Spendengelder finanzieren wird. Es ist ihm extrem wichtig, dass jeder gespendete Cent ohne Abzüge bei unseren Stiftungsfamilien ankommt. Deswegen zahlt Toni alle laufenden Kosten privat, und 100% jeder Spende kommen den Familien zugute.

LEADERSNET: Auf das UEFA Champions League-Finale folgt die Europameisterschaft im eigenen Land. Kann die mediale Aufmerksamkeit auf Ihren Mann auch den Fokus auf die Stiftung richten?

Jessica Kroos: Ich kümmere mich in der Stiftung unter anderem um die Betreuung unserer Spenderinnen und Spender. Direkt nach dem Champions League Finale ist mir ein deutlicher Spendenanstieg ins Auge gefallen. Viele Spendeneingänge waren mit Nachrichten wie „CL-Tippspiel“ oder „Glückwünsch zum Sieg“ versehen. Viele Menschen da draußen haben Tonis bzw. Reals Sieg in der Champions League und sein letztes Spiel mit Real Madrid aus eigenen Stücken zum Anlass für eine Spende genommen. Generell ist das Interesse an Toni nochmal spürbar gestiegen, seit er sein Karriereende als aktiver Profifußballer bekanntgemacht hat.

In der Stiftung bekommen wir seitdem vermehrt Nachrichten von Menschen, die sich aufgrund der jüngsten Ereignisse mit Tonis Geschichte beschäftigen und dabei unter anderem über die Doku „Kroos“ stolpern. Darin sprechen Toni und ich auch über die Toni Kroos Stiftung. Daraufhin spenden sie an uns. Andere landen beim Googeln auf der Website der Stiftung oder verfolgen unsere Social-Media-Aktivitäten. Unser Stiftungsteam hat Tonis letzte Momente mit Real Madrid in den vergangenen Wochen auch auf den Social-Media-Kanälen der Stiftung begleitet. Das hat zu einem massiven Reichweitensprung geführt. Lange Rede, kurzer Sinn: Ja, die mediale Aufmerksamkeit, die Toni in diesen Tagen zuteilwird, hat einen direkten Effekt auf die Stiftung. Und darüber freuen wir uns wirklich sehr. Schließlich ist die Stiftung Tonis und meine absolute Herzensangelegenheit!

LEADERSNET: Wie wichtig sind Ihre Netzwerke und die Netzwerke Ihres Mannes in der Stiftungsarbeit?

Jessica Kroos: Tonis Kontakte waren vor allem zu Beginn der Stiftung wahnsinnig hilfreich. Natürlich sind sie es auch noch heute. Aber im Gründungsprozess und in den ersten Monaten der Stiftungsarbeit war das für uns alles noch Neuland. Da ist man dankbar für jede Person, die einen in den Anfängen unterstützt und der Stiftung mit auf die Füße hilft. In welcher Form auch immer! Im Vorstand und Beirat konnten wir auf Menschen setzen, denen wir blind vertrauen. Tonis langjähriger Manager Sascha Breese zum Beispiel ist von Anfang an Vorstandsmitglied, und Martin Rütter, ein sehr enger Freund der Familie, ist im Beirat. Das ist unheimlich viel wert, wenn man wie Toni als Stifter das eigene Vermögen einsetzt.

Mit den Jahren habe ich mit unserem Stiftungsteam aber auch ein großartiges eigenes Netzwerk für unser operatives Geschäft aufgebaut. Mittlerweile haben wir für nahezu jedes Problem, jede Frage oder jeden Anlass den passenden Kontakt parat. Für meine Mädels in der Stiftung und mich ist das unendlich wertvoll, weil wir autark und unabhängig agieren können. Aber es geht vor allem in Sachen Reichweite und öffentlichkeitswirksame Kommunikation nicht ohne Toni. Seine eigenen Kanäle sind ein absolut wichtiger Multiplikator für die Stiftungsarbeit. Seine Präsenz in unserem Außenauftritt ist elementar. Viele unserer sogenannten Großspender, die uns seit Jahren regelmäßig mit Spenden bedenken, stammen aus Tonis oder unserem gemeinsamen Umfeld. Wenn wir Spendenaktionen veranstalten, wie zum Beispiel jährlich zum Giving Tuesday, können wir uns darauf verlassen, dass prominente Freunde aus Tonis Kreis unseren Aufruf teilen.

Das gibt jedes Mal einen extra Push. Das alles bedeutet für uns nicht nur Bekanntheit und einen guten Namen, sondern vor allem eben finanzielle Mittel, die wir für unsere Familien in der Stiftung einsetzen können. Für die, die uns wirklich brauchen.

LEADERSNET: Würden Sie sich mehr Unterstützer aus der Wirtschaft wünschen?

Jessica Kroos: Das finde ich schwierig zu beantworten. In meiner Wahrnehmung engagieren sich bereits unheimlich viele große und kleine Firmen für den guten Zweck. Ich kann nur aus der Perspektive unserer Stiftung sprechen, da ich mich in diesem Umfeld gut auskenne. Wir beobachten, und das freut mich wirklich sehr, dass die soziale Verantwortung generell kontinuierlich steigt. Auch in der Wirtschaft.

Unter unseren Spenderinnen und Spendern ist ein großer und bedeutender Anteil an Firmen, Geschäftsführenden oder Selbstständigen. Übers Jahr gesehen werden so viele Spendenaktionen von Unternehmen oder Angestellten im Namen ihrer Firma auf die Beine gestellt. Es werden die klassischen Weihnachtsgeschenke gegen Spenden für den guten Zweck eingetauscht oder Spendensummen durch die Geschäftsleitung verdoppelt. Es wäre anmaßend, die Wirtschaftsbranche im Allgemeinen zu mehr Engagement aufzufordern. Denn im Umfeld der Toni Kroos Stiftung sind großartige Menschen mit sozialem Verantwortungsgefühl und einer großen Hilfsbereitschaft gegenüber den Hilfsbedürftigen in unserer Gesellschaft.

Vielleicht ist das aber auch eine Besonderheit unserer Stiftung. Wir erleben unsere Unterstützer, Partner und Wegbegleiter – sowohl auf privater als auch geschäftlicher Ebene – als sehr involviert und engagiert.

LEADERSNET: Wie geht es nach Tonis Karriereende für die Stiftung weiter?

Jessica Kroos:  Aus dem Bauch heraus möchte ich darauf antworten: Was soll sich denn ändern? (lacht) Die Stiftung und Tonis Fußballkarriere haben schon immer co-existiert.

Natürlich wäre eine Stiftung ohne Tonis Erfolg und seine Karriere undenkbar gewesen, aber das Bestehen der Stiftung ist nicht an sein Dasein als Fußballer geknüpft. Die Toni Kroos Stiftung wird es natürlich weiterhin geben. Wir haben uns in den letzten Jahren so großartig entwickelt. Das hätten wir bei der Gründung niemals für möglich gehalten. Unser Spendenvolumen ist mit den Jahren kontinuierlich gestiegen, genauso wie die Zahl unserer Spenderinnen und Spender. Wir haben fantastische Förderpartner und Sponsoren und konnten unser kleines Team in den letzten zwei Jahren vergrößern. Dadurch können wir so viel Gutes tun und so vielen Kids und ihren Familien den schwierigen Alltag erleichtern. Daran wird sich nichts ändern!

Wenn wir in Zukunft aber Veranstaltungen oder Besuche in unseren Partnereinrichtungen planen, wird Toni nun viel häufiger dabei sein können als bisher. Das freut nicht nur die Kids und unser Team und mich, sondern vor allem freut es Toni. Die persönlichen Begegnungen mit den Kindern und ihren Familien bedeuten ihm so viel. Das sind die Momente, die ihm ganz besonders wichtig sind. Dafür künftig mehr Zeit zu haben, ist für uns und unsere Familie eine wundervolle Aussicht.

LEADERSNET: Was treibt Sie an?

Jessica Kroos: Ich bin durch und durch Mama und Familienmensch. Ein ehrliches Kinderlachen gibt mir so viel mehr als alles andere. Mir geht einfach das Herz auf, wenn wir kranke Kinder und ihre Familien unterstützen können, indem wir ihren Alltag etwas erleichtern. Einen Alltag, den wir uns kaum ausmalen können. Wenn wir mit der Stiftung einen kleinen Unterschied machen können, für einen Moment der Unbeschwertheit und Freude sorgen können, dann hat sich jeder Tag Arbeit genau dafür gelohnt. Nicht umsonst lautet der Leitspruch unserer Stiftung „Wir schenken Lebensfreude“. Glücksmomente, Lebensqualität und Lebensfreude zu ermöglichen und dafür den schönsten Dank auf Erden zu bekommen – ein strahlendes Lachen eines glücklichen Kindes – das ist mein Antrieb.

 
 
 
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